"Auf kurze Distanz": Zwei GOKA-Jungstars auf der schiefen Bahn

Als verdeckter Ermittler findet Klaus Roth (Tom Schilling) das Vertrauen und die Freundschaft des Wettbetrügers Luka Moravac (Edin Hasanovic, l).
Als verdeckter Ermittler findet Klaus Roth (Tom Schilling) das Vertrauen und die Freundschaft des Wettbetrügers Luka Moravac (Edin Hasanovic, l).
Foto: © WDR/UFA FICTION GmbH/Jakub Bejnarowicz
Was wir bereits wissen
Nachwuchspreisträger Edin Hasanovic und Tom Schilling erklären uns, warum man ihren neuen TV-Thriller über die Wettmafia auf keinen Fall verpassen darf.

Soviel schon mal vorweg: Der Wettmafia-Thriller "Auf kurze Distanz" ist bereits ein heißer Anwärter für unsere "Bester deutscher Fernsehfilm"-Wahl im nächsten Jahr! Denn die Produktion aus dem Hause UFA Fiction liefert nicht nur ernüchternde Einblicke in die Mechanismen des organisierten Sportbetrugs, sondern glänzt auch mit einer perfekten Besetzung. Für die Hauptrolle griff Regisseur Philipp Kadelbach auf Tom Schilling zurück, mit dem er bereits beim 2014 mit der GOLDENEN KAMERA ausgezeichneten Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" großes TV-Entertainment fabriziert hatte. Die Wahl des Gegenspielers fiel auf unseren frisch gebackenen Nachwuchspreisträger Edin Hasanovic.

Darum geht's in "Auf kurze Distanz"

Klaus Roth (Schilling) wird als verdeckter Vermittler in die serbische Wettmafia eingeschleust. Um dem Chefdrahtzieher Aco Goric das unsportliche Handwerk legen zu können, erschleicht er sich das Vertrauen von Gorics Neffen Luka (Hasanovic). Doch als ihn dieser nicht nur die Freundschaft, sondern auch die Patenschaft seines neugeborenen Sohnes anbietet und ihn Lukas Gangsterbraut Nadja (GOLDENE KAMERA Nachwuchspreisträgerin Emilia Schüle) bittet, auf ihren Liebsten aufzupassen, wird der Undercover-Cop in einen gefährlichen Gewissenskonflikt gestürzt.

Das sagen die Hauptdarsteller

Tom Schilling:

Boxen, Tennis, Fußball – wie sehr hat Sie die Dimension des mafiösen Wettbetrugs nach dem Lesen des Drehbuchs überrascht?

Ich ahnte schon vorher, dass der Profisport in jeglichem Bereich hinüber ist. Die enormen Erlöse, die durch Sportvermarktung zu erzielen sind, haben den Sport kaputt gemacht. Zum flächendeckenden Doping, der Korruption, kommt nun noch der Wettbetrug im großen Stil dazu. Zu groß sind die Mächte, die durch Vertuschung jegliche Aufklärungsarbeit verhindern. Man muss naiv oder ignorant sein, glaubt man, es ginge alles mit rechten Dingen zu.

Der Film thematisiert nicht nur die Wettmafia, sondern auch den inneren Zwiespalt von verdeckten Ermittlern – denn Klaus Roth unterstützt Luka bei seinen Verbrechen, lockt ihn so in eine Falle. Was haben Sie über die Arbeit verdeckter Ermittler gelernt, das Sie vor dem Dreh nicht wussten?

Als verdeckter Ermittler muss man der bestmögliche Schauspieler im wahren Leben sein. Wie ein begnadeter Pokerspieler muss man sein Gegenüber täuschen. Der Einsatz ist jedoch nicht Geld, sondern im Extremfall das Leben. Es ist ein Nervenkitzel und Stress, den ich persönlich niemals aushalten könnte. Zudem kommt die Scham durch die Täuschung, eventuell zu Freunden gewordener Zielpersonen. Ich habe den allergrößten Respekt vor verdeckt ermittelnden Polizisten.

Wie charakterisieren Sie Klaus Roth, was ist der Reiz an dieser Rolle?

Klaus Roth ist ein Polizist Ende zwanzig. Unter den Kollegen gilt er als schwierig. Er hat ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, wodurch er manchmal zur Überreaktion neigt. Er ist sich selbst gegenüber sehr streng und erwartet auch von anderen Perfektionismus. Seine Lebensmaxime lautet: ganz oder gar nicht. Klaus möchte - wie wir alle - wahrgenommen und geliebt werden. Durch seine schwierigen Familienverhältnisse ist dieser Wunsch möglicherweise ungesund übersteigert. Immer zwanghafter sucht er die Bestätigung, stößt infolgedessen auf Ablehnung, was seine Angst zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung macht. Sukzessive isoliert er sich, was ihn zu dem vereinsamten Mann werden lässt, der sich uns im Film zeigt. Solch eine Figur verständlich und nachvollziehbar zu machen, ist für mich als Schauspieler die wesentliche Aufgabe, die mir große Freude bereitet.

Ihre Meinung über Sportwetten?

Sportwetten in ihrer neuen Dimension, mit Wettmöglichkeiten auf kleinste Entwicklungen, wie zum Beispiel Doppelfehler beim Tennis oder rote Karten beim Fußball sind sicherlich der Grund für die flächendeckende Manipulation. Mindestens diese Spezialwetten gehören verboten, wenn man den Sport ernsthaft retten möchte. Solange die großen Wettanbieter aber finanzkräftige Sponsoren des Sports sind, wird sich am Status Quo vermutlich nichts ändern.

Inwiefern erinnert Sie "Auf kurze Distanz" an eine moderne griechische Tragödie – schließlich gerät Roth in eine derart ausweglose Situation, dass er durch jedwedes Handeln nur schuldig werden kann und sich die Katastrophe nicht mehr abwenden lässt?

Der Plot und die Figurenkonstellation von "Auf kurze Distanz" ist der Stoff, der großen Dramen. Alle Figuren sind auf tragische Art ihrem Schicksal ergeben und haben kaum die Möglichkeit, dem Teufelskreis zu entgehen. Als Zuschauer hofft und leidet man mit ihnen, und spürt doch das bittere Ende kommen. Ich mag solche großen Tragödien unglaublich gern.

Edin Hasanovic:

Glauben Sie, dass die Einblicke in die Welt der illegalen Sportwetten für Furore sorgen wird?

Ich hoffe sehr, dass der Film für Furore sorgen wird. Über das Sport-Ding mache ich mir keine so großen Gedanken. Ich freue mich einfach auf den Film, der wie ein Baby für mich ist. Mit Tom Schilling unter der Regie von Philipp Kadelbach zu arbeiten, war mit die beste Arbeit, die ich machen konnte!

Sie spielen egoistische Gewalttäter ebenso schonungslos wie verstörte Jugendliche. Inwiefern sind extreme Rollen die besseren?

Extreme Rollen sind einfach die spannendsten. Sobald eine Rolle einen Kampf zu kämpfen hat, habe ich mega Bock drauf! Wenn die Rollen eindimensional sind, dann sind sie irgendwie langweilig und dann mache ich sie auch nicht.

Interviews: Mike Powelz

Sendehinweis

"Auf kurze Distanz" läuft am 2. März um 20.15 Uhr im Ersten

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