Lug & Trug: Die neue Netflix-Serie "Flaked"

Ein Schritt vorwärts, zwölf Schritte zurück: Chip (Will Arnett) in "Flaked"
Ein Schritt vorwärts, zwölf Schritte zurück: Chip (Will Arnett) in "Flaked"
Foto: © Netflix
Was wir bereits wissen
Mit der Dramedy über einen scheinheiligen Selbsthilfeguru erzählt Autor und Hauptdarsteller Will Arnett ("Arrested Development") seine bislang persönlichste Geschichte.

"Chip ist ein Arschloch!" "Chip ist ein komplizierter Typ." – Dieser Dialog über die zentrale Figur der neuen Netflix-Originalserie "Flaked" bringt sehr schön das dramaturgische Spannungsfeld auf den Punkt, auf dessen Grundlage Hauptdarsteller Will Arnett und Co-Autor Mark Chappell ihre neue Dramedy konzipiert haben. Denn "Flaked" ist das tragikomische Portrait eines Mannes, der sich permanent aus der Verantwortung stiehlt – was die umgangssprachliche Übersetzung des Serientitels bedeutet.

Darum geht's in "Flaked"

Chip (Arnett) ist einer der vielen Lebenskünstler, die Venice Beach die Aura einer Hipster-Kommune verleihen. Seit er im Suff einen Mann totgefahren hat, radelt Chip zu den Treffen der Anonymen Alkoholiker und steht als selbsternannter Selbsthilfeguru strauchelnden Teilnehmern beratend zur Seite. Dass er damit nur von eigenen Schwächen ablenken will, wird deutlich, als er mit Kellnerin London (Ruth Kearney) anbändelt obwohl sein bester Freund Dennis (David Sullivan) ein Auge auf sie geworfen hatte.

Trailer zu "Flaked" (OF)

In den acht Episoden der ersten Staffel wird nach und nach zu Tage gefördert, dass der Rotwein in Chips Kombucha-Flasche bei weitem nicht die einzige Lüge ist, auf der sein ganzer Lebensentwurf basiert. Diesen manipulativen Tunichtgut schlaue Selbsthilfesprüche absondern zu lassen, ist dabei ein smarter Seitenhieb auf die Scheinheiligkeit der Lebenshilfe-Industrie. Chip gleichzeitig als irgendwie doch liebenswerten Romantikheld zu zeichnen, erweist sich hingegen als problematisch. Das ist schade, denn wie Will Arnett im Interview verrät, ist die Serie über einen notorischen Lügner aus sehr persönlichen Gründen entstanden. Als zweifach geschiedener und zwischenzeitlich trockener Alkoholiker hat der 45-jährige Kanadier nämlich am eigenen Leib erfahren, wie leicht der eigene Selbstbetrug zur Belastung des befreundeten Umfelds werden kann...

Interview-Feature zu "Flaked" (OF)

Will Arnetts Einschätzung, dass "Flaked" wie das wirkliche Leben weder Komödie noch Drama ist, trifft den Nagel auf den Kopf. Doch für bewusst leichtfüßig erzähltes Serien-Entertainment wirkt dieser emotionale Spagat schlicht zu unausgegoren.

Sendehinweis

"Flaked" ist ab dem 11. März auf dem Streaming-Portal Netflix abrufbar.

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