Heike Makatsch über ihre Rolle als "Tatort"-Kommissarin Ellen Berlinger

Heike Makatsch in ihrem ersten "Tatort"-Fall.
Heike Makatsch in ihrem ersten "Tatort"-Fall.
Foto: © SWR/Ziegler Film
Was wir bereits wissen
Sex, würgende Schulmädchen und eine Schwangerschaft. Der erste "Tatort"-Fall wird heftig für Heike Makatsch. Hier verrät sie, ob sie weitermacht.

Schulmädchen, die gefährliche Würgespiele praktizieren. Investoren, die Mieter aus abbruchreifen Häusern treiben. Sexsüchtige Jobcenter-Angestellte, die Hartz-IV-Empfänger ausnutzen. Ja, Heike Makatschs "Tatort"-Debüt "Fünf Minuten Himmel" (28. März, 20.15 Uhr, Das Erste) konfrontiert Krimifans mit harten Themen – und wirft zahlreiche Fragen auf.

GOLDENE KAMERA traf Heike Makatsch zum Exklusiv-Interview

"Fünf Minuten Himmel" ist ein sogenannter "Event-Tatort". Was heißt das konkret?

Es ist ein besonderes Ereignis, da ich als Ellen Berlinger – vorerst einmalig – als neue TV-Kommissarin ermittle. Ungewöhnlich ist auch, dass die Episode umweltverträglich gedreht wurde.

Heißt das, Ihr Krimi ist ein "Bio-Tatort"?

Ja – er wurde ressourcenschonend produziert. Statt mit Autos sind wir mit Fahrrädern zum Dreh gefahren, und die Tonabteilung arbeitete mit Akkus statt mit Batterien. Außerdem haben wir fast nur Bio-Gemüse aus der Freiburger Region gegessen.

Der Produzent Marc Müller-Kaldenberg beschreibt Ihre Figur, Ellen Berlinger, als "komplex, verschlossen und abweisend – mit einem verborgenen sympathischen Kern". Richtig?

Vor allem gibt sie Rätsel auf – weil sie 15 Jahre nach der Geburt ihrer Tochter, die sie damals bei ihrer Mutter zurückgelassen hatte, wieder hochschwanger aus London in Freiburg auftaucht. Gleich an ihrem ersten Arbeitstag wird sie mit einem erdrosselten Mitarbeiter eines Jobcenters konfrontiert.

Wurde Ihre eigene Schwangerschaft extra in die Filmhandlung eingebaut?

Im Grunde war sie sogar ein fehlendes Mosaiksteinchen für das Drehbuch – denn vor meiner Schwangerschaft haben wir uns lange gefragt, warum Berlinger wieder zurückkommt. Diese Frage schwebte ständig im Raum. Dann hat uns das wahre Leben einen Grund geschenkt – nämlich Ellens Wunsch, ihre belastete Vergangenheit aufzuarbeiten und optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Apropos Zukunft: Kürzlich gab's die Schlagzeile, dass Ihr "Tatort"-Aus bereits feststünde – weil künftig Harald Schmidt in Freiburg ermitteln soll. Stimmt das?

Es war nie eine beschlossene Sache, dass der "Tatort" mit Ellen Berlinger in Serie geht. Jetzt jedoch hat sich herausgestellt, dass alle Beteiligten dafür sind, ich selbst eingeschlossen. Aktuell warten wir auf grünes Licht für die Finanzierung, und wir haben auch schon Vorüberlegungen für den nächsten Fall angestellt. Wo genau dann ermittelt wird, ist aber noch offen.

"Fünf Minuten Himmel" behandelt die Kluft zwischen Arm und Reich auf beeindruckende Weise. Wie würden Sie den sozialen Hintergrund beschreiben?

Weil die soziale Kluft immer größer wird, nehmen vor allem bei Jugendlichen Hoffnungslosigkeit und Angst, nicht gebraucht zu werden, zu. Im Grund wissen die Heranwachsenden in unserem Film nie, was sie morgen erwartet – sie geben nicht mehr viel auf ihr Leben und das anderer, ihre Umgangsformen verrohen. Schließlich drücken sich ihre Todessehnsüchte in den berauschenden Nahtoderlebnissen aus, wie sie durch das dargestellte ‚Bio-Kiffen‘ ausgelöst werden.

Ihr Krimi zeigt, wie dieses extreme Hyperventilieren funktioniert. Darf man das demonstrieren?

Im TV wird ja auch gemordet, ohne dass man das gleich nachahmt. "Bio-Kiffen" ist auch keine Neuheit, sondern wurde schon zu meiner Schulzeit praktiziert. Wir stellen die Folgen des Rauschzustands auch nicht wunderschön dar, sondern verstörend. Ich glaube, dass junge Zuschauer eigenverantwortlich genug handeln, um sich nicht gegenseitig in die Ohnmacht zu schicken.

Welchen "Tatort"-Stars sehen Sie gern zu?

Ich finde die Kieler Krimis mit Axel Milberg und Sibel Kekilli, Wotan Wilke Möhrings "Tatorte" und das Dortmunder Team um Jörg Hartmann gut.

Bis zu 13.700 Menschen kommentieren die "Tatort"-Folgen bei Twitter. Twittern Sie mit?

Nein, mit Twitter und anderen sozialen Medien kenne ich mich nicht so gut aus.

Wie wichtig ist Ihnen die Einschaltquote?

Ich freue mich, wenn wir viele Zuschauer erreichen. Einschaltquoten bedeuten offensichtlich – gerade beim Tatort – eine Menge. Ich persönlich kann jedoch die Quote nicht als Qualitätsmerkmal gelten lassen.

Schlussfrage: Was sind Ihre nächsten TV-Projekte?

Zunächst einmal läuft der Film "Zweimal zweites Leben" am 17. April um 20.15 Uhr im ZDF. Darin spiele ich eine junge Ehefrau, die nach einem Reitunfall ins Koma fällt. Ihr Mann (Benno Fürmann) verliebt sich daraufhin in eine andere Frau. Außerdem liefere ich mir mit Fahri Yardım für die Arte-Reihe "Paare" eine fiktive Beziehungsschlacht auf der Psycho-Couch. Und ich leihe der Wolfsmutter Rakscha in der neuen Disney-Produktion "Das Dschungelbuch" meine Stimme.

Trailer zu "Das Dschungelbuch"

Interview: Mike Powelz

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