Heute im TV: "Die Akte General" - mit Ulrich Noethen als Nazi-Jäger

Was wir bereits wissen
Nach dem 2. Weltkrieg wollte Staatsanwalt Fritz Bauer (Ulrich Noethen) NS-Verbrecher vor Gericht bringen. Das TV-Drama "Die Akte General" zeigt seinen einsamen Kampf.

Hitler hätte in Deutschland immer noch leichtes Spiel. Behauptet der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer in einem Interview. Im Jahr 1963. Damit löst er eine Welle der Empörung aus. Der streitbare Jurist gilt als Quertreiber. Viele Politiker fordern seine Absetzung.

Heute wird Bauer als Held gefeiert

Denn gegen alle Widerstände machte er es sich zur Lebensaufgabe, frühere Nazi-Verbrecher vor Gericht zu bringen. Der Politthriller "Die Akte General" (Mi., 24. Februar, 20.15 Uhr, Das Erste) zeigt Bauers einsamen Kampf.

Trailer zu "Die Akte General"

1952 rehabilitierte er die Widerstandskämpfer des 20. Juli, die bis dahin als Landesverräter galten. 1963 initiierte er die Auschwitz-Prozesse. Und er spürte Adolf Eichmann, den Organisator des Holocaust, in Argentinien auf.

Erwünscht war das damals nicht. Viele Deutsche wollten einen Schlussstrich unter die dunkle Vergangenheit ziehen. In den Nachkriegsjahren nahmen viele ehemalige Nazis hohe Positionen in Wirtschaftsunternehmen ein, fällten als Richter weiter Urteile und bestimmten in der Politik die Geschicke der Bundesrepublik. Ein prominentes Beispiel ist Hans Globke, Konrad Adenauers Staatssekretär. Auch den hatte Fritz Bauer im Visier. Doch der Kanzler schützte seinen engsten Mitarbeiter und meinte, die junge Republik sei beim Wiederaufbau auf Leute wie ihn angewiesen.

Bauer saß im KZ

Aber Bauer ließ nicht locker. 1933 war der jüdische SPD-Mann acht Monate im KZ inhaftiert gewesen, 1936 nach Dänemark emigriert. Im Film gibt es Anspielungen auf seine angebliche Homosexualität, für die es jedoch keine Belege gibt. Über seine Vergangenheit redete Bauer kaum. "Er wollte nie den Anschein erwecken, dass er aus Rache handelte", sagt Drehbuchautor Alex Buresch. "Es ging ihm darum, eine neue, demokratische Republik zu formen."

Dabei stieß Bauer immer wieder auf massive Widerstände – auch in den eigenen Reihen. "Wenn ich mein Büro verlasse, betrete ich Feindesland", sagte er einmal über die Kollegen aus der Justiz. Bauer war ganz auf sich allein gestellt.

Erst nach seinem Tod wurde bekannt, dass Bauer in Argentinien Adolf Eichmann ausfindig gemacht hatte und ihn vor Gericht bringen wollte. Doch weder daran noch an seiner Ergreifung hatten Politiker und Bundesnachrichtendienst (BND) Interesse. Dessen Chef Reinhard Gehlen war ebenfalls ein ehemaliger Nazi. Bauer behauptete sogar, Eichmann sei in Kuwait, da er fürchtete, BND-Agenten würden den Gesuchten warnen. Deren Angst war es, Eichmann könnte vor Gericht die Namen weiterer ehemaliger Nazis nennen. Genau das erhoffte sich Bauer. Heimlich traf sich der Staatsanwalt mit Agenten des israelischen Geheimdiensts Mossad. Als er diesen stichfeste Beweise liefern konnte, entführten sie Adolf Eichmann. 1961 stellte man ihn in Israel vor Gericht.

Ulrich Noethen verkörpert Bauer grandios

Zum Helden wurde Fritz Bauer trotzdem erst posthum. "Zu seiner Zeit sah man ihn eher als Nestbeschmutzer", erklärt der Schauspieler und GOLDENE KAMERA-Preisträger (2006) Ulrich Noethen, der Bauer grandios verkörpert und dem knorrigen Original erstaunlich nahekommt. "In ihm steckten tief verwurzelte Überzeugungen, die ihm die Kraft gaben, seine Ziele gegen alle Widerstände zu verfolgen", sagt Noethen. "Er hat gezeigt, dass es möglich ist, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Dafür sind wir nternational sehr angesehen."

Auch Drehbuchautor Alex Buresch sieht in dem unbeugsamen Staatsanwalt bis heute ein Vorbild: "Man wünschte sich, es würde in unserer Gesellschaft mehr mutige Menschen wie Fritz Bauer geben."

Wer sollte einschalten?

Zuschauer, die sich für Filme mit einem politischen, dokumentarischen Hintergrund begeistern.

Warum muss ich "Die Akte General sehen"?

Um eine wichtige Person der deutschen Nachkriegsjahre kennen zu lernen, die bisher eher unbekannt war.

Für Fans von...

"München", "Stunde Null", "Bonhoeffer – Die letzte Stufe"

Die GOKA-Wertung

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