Warum der deutsche Film international "Im Labyrinth des Schweigens" steckt

"Im Labyrinth des Schweigens" mit Alexander Fehling
"Im Labyrinth des Schweigens" mit Alexander Fehling
Foto: © Universal
Was wir bereits wissen
Auch das nominierte Nachkriegsdrama mit Alexander Fehling hat es 2016 nicht ins Rennen um den Auslands-Oscar geschafft hat. Wir hätten dafür eine Erklärung...

Wenn in der Nacht zum 29. Februar bei den 88. Academy Awards der Gewinner des Auslands-Oscars verlesen wird, darf sich wieder einmal kein deutscher Beitrag Hoffnungen darauf machen, dass im Umschlag der eigene Filmtitel steckt. Bereits zum 6. Mal in Folge hat es kein deutscher Film in der Kategorie "Bester nicht englischsprachiger Film" unter die fünf nominierten Finalisten geschafft. Eine traurige Bilanz, die ins internationale Bild zu passen scheint, denn auch im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes sucht man deutsche Produktionen seit Jahren vergebens. Womit sich die Frage stellt...

Warum wird Kino 'Made in Germany' international nicht als konkurrenzfähig wahrgenommen?

Die Antwort steckt in der Auswahl, die das Jury-Gremium der German Films Service + Marketing GmbH für den deutschen Beitrag im diesjährigen Auslands-Oscar-Rennen getroffen hat. Gegen Oliver Hirschbiegels "Elser - Er hätte die Welt verändert", Til Schweigers "Honig im Kopf", Edward Bergers "Jack", Marc Schlegels "Schmidts Katze" und Burhan Qurbans "Wir sind jung. Wir sind stark" hat sich am Ende "Im Labyrinth des Schweigens" von Giulio Ricciarelli durchgesetzt.

Trailer zu "Im Labyrinth des Schweigens"

Ricciarellis Nachkriegsdrama, das es immerhin auf die neun Filme umfassende Vorauswahl-Shortlist der Academy für den Auslands-Oscar geschafft hat, ist zeifelsohne ein bewegendes Lehrstück über die kollektive Holocaust-Verdrängung der jungen Bundesrepublik. Ästhetisch und dramaturgisch erweist sich "Im Labyrinth des Schweigens" jedoch als akribisches Ausstattungskino, das sich nach altbekanntem Muster an der deutschen Geschichte abarbeitet und mit dem hierzulande leider charakteristischen Hang zum Übererklären dem Zuschauer die Denkarbeit abnimmt. Damit entpuppt sich unser Auslands-Oscar-Kandidat erneut als "auf Nummer Sicher"-Entscheidung, die symptomatisch für die behaglich zwischen Filmförderung und fernsehtauglicher Massenkompatibilität eingerichtete deutsche Filmbranche zu sein scheint.

Die "Victoria"-Kontroverse

Weitaus weniger zum Scheitern verurteilt wäre Sebastian Schippers Thriller-Experiment "Victoria" gewesen, der ebenfalls zur Wahl stand, von der German Films Jury aber nicht berücksichtigt wurde, da im Film statt der für die Auslands-Oscar-Kategorie erlaubten 40 Prozent ganze 49 Prozent Englisch gesprochen werden. Anstatt lapidar zu erklären, dass keine Ausnahmegenehmigung vorgelegen habe, wäre es im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit sinnvoller gewesen, wenn sich die Jury um eine solche für den Gewinnerfilm des deutschen Filmpreises bei der Oscar Academy bemüht hätte. Denn "Victoria" repräsentiert mit seinem in Echtzeit gedrehten Konzeptfilmansatz eben jenes ästhetische und erzählerische Aufbegehren, das dem Gros deutscher Filmproduktionen komplett abgeht.

Trailer zu "Victoria"

In "Victoria" ist zudem etwas spürbar, das die Filmkritikerin der ZEIT Katja Nicodemus jüngst in ihrem Essay über den einzigen (!) deutschen Berlinale-Wettbewerbsbeitrag "24 Wochen" beschrieben hat. Im Gegensatz zum französischen Kino fehle dem deutschen nämlich der "selbstverständliche Umgang mit dem Mysteriösen, Skurrilen und eigensinnig Normalen".

Drei deutsche GOKA-Alternativen fürs Auslands-Oscar-Rennen

Wir haben unter den im Nominierungszeitraum September 2014 bis August 2015 im Kino gestarteten deutschen Filmen drei von der German Films Jury ignorierte Geheimtipps herauausgesucht, die es zwar auch nicht zwingend in die Endausscheidung der Auslands-Oscars geschafft hätten. Dafür hätten sie unter Beweis gestellt, dass auch in der deutschen Filmlandschaft Produktionen gedeihen, die ihre Geschichten unkonventionell und mit vereinnahmender Selbstverständlichkeit erzählen.

Rosa von Praunheims Doku-Spielfilm-Mix "Härte" über das Leben von Andreas 'Karate Andy' Marquardt.

Trailer zu "Härte"

Die Tragikomödie "Hedi Steiner steckt fest" von Sonja Heiss über eine Frau am Rande des Ausnahmezustands.

Trailer zu "Hedi Schneider steckt fest"

Christian Froschs Drama "Von jetzt an kein Zurück" über eine junge Liebe im hoffnungslosen Kampf gegen die repressive Gesellschaft der 1960er Jahre.

Trailer zu "Von jetzt an kein Zurück"
Kommentare einblenden

"Der geilste Tag": Todgeweihte auf der letzten großen Tour

Road-Movie trifft Buddy-Movie trifft Tragikomödie – keine schlechte Kombination. Auch die beiden Stars Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer bilden ein witziges Duo.
Mehr lesen