Was kommt nach dem "Making a Murderer"-Hype?

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Was wir bereits wissen
Mit einer Folge von “Aktenzeichen XY… ungelöst” lässt sich “Making a Murderer” nicht mal ansatzweise vergleichen…

Als Netflix kurz vor Weihnachten letzten Jahres die True-Crime-Serie “Making a Murderer” startete, konnte niemand ahnen, dass der aufgerollte Fall des zu lebenslanger Haft verurteilten Amerikaners Steven Avery ein Stück moderne Fernsehgeschichte schreiben würde. Denn dass eine zehnteilige Dokumentation so spannend sein kann, dass nicht nur in den USA, sondern weltweit über einen möglichen Justizskandal diskutiert wird, ist mehr als außergewöhnlich. Und verständlich, denn mit einer Folge von “Aktenzeichen XY… ungelöst” lässt sich “Making a Murderer” nicht mal ansatzweise vergleichen…

Making A Murderer - Trailer

Über zehn Jahre haben die Filmemacherinnen Laura Ricciardi und Moira Demos die frappierende Gerichtsgeschichte von Steven Avery, der 18 Jahre unschuldig wegen Vergewaltigung im Gefängnis saß und zwei Jahre nach seiner Freilassung, just als er und seine Anwälte Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe geltend machen wollten mit fadenscheinigen Beweisen wegen Mordes in einem anderen Fall verurteilt wurde, begleitet, und in akribischer Arbeit aus Interviews und Originalaufnahmen ein suggestives Hochglanz-Lehrstück über die US-Strafjustiz fabriziert. Mit durchschlagendem Erfolg: Seit dem 20. Dezember haben über 400.000 Amerikaner eine Petition für Averys Begnadigung unterschrieben und damit den Rechtsfall des in Wisconsin einsitzenden 53-Jährigen wieder ins Rollen gebracht. Da überrascht es nicht wirklich, dass Netflix-Programmchef Ted Sarandos am gestrigen Sonntag im Rahmen der alljährlichen "Television Critics Association"-Pressetour durchblicken ließ, dass auch "Making a Murderer" in eine zweite Runde gehen wird.

Auf der gleichen Veranstaltung wurden die finalen Starttermine bereits angekündigter Netflix-Original-Highlights präsentiert, die auch 2016 für süchtigmachendes On-Demand-Entertainment sorgen werden. Neben der Fortsetzung der Erfolgsserie "Orange Is the New Black" (Staffel 4 ab 17. Juni) gehen u. a. die zehnteilige Comedy-Serie "The Ranch" mit Ashton Kutcher (ab 1. April), die in den 80er Jahren spielende Mystery-Serie "Stranger Things" mit Winona Ryder (ab 15. Juli) und das heißerwartete Seriendebüt von Hollywood-Regisseur Baz Luhrmann ("Moulin Rouge", "Der große Gatsby") "The Get Down" (ab 12. August) über die New Yorker Geburtsstunde der HipHop-Kultur neu an den Start...

The Get Down Sizzle

Am Rande des “Television Critics Association”-Events ließ Netflix-Gründer Reed Hastings im Interview auch noch eine Bombe bezüglich deutscher Netflix-Produktionen platzen: “Ja, wir sind in aktiven Verhandlungen über Shows. Wir werden im Februar auf der Berlinale sein und dann mehr verraten können.” Wie eine exklusiv für Netflix produzierte High-Quality-Serie Made in Germany aussehen könnte, dürfte im Frühsommer die französische Mini-Serie “Marseille” (ab 5. Mai) aus der Feder von Dan Franck (“Carlos”) zeigen, in der Gérard Depardieu nach 25 Jahren im Amt alles daran setzt, auch die nächsten Kommunalwahlen zu gewinnen – koste es, was es wolle…

Trailer "Marseille"