"13 Hours": Der Albtraum von Bengasi

Was wir bereits wissen
Michael Bay verfilmte mit "13 Hours" den Terrorangriff auf Amerikaner in Libyen. GOLDENE KAMERA spricht mit dem Regisseur – und den echten Helden.

Die dritte Mörsergranate trifft voll auf das Dach von Gebäude C – genau zwischen sie. Tyrone Woods ist sofort tot, sein Freund Mark Geist verletzt: Der linke Arm hängt in unnatürlichem Winkel herunter, fünf Zentimeter der Elle fehlen. Die Szene aus dem Kinohit "13 Hours" (Kinostart: 3. März 2016) hat sich wirklich so ereignet, denn Michael Bay (51) – eher bekannt für sein Popcorn-Krawumm à la "Transformers 1-4" –verfilmte den Terroranschlag auf den US-Botschafter in Libyen 2012 in realistischem Look mit Nahaufnahmen und Wackelkamera.

Die salafistische Miliz Ansar al-Scharia tötete damals Christopher Stevens. Das US-Militär griff nicht ein – doch sechs CIA-Bodyguards wollten nicht untätig bleiben und retteten auf eigene Faust 26 Amerikanern das Leben.

GOLDENE KAMERA spricht mit den Machern des Films und drei der überlebenden Helden von 2012, erklärt die komplizierten Kampfhandlungen – und deren brandaktuelle Bedeutung für den Präsidentschaftswahlkampf in den USA.

"Das ist ein klassischer Albtraum", sagt Regisseur Michael Bay im Interview mit GOLDENE KAMERA

"Wir müssen da raus!"

Die Freunde um Kris Paronto, Jack Silva und Tyrone Woods sind sich einig: Sie wollen helfen. Erst vor wenigen Minuten wurde ein Anschlag auf den US-Botschafter in Bengasi verübt. Trotz Vorwarnungen und einer ersten Attacke im Juni stellte das Auswärtige Amt nur fünf offizielle Sicherheitsleute ab, die aber den Angriff auf das diplomatische Gelände nicht verhindern konnten. Kris, Jack und Co. haben mit der Sache eigentlich nichts zu tun, denn sie arbeiten als freiberufliche Bodyguards im zehn Minuten entfernten CIA-Gebäude. Für 150.000 Dollar im Jahr beschützen die Ex-Seals und Ex-Ranger jetzt amerikanische Agenten. Doch dann hören die sechs Kumpel den per Funk abgesetzten Notruf "Wenn ihr nicht kommt, werden wir alle sterben!". Und sie handeln ...

GOLDENE KAMERA spricht mit den echten Veteranen aus dem Film "13 Hours"

"Das ist ein klassischer Albtraum", sagt Regisseur Michael Bay im Interview mit GOLDENE KAMERA. "Und wenn du diesen Albtraum hast, wünschst du dir Leute, die dich retten." Für die Rollen der sechs Freunde hätte der 51-Jährige die größten Namen Hollywoods bekommen können, doch er besetzte eher unbekannte Schauspieler um John Krasinski ("The Office"). "Jerry Bruckheimer sagte zu mir: 'Mike, verfilme das nicht mit großen Stars! So muss niemand dieses Gepäck tragen'. Dieses ist mein realistischster Film überhaupt", erklärt Michael Bay, der diesen Film für vergleichsweise geringe 50 Millionen Dollar in Marokko und auf Malta drehte.

Im Konvoi fahren die inzwischen bis an die Zähne bewaffneten Bodyguards durch den Feierabendverkehr der Hafenstadt am Mittelmeer zum diplomatischen Gelände. Angeblich soll ihnen eine den Amerikanern freundlich gesinnte Miliz mit dem Namen "17. Februar" (nach dem Tag, an dem 2011 die Revolution gegen Gaddafi begann) helfen. Doch sie sehen nur bärtige Männer mit Kalaschnikows. Das können Freunde sein – aber genauso gut auch Feinde!

"Der Film erzählt nur das, was passiert ist – mehr nicht."

"Wenn wir nach fünf Minuten losgefahren wären und nicht nach 25, würde Botschafter Stevens noch leben", ist Kris Paronto überzeugt. Doch der CIA-Befehlshaber wollte nicht. Im Nachhinein versuchten die Republikaner, die Ereignisse zu nutzen, indem sie Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton Sicherheitslücken und falsche Entscheidungen von Bengasi vorwarfen. "Die Leute wollten etwas Politisches daraus machen", so Mark Geist. "Aber der Film erzählt genauso wie das gleichnamige Buch nur das, was passiert ist – mehr nicht."

Featurette: "The Men Who Lived It"

Die Freunde erreichen schließlich das diplomatische Gelände, sie sammeln die Überlebenden ein und verschanzen sich mit insgesamt 26 Menschen im CIA-Annex. Während die Diplomaten und Agenten in Gebäude C ausharren, verteilen sich die Bodyguards auf die Dächer und halten drei Angriffswellen stand. "Ich dachte, ich sehe mich selbst", sagt Kris Paronto über "seinen" Schauspieler Pablo Schreiber. Der damals 41-jährige Paronto ist ein typischer "Contractor", wie freiberufliche Bodyguards in den USA heißen: groß und bärig, knuffig und cool.

"Bruderliebe, Mut, Vertrauen in dein Team und in Gott", sieht Kollege John Tiegen als unabdingbare Charaktereigenschaften. Hinzu kommt Spaß an einem kühlen Bier oder einem zotigen Witz: Sogar zwischen den einzelnen Angriffswellen rief Paronto scherzhaft laut nach einer "blonden, großbusigen Stripperin". Die kommt leider nicht – dafür aber nach 13 Stunden ein Konvoi aus Militärfahrzeugen, die sich vor dem Haupteingang des CIA-Geländes postieren. Freund oder Feind? Kris Paronto reagiert in unnachahmlicher Art und macht zum Test den "Surfergruß".

So locker war Hillary Clinton nicht – sie musste vor einen Untersuchungsausschuss. Ihre Präsidentschaftskandidatur 2016 attackieren die Republikaner erneut mit einer politischen Mörsergranate.

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