Ein Coming-out zum "Aus der Haut" fahren

Trouble in der "Aus der Haut"-Familie: Susann (Claudia Michelsen), Problemsohn Milan (Merlin Rose) und Gustav (Johann von Bülow)
Trouble in der "Aus der Haut"-Familie: Susann (Claudia Michelsen), Problemsohn Milan (Merlin Rose) und Gustav (Johann von Bülow)
Foto: © UFA Fiction
Was wir bereits wissen
Must-See-Premiere im Ersten: Das neue TV-Drama von "5 Jahre Leben"-Regisseur Stefan Schaller mit Newcomer Merlin Rose, Johann von Bülow und GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Claudia Michelsen.

Coming-out-Portrait, Familiendrama, Coming-of-Age-Story – was nach überfrachteter Fernsehfilmschwermut klingt, sind nur die thematischen Eckpfeiler, aus denen "5 Jahre Leben"-Regisseur und Grimme-Preist-Autor Jan Braren ("Homevideo") ein fein gezeichnetes Lehrstück über die emotionalen Fallstricke konstruiert haben, die jede Form von Emanzipation mit sich bringt.

Darum geht's in "Aus der Haut"

Milan (Merlin Rose) ist ein 17-jähriger Jugendlicher, der zwar eine Freundin hat, sich in Wahrheit aber zu seinem besten Freund hingezogen fühlt. Als er ihm im Suff seine Liebe gesteht und brüsk zurückgewiesen wird, baut Milan mit dem Auto einen schweren Unfall, der sich nachträglich als Selbstmordversuch entpuppt. Seine geschockten Eltern atmen erst wieder auf, als sich Milan vor ihnen als schwul outet und sich sein postpubertäres Extremverhalten somit rückblickend als Ergebnis unterdrückter Homosexualität erklären lässt. Doch je mehr sie ihren Sohn darin bestärken, sich auf die Suche nach seiner sexuellen Identität zu machen, beginnen die Ärztin Susann (Claudia Michelsen) und der Architekt Gustav (Johann von Bülow) an ihren eigenen bildungsbürgerlichen Zielen und Lebensentwürfen zu zweifeln.

Trailer zu "Aus der Haut"

Dass "Aus der Haut", den Das Erste am 9. März um 20.15 Uhr ausstrahlt, trotz kleinerer klischeehafter Wendungen niemals die Bodenhaftung verliert, ist den drei grandios aufspielenden Hauptdarstellern zu verdanken. Allen voran Merlin Rose ("Feuchtgebiete"), der Milans innere Zerrissenheit regelrecht spürbar macht und im Interview erklärt, warum in unserer vermeintlich toleranten Gesellschaft Coming-outs noch immer großen Mut verlangen...

Merlin Rose über "Aus der Haut"

Johann von Bülow ("Das Fremde in mir") und Claudia Michelsen, die 2013 für ihre Leistung in "Der Turm" die GOLDENEN KAMERA als "Beste deutsche Schauspielerin" verliehen bekam, bilden mit ihrer nuancierten Darstellung eines aus der Bahn geworfenen Mittelschicht-Ehepaares für Rose die perfekte schauspielerische Spiegelfläche. Eine Leistung, die das Duo im Interview bereits im außergewöhnlichen Drehbuch angelegt sah...

Claudia Michelsen und Johann von Bülow über "Aus der Haut"

Die dramatische Dynamik zwischen den drei Protagonisten schlägt den Zuschauer auch deswegen in seinen Bann, weil Regisseur Schaller (zumindest seinen Hauptdarstellern) viel Raum zur Entfaltung lässt. Dass dabei das Coming-out vom Familiendrama überlagert wird, ist in seiner universellen Nachvollziehbarkeit nicht nur die dramaturgische Stärke von "Aus der Haut", sondern auch eine produktionstechnischer Glücksfall, denn ursprünglich sollte Milan im Film deutlich jünger sein...

Regisseur Stefan Schaller und Autor Jan Braren über "Aus der Haut"

"Aus der Haut" steht nicht nur die üblichen 7 Tage in der ARD Mediathek auf Abruf bereit, sondern bis zum 9. Juni 2016. Jetzt hier ansehen.

TV-Wiederholungen:

Donnerstag 10. März 2016, 00.20 Uhr, Das Erste

Samstag, 12. März 2016, 20.15 Uhr, Einsfestival

Wer sollte einschalten?

Alle, die daran gezweifelt haben, dass man auch ein vermeintlich "schlüpfriges" Thema unaufgeregt und zugleich mitreißend erzählen kann.

Warum muss ich "Aus der Haut" sehen?

Weil Rose, Michelsen und von Bülow den Prozess der Emanzipation in all seinen aufwühlenden Facetten schauspielerisch greifbar machen.

Für Fans von...

"Freier Fall" mit Max Riemelt und Hanno Koffler und "Eltern" mit Charly Hübner und Christiane Paul

Die GOKA-Bewertung:

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