Die Stars Clooney und Brolin über den Hit "Hail, Caesar!"

Ohrfeige für den Star: Clooney (l.) mit Josh Brolin
Ohrfeige für den Star: Clooney (l.) mit Josh Brolin
Foto: © Universal Pictures UNIVERSAL
Was wir bereits wissen
George Clooney und Josh Brolin über unseren GoKa-Kino-Tipp "Hail, Caesar!", ihre Freundschaft, das Hollywood der 50er und die schrecklich braven Schauspieler von heute.

Ein Ohrfeigengesicht hat Frauenschwarm George Clooney sicher nicht, in seinem neuen Film "Hail, Caesar!" (ab 18.2. im Kino) kassiert er dennoch eine gepflegte Watschn!

Als Hollywoodstar der 50er-Jahre wird Clooney im Hit der Coen-Brüder während des Drehs eines Sandalenfilms entführt und von einem "Problemlöser", gespielt von Josh Brolin, aufgespürt. Im Interview sprechen die beiden Stars über das Hollywood von damals und heute.

Interview mit George Clooney und Josh Brolin

Wollten Sie eigentlich immer schon mal George Clooney ohrfeigen?

Josh Brolin: Die Welt wird mir dankend zu Füßen liegen, wenn sie sieht, was ich mit George anstelle (lacht). Diese Szene hat uns viel Spaß gemacht. Eigentlich wollten wir das Ohrfeigen auch proben, aber George war in Italien und konnte nicht kommen. Stattdessen schrieb er eine SMS an Joel und Ethan Coen: "Tut mir leid, dass ich nicht da sein kann. Bitte sagt Josh, dass er mich so oft und so hart schlagen darf, wie er will."

Hat Clooney sich für die Ohrfeigen gerächt?

Josh Brolin: Das kommt noch. Zumal ich außerdem etwas sehr Dummes angestellt habe: Meine Verlobte Kathryn Boyd und ich haben sein Auto in Zellophan eingewickelt. Wir haben uns bestens dabei amüsiert. Später habe ich gehört, dass George einfach nur "Brolin!" sagte, als er sein Auto sah. Er schien nicht sauer, aber er lächelte auch nicht. Er zerriss einfach nur das Zellophan und fuhr nach Hause. Die Sache ist die, dass George und ich uns schon seit unserer Kindheit kennen. Ich weiß also, dass er sich eigentlich immer revanchiert. Und demnächst dreht George "Suburbicon" – und ich bin sein Star. Oh weh!

Haben Sie über das Hollywood der 50er recherchiert?

George Clooney: Nicht so sehr. Erstens kannte ich die 50er-Jahre und die McCarthy-Ära schon durch meinen eigenen Film "Good Night, and Good Luck". Zweitens bin ich in den Coen-Filmen eh nie der Hellste – da spiegelt sich wohl auch ein bisschen wider, was sie grundsätzlich von mir denken (lacht). Aber als Baird Whitlock bin ich diesmal der Dümmste von allen. Er ist ein völlig ahnungsloser, naiver Filmstar, wie er im wahren Leben natürlich nie vorkommt, oder?

Haben Ihr Vater James Brolin und Ihre Stiefmutter Barbra Streisand Tipps geben können?

Josh Brolin: Nein. Beide sind gegen Ende dieser Hollywood-Epoche groß geworden. Den wahren Blick hinter die Kulissen verdanke ich dem Buch "The Fixers". Verglichen mit damals ist Hollywood heutzutage richtig brav. Kim Kardashian und Justin Bieber können nicht mithalten mit den vertuschten Storys etwa eines Clark Gable, der angeblich betrunken einen Fußgänger überfuhr!

Wie muss man sich einen Tag am Set von Joel und Ethan Coen vorstellen?

George Clooney: Verrückt! Die beiden arbeiten sehr schnell. Maximal drei Aufnahmen, und die Szene steht! Und während der Dreharbeiten stehen sie direkt neben der Kamera und lachen – zur Verzweiflung der Tonleute – viel zu laut. Ich denke dann immer: Jesus, ihr ruiniert euren eigenen Film! Aber am Set geht es nie angespannt zu. Ich habe versucht, sie gegeneinander auszuspielen, indem ich dem einen sagte, der andere sei der bessere Regisseur. Aber das hat nichts gebracht. Diese Brüder streiten nie!

Wie blöd kamen Sie sich in diesem Cäsaren-Rock vor?

George Clooney: Das Röckchen war doch hübsch, oder? Meine Frau Amal meinte, dass Leder 2016 sehr angesagt sei (lacht). Es gab mehrere Momente in dem Job, in denen ich bei der Anprobe dachte, dass dieses Kostüm das Ende meiner Karriere bedeuten wird. Das gleiche Gefühl überkam mich auch diesmal. Und die Tatsache, dass Joel und Ethan lachend und kichernd aus dem Garderobenraum liefen, half auch nicht gerade.

Was braucht man, um einen Coen-Deppen zu spielen?

George Clooney: Auf keinen Fall Würde! Denn sobald der Zuschauer mich in dem Lederröckchen sieht, ist es damit ohnehin vorbei. Vertrauen umso mehr, aber nicht in mich selbst, sondern in die Regisseure. Wenn Joel und Ethan etwas lustig finden, spiele ich die Szene so, wie sie es wollen, selbst wenn es mir peinlich ist. In "O Brother, Where Art Thou?" wollten sie, dass ich wie Popeye klinge. Jedem anderen Regisseur hätte ich den Mittelfinger gezeigt, aber den beiden Brüdern habe ich vertraut.

Kommen Sie sich als Filmstar selbst manchmal wie ein Idiot vor?

George Clooney: Der erste Schritt, sich selbst zu einem Idioten zu machen, ist zu denken: Oh Gott, ich bin ein Filmstar! Ruhm bringt viele idiotische Dinge mit sich, manchmal auch ungewollt. Wenn ich etwa in ein Restaurant gehe und die Security andere wegschubst, um den Weg für mich freizumachen, damit ich wie ein König einmarschieren kann, ist mir das immer sehr peinlich. Wenn man nicht aufpasst, können solche Dinge sehr schnell außer Kontrolle geraten. Es ist schon ewig her, dass ich selbst zum Baumarkt gegangen bin, um ein Kantholz und einen Hammer zu kaufen. Solche Momente vermisse ich oft.

Josh Brolin: Damals nahmen Studios ja den Ruhm eines Filmstars sehr ernst. Sie kreierten eine Art Mythologie. Wie die Geschichten über die griechischen Götter, die halb Gott, halb Mensch waren und Beine wie Pferde hatten. Heutzutage gibt es diese Märchen nicht mehr. Die Seifenblase ist geplatzt. Stars sind genauso fehlbar wie Normalsterbliche. Es ist alles nur ein idiotischer Zirkus. Und um ehrlich zu sein, Schauspieler zu sein kann sich verdammt schrecklich anfühlen. Nur eine starke Seele kann das ständige Beurteiltwerden aushalten. Die Kritik, der wir ausgesetzt sind, macht mürbe. Deswegen hat sich Philip Seymour Hoffman nach 22 oder 23 Jahren wieder den Drogen zugewandt, obwohl er wusste, dass es ihn umbringen würde. Das alte Studiosystem hätte ihn geschützt, aber heutzutage sind Stars durch die sozialen Medien Freiwild.

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