Im Interview: Oscar-Gewinnerin Brie Larson

Hollywoods neue Oscar-Prinzessin: Brie Larson (26)
Hollywoods neue Oscar-Prinzessin: Brie Larson (26)
Foto: © Theo Kingma
Was wir bereits wissen
Zum deutschen Kinostart des Entführungsdramas "Raum" sprachen wir mit der preisgekrönten Protagonistin über den Film und eine Zeit, in der sie noch "ein Niemand" war.

Als ihr Name bei den 88. Academy Awards verlesen wurde, mögen viele noch mit den Achseln gezuckt haben. Doch seit ihrem Oscar-Gewinn ist Brie Larson und ihre preiswürdige Performance in "Raum" in aller Munde. Im bewegenden Entführungsdrama, das am 17. März in Deutschland ins Kino kommt, glänzt die 26-Jährige als entführte Frau, die sich liebe- und phantasievoll um ihren fünfjährigen Sohn Jack (Jacob Tremblay) kümmert, mit dem sie über Jahre in einen geheimen Kellerraum eingesperrt ist. Wir haben Brie Larson zu den Hintergründen ihrer Oscar-reifen Rolle befragt.

Trailer zu "Raum"

Brie Larson im Interview

Am Anfang war das Wort... beziehungsweise der Roman von Emma Donoghue, die auch das Drehbuch für "Raum" geschrieben hat. Kannten Sie den Roman, bevor Ihnen diese Rolle angeboten wurde?

Ich bin eine Leseratte und lese oft vier Bücher gleichzeitig. Ungefähr ein Jahr vor der Verfilmung wurde mir der Roman zugeschickt mit der Notiz: "Die Rechte sind verkauft. Sie werden einen Film daraus machen. Es ist total toll. Lies und genieße es, denn wahrscheinlich wirst du die Rolle nie bekommen, denn du bist ein Niemand in Hollywood." (lacht) Ich habe dieses Buch nicht nur gelesen, sondern buchstäblich verschlungen und mich total in die Geschichte von Jack und Ma verliebt. Und zum ersten Mal seit meiner Kindheit hat mich ein Buch zu Tränen gerührt. Das letzte Mal war es "Wo der rote Farn wächst". Es ist Beweis für Emmas Schreibtalent, dem Leser einen Blick in eine tragische und deprimierende Situation zu geben und trotzdem dank der Unschuld eines Kindes Schönheit und Freude zu zeigen.

Und wie haben Sie als damaliger "Niemand" dann diese Rolle bekommen?

Regisseur Lenny Abrahamson hatte meinen Film "Short Term 12 – Stille Helden" gesehen und war der festen Überzeugung, dass ich Talent besaß. (lacht) Er lud mich daraufhin zu einer Tasse Kaffee ein – und ein kurzes Hallo und Händeschütteln verwandelte sich in ein vierstündiges Gespräch mit Lachen und Weinen und dem Austausch von Fotos: Ich von meinen beiden Hunden, Lenny von seinen Kindern.

Der Roman war inspiriert vom Fritzl-Fall in Österreich. Hatten Sie darüber gelesen?

Nicht über den Fritzl-Fall, aber über Elizabeth Smart und Jaycee Lee Dugard sowie drei weitere Mädchen in Cleveland. Aber ich konnte nur eine Story pro Tag lesen, weil sie so unheimlich tragisch sind und mich sehr mitgenommen haben.

Haben Sie mit diesen Frauen zur Vorbereitung auf Ihre Rolle auch gesprochen?

Diese Frauen gehen mit ihren schlimmen Erfahrungen sehr protektiv um, worüber ich sehr glücklich bin. Ich habe einen Eindruck ihre Tortur durch das Ansehen von TV-Interviews bekommen, die ich fürchterlich fand, weil sie etwas so Intimes in die Öffentlichkeit zerren. Die Opfer brauchen nach ihrer Rettung die heilender Kraft der Familie und nicht eine zurechtgemachte Frisur oder ein makelloses Make-up, um sich besser zu fühlen. Deswegen war es mir sehr wichtig, dass wir eines dieser Interviews auch in "Raum" zeigen. Eine andere Quelle für die Vorbereitung auf diese Rolle ist die momentane Bewegung, dass immer mehr entführte und sexuell missbrauchte Frauen den Mut finden, ihre Kidnapper oder Vergewaltiger öffentlich anzuklagen – egal ob die Schlagzeilen mit der Kirche, dem College oder einem Celebrity zu tun haben.

Welche Beziehung haben Sie zu engen Räumen? Fühlen Sie sich darin wohl oder klaustrophobisch?

Als Vorbereitung für die Dreharbeiten habe ich mich einen Monat lang in mein Haus zurück gezogen und von der Welt, der Familie und Freunden abgeschirmt. Man entdeckt sehr viel über sich selbst, wenn man mit seinen Gedanken alleine ist.

Welche Szenen fielen Ihnen schwerer: im Raum oder nach der Befreiung?

Die zweite Hälfte des Films war härter für mich, weil sich meine Figur Ma mit dem psychologischen und körperlichen Trauma ihrer Gefangenschaft auseinandersetzen muss. Im Raum selbst hatte ihr Gehirn gewisse Realitäten abgeschaltet und sich darauf konzentriert, ihre ganze Liebe und Fürsorge ihrem Sohn Jack zu widmen. Diese Selbstlosigkeit war ihre Zuflucht im Raum, aber jetzt, wo sie sich in Sicherheit befindet, muss sie an Akzeptanz und Vergebung arbeiten.

Interview: Anke Hofmann

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