Hausbesuch beim Präsidenten: Wir waren am Set von "House Of Cards"

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Was wir bereits wissen
Zum Start der 4. Staffel lüften wir die letzten Geheimnisse der preisgekrönten Politserie.

Es klingt nicht gerade nach großer weiter Welt: Joppa, Maryland. Eine Schaltzentrale der Macht würde hier niemand vermuten. Doch am Ortsrand dieser 12.000-Seelen-Gemeinde finden angemeldete Besucher genau das. Zumindest jene, die bei der Fahrt durch die Provinz der US-Ostküste auf dem Interstate Highway 95 die Ausfahrt 77 nicht verpassen. Wenige Autominuten später erreicht man ein Industriegebiet, wie es sie zu Tausenden in den USA gibt. Aber nur in dem riesigen und gleichzeitig unscheinbaren Gebäude mit der Adresse 1804 Fashion Court ist die berühmteste Politserie der Welt beheimatet: "House of Cards".

Drehort Joppa

"Die meisten Autofahrer preschen einfach vorbei, ohne überhaupt zu wissen, dass diese Serie hier gedreht wird", sagt Beau Willimon zur Begrüßung. Das klingt halb verwundert, halb erleichtert. Willimon ist Schöpfer, Chefautor und Produzent – kurz: Showrunner des Serienhits über die Machenschaften des US-Präsidenten. An diesem Tag kommt für ihn noch eine weitere Funktion dazu: Gastgeber eines exklusiven Setbesuchs anlässlich des Starts der vierten Staffel (ab 4.3., 21.00 Uhr, Sky Atlantic HD). "Unser Studio ist wie ein geheimes Versteck im Wald", sagt Beau Willimon.

Angst vor allzu neugierigen Fans ist aber nicht der Grund, warum Willimon in Joppa dreht. Andere Serien mögen die Megametropolen New York oder Los Angeles vorziehen. Der 38-Jährige favorisiert diesen Ort, vor den Toren Baltimores. Dafür, so Willimon, gibt es vor allem drei Gründe: "Erstens sind wir hier nicht allzu weit weg von Washington D.C. Ab und zu drehen wir dort vor Ort. Zweitens: Das noch näher gelegene Baltimore ist fantastisch, um dort zu filmen. Es gibt Stadtteile, die nicht nur nach Washington D.C. aussehen, sondern sie können auch Kalifornien, Missouri oder South Carolina doubeln. Wir haben sogar eine Sandgrube in Maryland für eine Szene genutzt, die im Jordantal im Nahen Osten spielt! Ein dritter Grund sind die Steuervergünstigungen in Maryland."

Herrlich diabolisch: Kevin Spacey

Da ist Produzent Beau Willimon Pragmatiker, ganz wie sein Serien-Antiheld Frank Underwood. Hoffentlich die einzige Gemeinsamkeit. Schließlich ist Underwood einer der größten Bösewichte der TV-Geschichte. Wo andere Serienfieslinge auch mal Momente der Reue zeigen, regiert bei Frank Underwood völlige Skrupellosigkeit. Seit 2013 erzählt "House of Cards" vom Aufstieg des US-Politikers Underwood (herrlich diabolisch: Kevin Spacey) bis ins Präsidentenamt.

Intrigen und Manipulationen sind für ihn Tagesgeschäft, selbst vor Morden schreckt Underwood nicht zurück. Dennoch fasziniert die Figur Zuschauer wie Kritiker. Kevin Spacey gewann für die Rolle 2015 die GOLDENE KAMERA. "Ich vermute, dass seine Effektivität der Grund für Franks Beliebtheit ist – falls man bereit ist, bei den Morden ein Auge zuzudrücken", sagt Kevin Spacey im Gespräch mit GOLDENE KAMERA und lacht. "Ich glaube aber tatsächlich, dass sich die Menschen Politiker wünschen, die etwas bewegen und Veränderung bringen."

4. Staffel: 13 neue Folgen

In der neuen Staffel muss sich Präsident Underwood in Vorwahlen parteiinterner Konkurrenz stellen. Die Details der 13 Folgen sind – wie immer bei "House of Cards" – streng geheim. Am Ende der vorherigen Staffel hatte Franks kaum weniger skrupellose Ehefrau Claire (Robin Wright) der Ehe und dem Weißen Haus den Rücken gekehrt; sie hegt eigene politische Ambitionen. Wird Claire womöglich im anstehenden Wahlkampf gegen ihren Mann antreten?

Was auch immer in Staffel vier genau passiert: Ein Hauptdarsteller ist und bleibt das Weiße Haus. Die wichtigsten Räume haben die Macher in Joppa nachbauen lassen. Schauplätze und Räume, die nur in einer einzigen Szene zum Einsatz kommen, werden von den Setdesignern auf- und später wieder abgebaut. Für die regelmäßig genutzten Innenschauplätze der Serie stehen insgesamt drei Bühnen zur Verfügung. Auf Stage 1 nachgebaut sind die Wohnzimmer des Weißen Hauses und das Oval Office. Stage 2 ist Heimat des Pressezentrums sowie des Präsidentenflugzeugs Air Force One. Und Stage 3 – untergebracht in einem anderen Gebäude – umfasst die Gänge des Kongressgebäudes und das Apartment von Doug Stamper, Underwoods Stabschef und Mann fürs ganz Grobe.

Prunkstück der nachgebauten Räume ist selbstverständlich das Oval Office. Der Hauptarbeitsplatz des Präsidenten ist das berühmteste Zimmer im echten Weißen Haus. Serienchef Beau Willimon verrät: "Unser Oval Office ist ein exaktes Duplikat, aber die Proportionen sind zehn Prozent größer als beim Original. Das hat praktische Gründe: So haben wir mehr Platz, um unsere Kameras zu platzieren und zu bewegen. Abgesehen davon ist die Architektur beider Räume identisch." Der renommierte Produktionsdesigner Steve Arnold ("Forrest Gump", "Spider-Man") hat die Kulisse gemäß den echten Bauplänen nachgebildet.

Was Innendekoration und Farben betrifft, hatten die Serienmacher Spielraum, denn: Jeder Präsident darf das Weiße Haus und das Oval Office innerhalb bestimmter Grenzen nach seinem Geschmack umgestalten.

Authentizität ist die Devise

Authentizität ist die Devise, natürlich auch bei den Drehbüchern. Der Dreh einer einzelnen Staffel dauert sechseinhalb Monate. Aber zuvor haben Beau Willimon und ein halbes Dutzend Autorenkollegen mehrere Monate im sogenannten "Writers’ Room" die Geschichten und Skripte entwickelt. Dabei greift Willimon auch auf eigene Erfahrungen zurück. Vor der TV-Serie hat der Autor an Kampagnen für Politiker wie Hillary Clinton gearbeitet. Und der offizielle Berater von "House of Cards" ist Jay Carson. Der Politstratege war die Vorlage für die Hauptfigur in George Clooneys Drama "The Ides of March" und gilt als einer der wichtigsten Strippenzieher in Washington. "Falls Jay doch mal eine unserer Politikfragen nicht beantworten kann", sagt Willimon, "weiß er zumindest, welchen Politiker er fragen muss."

Der Aufwand lohnt sich. "Einige Politiker haben mir geflüstert, dass unsere Serie realistisch sei und von allen Politserien der Wahrheit am nächsten komme", sagt Kevin Spacey, der unter anderem mit Bill Clinton befreundet ist. Auch Barack Obama ist ein Fan der Serie. Während der zweiten Staffel twitterte der US-Präsident "Morgen: ‚House of Cards‘. Keine Spoiler, bitte!" Solange er sich nichts von den Methoden des Amtskollegen Underwood abschaut, ist alles in Ordnung.

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