Pay-TV-Premiere: "Mad Max: Fury Road"

Was wir bereits wissen
Sechs Oscars gewann George Millers irrer Actionhit "Mad Max: Fury Road". GOLDENE KAMERA sagt, warum das hochverdient ist.

Der 1973er Ford Interceptor rast durch die Wüste, als er plötzlich von etwas getroffen wird, sich achteinhalb Mal überschlägt und auf dem Dach liegen bleibt. Jubel am Set! Mit dem Rollover-Stunt hat das Team von "Mad Max: Fury Road" einen neuen Rekord aufgestellt. Schon diese Eröffnungsszene, die tatsächlich auch als erste gedreht wurde, setzt Standards für den besten Actionfilm der letzten Jahre, der nichts anderes ist als eine zweistündige Autohatz.

Trailer "Mad Max: Fury Road"

Wie konnte Regisseur George Miller, der mit "Mad Max" (1980, mit Mel Gibson) das Genre der Postapokalypse-Action erfand, sich noch einmal steigern und einen Film drehen, der bei den Fans diese seltsame Faszination auslöst? "Ich wollte die Welt von Mad Max so glaubwürdig wie möglich machen", sagt der 71-Jährige zu GOLDENE KAMERA.

Kein Drehbuch, sondern 3500 Storyboards

Bereits bei der Entwicklung verfolgte er einen anderen Ansatz: Er schrieb kein Drehbuch, sondern erarbeitete den Inhalt mit dem Comiczeichner Brendan McCarthy zwei Jahre lang mithilfe von 3500 Storyboards.

"Dieser Film funktioniert nonverbal", erklärt Miller – kein Wunder, dass Tom Hardy als Mad Max gerade mal 52 Sätze sagen darf. Zur Vorbereitung des Drehs stellte der Australier zudem drei Regeln auf: Alle Dinge im Film müssen zweckentfremdet sein, damit eine Welt 45 Jahre nach dem großen Knall glaubhaft wirkt. So sind die Autos (echte) aufgemotzte Cadillacs oder Militärtrucks. Die War Boys, die Mad Max und Furiosa (Charlize Theron) während der Jagd nach den entführten Zwangsehefrauen von Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) hetzen, haben Speere aus Fahrradreifen und mit Benzin gefüllten Getränkedosen, und Furiosas mechanischer Arm besteht aus Auto- und Spielzeugteilen.

Zudem muss alles schön sein: "Wir sind zwar in der Postapokalypse, aber die Menschen haben ihren Sinn für Schönes nicht verloren", meint George Miller. Daher die gesättigte Farbigkeit mit viel Blau und Orange – ganz anders als die sonst eher blassen Dystopien im Kino. Weiterhin fordert Miller "eine gewisse geistesgestörte Qualität". Der kultige Gitarren-Flammenwerfer mit 64 Boxen auf einem alten Raketentransporter sorgte dann auch für eine der besten Kinoszenen des Jahres 2015.

Absage an Computertricks

Entscheidend ist aber Millers Absage an Computertricks: "Selbst wenn sie gut sind, wirken sie immer wie Fake." Das Team entwickelte eine neue Kamerahalterung: Der sechs Meter lange "Edge Arm" wird an einen Truck montiert. So konnten 95 Prozent der Szenen in Bewegung gedreht werden, bei 140 km/h direkt neben den Autos. Per CGI wurden nur die Sicherheitsseile und Charlize Therons (echter) Arm wegretuschiert und ein Sandsturm generiert. "Ein Wunder, dass wir überlebt haben", kommentiert Miller trocken.

Mit 1700 Leuten am Set in Namibia entstanden 480 Stunden Material – eine Monsteraufgabe für Cutterin Margaret Sixel, die sie perfekt löste und so einen der sechs Oscars einheimst. George Miller wird nicht böse sein, dass ihm der Regie-Oscar verwehrt bleibt: Schließlich hat er schon einen (2007 für "Happy Feet") – und außerdem ist Margaret Sixel seine Frau.

Sendehinweis:

Sonntag, 10. April, Sky Cinema, 20.15 Uhr

Autor: Oliver Noelle

Kommentare einblenden

Der lange Weg zur GOLDENEN KAMERA 2016

Foto: © GOLDENE KAMERA / Saskia Gaulke
Was ist eigentlich alles nötig, um eine große Live-Gala wie die GOLDENE KAMERA auf die Beine zu stellen? Unser Making-of-Special gewährt exklusive Einblicke hinter die Kulissen.
Mehr lesen