Edin Hasanovic und Tom Schilling schließen einen Pakt mit dem Bösen

Was wir bereits wissen
Im Spitzensport wird schamlos betrogen – behauptet der TV-Thriller "Auf kurze Distanz". Wie realistisch ist das? HÖRZU fragte Sportexperte und Autor Benjamin Best.

Auf einer einsamen Lichtung tief im Wald schaut ein Mann dem Tod ins Gesicht. Genauer: in den Lauf eines Revolvers. Während er um Gnade fleht, streiten seine Entführer darüber, ob sie den Drahtzieher einer internationalen Gang von Wettbetrügern erschießen oder noch einmal davonkommen lassen sollen.

Der Auftakt des TV-Thrillers "Auf kurze Distanz" (Mi., 2. März, 20.15 Uhr, Das Erste) ist packend und zieht den Zuschauer unweigerlich hinein in einen Film, der schon jetzt zu den spannendsten Fernsehproduktionen 2016 zählt. Nachwuchspreisträger Edin Hasanovic und Tom Schilling erklären uns hier, warum man ihren neuen TV-Thriller über die Wettmafia auf keinen Fall verpassen darf.

Die brisante Handlung

Der verdeckte Ermittler Klaus Roth (Tom Schilling, bekannt aus "Unsere Mütter, unsere Väter", 2014 mit einer GOLDENEN KAMERA ausgezeichnet) freundet sich auf Befehl seines Chefs mit Luka Moravac (Edin Hasanovic, Nachwuchspreisträger der GOLDENEN KAMERA 2016) an. Moravac ist Neffe des serbischen Clanchefs Aco Goric (Lazar Ristovski), eines wichtigen Drahtziehers im Bereich der organisierten Kriminalität. Sein zentrales Geschäft ist der Betrug mit Sportwetten. Goric "kauft" Sportler vom Tennisstar bis zum Fußballdrittligisten, um auf abgesprochene Ereignisse wie den Abbruch eines Matchs wegen Verletzung zu setzen.

Das Drehbuch zum Thriller, geschrieben vom preisgekrönten Autor Holger Karsten Schmidt ("Mord in Eberswalde"), ist durch Meldungen zum Betrug im Tennis brandaktuell. Und die Dokumentation "Wettbetrug im Fußball", die im Anschluss an den Film um 21.45 Uhr gesendet wird, erschüttert das Vertrauen in den Profisport weiter.

"Der Film ist absolut glaubwürdig."

Doch sind diese Anschuldigungen der Filmemacher berechtigt? HÖRZU befragte dazu den investigativen Journalisten und Sportexperten Benjamin Best. Seit Veröffentlichung seines Bestsellers "Der gekaufte Fußball. Manipulierte Spiele und betrogene Fans" im Jahr 2013 gilt er als Spezialist für das Thema. In HÖRZU verrät der 39-Jährige: "Der Film über die Wettbetrüger ist absolut glaubwürdig. Es gibt eine große Zahl von Sportarten, in denen Korruption und Betrug mittlerweile dominieren. Dazu zählen Fußball, Tennis, Basketball, Eishockey und Boxen. Mit anderen Worten: die großen Publikumssportarten, in denen viel Geld steckt."

Interview mit Benjamin Best

Best beschäftigt sich seit zehn Jahren mit Sportwetten. Nach seinen Angaben beläuft sich der weltweite Umsatz der Branche auf 500 Milliarden Euro. Der Experte erklärt: "Es gibt aktenkundige Fälle, in denen siebenstellige illegale Gewinne durch Wettmanipulation akquiriert wurden. Millionengewinne sind an der Tagesordnung. In letzter Zeit beobachtet man, dass sich Kriminelle von Drogengeschäften wegbewegen, da sie mit Sportwetten mehr Geld machen. Und das Risiko, ertappt zu werden, ist geringer."

Besonders viel Umsatz lasse sich laut dem Experten mit Spezialwetten machen: "Dabei kann man darauf setzen, wer das nächste Tor oder den nächsten Freistoß schießt, wie viele Tore insgesamt im Spiel fallen, wie es zur Halbzeit oder zum Ende der Spielzeit steht oder wie viele Gelbe und Rote Karten der Schiedsrichter zeigt. Eine unüberschaubare Palette. Insgesamt gibt es viele Einzelwetten, die jeder Anbieter zudem anders handhabt. Bei dem in Deutschland führenden Wettanbieter Tipico etwa wurden im Jahr 2014 über eine Milliarde Wetten platziert."

Der Insider Benjamin Best ist sogar davon überzeugt: Viele Spitzensportarten sind mittlerweile nur noch Schein. "Die perfekte Fassade ist längst angeknackst – was auch der Fifa-Skandal und die Machenschaften rund um die WM-Vergaben nach Katar und Russland zeigen. Doch die Bevölkerung sieht Sport in erster Linie noch immer als Unterhaltung und Ablenkung von Alltagsproblemen. Sie möchte nicht daran denken, dass beim Sport eventuell manipuliert worden ist. Ein bisschen ist das Ganze so, als ginge man in eine Theatervorstellung."

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