"Im Herzen jung": Interview mit den "heute-show"-Comedians zu ihrem Showstart

Oliver Welke (l.) und Ditmar Wischmeyer bei ihrem gemeinsamen Programm "Im Herzen jung!".
Oliver Welke (l.) und Ditmar Wischmeyer bei ihrem gemeinsamen Programm "Im Herzen jung!".
Foto: © ZDF / Victor Hedwig
Was wir bereits wissen
Die "heute-show"-Comedians Dietmar Wischmeyer und Oliver Welke über ihr Bühnenprogramm, Altern in HD und Mitleid mit Merkel.

An einer Stelle von "Im Herzen jung" (Sonntag, 13. März, 20.30 Uhr, 3sat) fragt Oliver Welke (49) Dietmar Wischmeyer (58): "Kennst du gar keine Schamgrenze?" Offensichtlich nicht: Es geht um Sex im Alter, peinliche Rentner-Outfits und Menschen, die im Supermarkt minutenlang zärtlich tastend den Reifegrad von Avocados und Kiwis testen. Oder wie Wischmeyer es nennt: Südfrucht-Petting.

GOLDENE KAMERA hat die "heute-show"-Kollegen und Humor-Veteranen zum Gespräch gebeten.

Interview mit Dietmar Wischmeyer und Oliver Welke

Wie altert ein Comedian in Würde?

Oliver Welke: Im Fernsehen? Leider unmöglich, zumindest in Zeiten von HD. Jeder kann den Verfall in erschreckenderb Bildschärfe miterleben. Zum Glück vergammelt der Zuschauer mit uns. Aber vermutlich würde es schon helfen, wenn wir das, was wir auf der Bühne probieren – Tanzbewegungen, Gesangseinlagen –, weglassen würden. Leider zu spät.

Was darf der Zuschauer noch erwarten?

Dietmar Wischmeyer: Vieles, von dem man nie gedacht hätte, dass es bei 3sat um 20.30 Uhr laufen würde. Wir haben Begriffe kreiert, die man nun nahtlos in seinen Privat-Wortschatz einreihen kann. Das ist Bildungsfernsehen at its best!

Ein Beispiel, bitte.

Oliver Welke: Irgendwann fällt das Wort Nashornmuschi. So was muss man natürlich im Kontext sehen. Leider fällt mir der Kontext gerade nicht mehr ein. Dieses Ziel hatten wir ja schon damals beim "Frühstyxradio": den aktiven Wortschatz einer ganzen Generation zu versauen.

Mitte der 90er-Jahre haben Sie dort gemeinsam Radio-Comedy gemacht. Herr Welke, war Dietmar Wischmeyer eigentlich Ihr Entdecker?

Oliver Welke: (lacht) Nein, Wischmeyer hat Oliver Kalkofe entdeckt, und Kalkofe hat mich entdeckt und zum "Frühstyxradio" geholt. Ich studierte noch in Münster, wie Kalkofe, der ein Praktikum beim Sender ffn in Hannover machte. Er hat mich mal mitgenommen, und wir machten eine erste gemeinsame Serie fürs "Frühstyxradio", das Dietmar gegründet hatte.

In Ihrem Bühnenprogramm geht es viel um Alltagsbeobachtungen – eine willkommene Abwechslung zu den Politikthemen der "heute-show"?

Oliver Welke: Absolut. Es ist persönlicher, sich mal wieder Alltagsthemen zu widmen. Dazu kommt: Die Bühne ist für mich so was wie Urlaub. Sobald das Programm steht, ist es ein entspanntes Leben und man kann die Tage auf Tour genießen. Die "heute-show" dagegen ist von Montag bis Freitag sehr anstrengend, weil wir jede Woche wieder bei null anfangen.

Es soll gerade jüngere Zuschauer geben, die Ihre Nachrichten allein aus der "heute-show" beziehen. Finden Sie das gefährlich?

Dietmar Wischmeyer: Ich sehe es vor allem als Kritik an der konventionellen Nachrichtenaufbereitung. Die viel gelobte "Tagesschau", die als Fernsehmeilenstein gilt, ist für mich keine gute Nachrichtensendung. Weil sie zu oft die Verbreitung von Politikerstatements mit Nachrichten verwechselt. Motto: "... sagte dazu Andrea Nahles." Das will keiner, der noch zwei Synapsen zusammenschalten kann, wirklich wissen! Klassische Nachrichten müssen die Zuschauer wieder stärker an den Stoff heranführen. Da ist die "heute-show" in der Aufbereitung moderner.

Wie sehr würde Ihnen eigentlich Angela Merkel für die Show fehlen, sollte sie gestürzt werden? Haben Sie vielleicht sogar Mitleid?

Oliver Welke: Es ist fast wie einst bei Helmut Kohl: Es gibt eine junge Generation, die eine Welt ohne Kanzlerin Merkel nicht kennt. Das wird ein Kulturschock. Ich glaube aber nicht an den Merkel-Sturz. Wenn der einzige Kronprinz – bei allem Respekt – Opa Schäuble heißt, dann hat die Union ein Problem. Ich denke, Merkel wird 2017 hinschmeißen. Sie schaut sich alles gerade genau an und sagt nächstes Jahr vor der Wahl: "Wisst ihr, Kinder, ich habe mir überlegt, ich kümmere mich um meine Gurken in der Uckermark. Viel Spaß mit dem Scherbenhaufen!" Mein Mitleid braucht Merkel als Allerletztes.

Zuletzt gab es Streit darüber, ob AfD-Politiker vor den Wahlen in den sogenannten Elefantenrunden im Fernsehen sitzen dürfen. Würden Sie einen AfD-Politiker in die "heute-show" einladen?

Oliver Welke: Nein, man würde ihnen einen zu großen Gefallen tun. Wer glaubt, sie inhaltlich knacken zu können, ist auf dem Holzweg, weil sie sich nicht mit Argumenten auseinandersetzen. Es ist wie bei allen Verschwörungstheoretikern: Egal, was du sagst, sie nehmen es als Bestätigung für ihr Weltbild. Und trotzdem muss in einer Runde aller Parteien die AfD sitzen. Allein um deren Opfermythos nicht zu fördern.

Herr Welke, Sie hatten gemeinsam mit Bastian Pastewka und Oliver Kalkofe die Skripte zu den beiden "Wixxer"-Kinofilmen geschrieben. Nun gab es Streit zwischen Kalkofe und Pastewka, Teil drei wurde gestoppt. Können Sie vermitteln?

Oliver Welke: Als eine Art UNO der Comedy? Beide in einen Raum sperren? Selbst wenn es nicht "Der Wixxer 3" wird: Ich fände es toll, wenn wir drei noch mal ein Drehbuch schreiben würden. Ich würde auch nicht ausschließen, dass das noch mal passiert. Abwarten.

Interview: Michael Tokarski

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