"Operation Naked": Spannender Film über die gläserne Gesellschaft

Foto: © ZDF / Patrick Jasim
Was wir bereits wissen
Spannendes Thema, ungewöhnlich umgesetzt: Der Film "Operation Naked" (ZDF) zeigt, wie es wäre, wenn eine Datenbrille unsere Geheimnisse preisgeben würde.

Wie verändert sich unser Alltag, wenn wir nicht mehr unerkannt auf die Straße gehen können – weil unsere Mitmenschen mit einer Datenbrille sehen, wie wir heißen, mit wem wir schlafen, wie viel Geld wir besitzen und woran wir erkrankt sind?

Ein derartiges Technikszenario erinnert unwillkürlich an Ängste, die die "Google Glass" vor gut zwei Jahren auslöste. Sie schaffte es zwar nicht bis zur Marktreife, doch Google bastelt bereits an einer verbesserten Datenbrille, "Project Aura" genannt. Was sie können wird, ist noch völlig offen, dennoch spielt das ZDF bereits jetzt potenzielle Möglichkeiten durch und zeigt mit "Operation Naked" (ab sofort hier in der ZDF-Mediathek und am Montag, 22. Februar, um 23.55 Uhr im ZDF) ein ungewöhnliches TV-Experiment.

"Operation Naked" - ein fiktionaler Dokumentarfilm

In einem fiktionalen Dokumentarfilm ("Mockumentary") erklärt der Mainzer Sender mithilfe hauseigener Stars wie Claus Kleber ("heute-journal"), Oliver Welke ("heute-show"), Rudi Cerne ("Aktenzeichen XY"), Jan Böhmermann ("Neo Magazin Royale"), Markus Lanz und Dunja Hayali ("Morgenmagazin") was passieren könnte, wenn jeder Deutsche eine solche Brille besitzt und sämtliche Geheimnisse seiner Mitmenschen lüften kann.

Als die Start-Up-Unternehmerin Michelle Spark (Sarah Rebecca Gerstner) eine Datenbrille mit einer vollautomatischen Gesichtserkennungssoftware erfindet, geht ein aufgeregtes Raunen durch die Republik. Rasch befürchten Kritiker, dass Datenmissbrauch programmiert ist. Unter Technikfans wiederum löst die Hightech-Erfindung einen Sturm der Begeisterung aus. Bald schon berichtet ZDF-Anchorman Claus Kleber im "heute-journal" über die innovative Brille mit dem Namen "Real-O-Rama", und kurz darauf darf Michelle Spark ihre Erfindung bei Dunja Hayali im "ZDF Morgenmagazin" vorstellen.

Dabei kommt es zu einer Panne: Während Spark mit ihrer Brille auf der Straße unterwegs ist und ihr dabei Millionen Zuschauer zusehen, scannt die digitale Sehhilfe einen jungen Mann beim Betreten einer Schwulenbar. Weil die Brille seine Daten sofort aus dem Netz fischt, wird der Unbekannte – live im TV – als der Erdkundelehrer Pablo Rothmann identifiziert.

Die Konsequenz: Der 35-jährige Pädagoge verliert seinen Job an einer konservativen Schule – und ein Verkauf der Brille wird bald darauf von der Bundesregierung aus Gründen des Datenschutzes verboten. Doch die Politiker haben ihre Rechnung ohne die gewiefte Geschäftsfrau Spark gemacht. Kurzerhand verschenkt die Erfinderin 50.000 ihrer Datenbrillen und stellt obendrein deren Bauanleitung als Gratis-Download ins Internet.

Plötzlich bastelt jeder Deutsche seine eigene "Spionagebrille" – und bald ist im Land nichts mehr, wie es einmal war: Harmlose Brillenträger werden auf der Straße attackiert, und auf die Erfinderin Michelle Spark wird ein heimtückischer Mordanschlag verübt.

TV-Experiment von Mario Sixtus

Das TV-Experiment geht auf das Konto des renommierten Regisseurs Mario Sixtus. Der 50-Jährige wurde 2007 für seine Webvideo-Reihe "Elektrischer Reporter" mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Sixtus hat eine Mission: "Mit ‚Operation Naked‘ möchte ich zeigen, wie schnell die Technologie eine Eigendynamik entwickeln kann. Sie verändert die Gesellschaft über Nacht und schert sich dabei nicht die Bohne um Politik, Medien oder die Volksmeinung – fast so wie ein freigelassenes Virus."

Erleben werden wir das in jedem Fall, meint Mario Sixtus. "Ich bin der festen Überzeugung, dass die Digitalisierung für unsere Gesellschaft und für unser aller Leben noch einige Überraschungen bereithalten wird, an die wir jetzt noch gar nicht denken – weil wir sie uns nicht vorstellen können."

Seine "Operation Naked" gibt dem Zuschauer eine Vorahnung davon: Im Film zappt er durch 15 verschiedene ZDF-Sendungen mit 15 unterschiedlichen Perspektiven auf die Datenbrille. Und am Ende ergänzen sich die Interviews, die Claus Kleber, Markus Lanz, Dunja Hayali & Co. mit den Protagonisten führen, zu einer spannenden Zukunftsvision und werfen eine interessante Frage auf: Wird unsere Gesellschaft toleranter, wenn jeder alles über jeden weiß – oder ist das Gegenteil der Fall?

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