Das NSU-Trio im TV: "Mitten in Deutschland: NSU"

Was wir bereits wissen
Die TV-Trilogie "Mitten in Deutschland: NSU" beleuchtet die rechtsradikalen NSU-Morde aus Sicht der Opfer, der Ermittler, aber auch der Täter. GOLDENE KAMERA traf die Macher.

Seit fast drei Jahren schweigt sie beharrlich: Beate Zschäpe, Hauptangeklagte im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München. Aussagen, die sie mit ihrem neuen Anwalt vorbereitete und von ihm im vergangenen Dezember und Januar verlesen ließ, haben das Schweigen nur scheinbar gebrochen.

Die bedrückendste Mordserie der deutschen Nachkriegszeit

Wer ist diese Frau? Wie rutschte sie ab ins rechtsradikale Milieu? Der erste Teil der umfassenden Filmtrilogie "Mitten in Deutschland: NSU" über Entstehung und Anschläge der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) beschäftigt sich mit diesen Fragen (am Mittwoch, 30. März, 20.15 Uhr, Das Erste, Teil 2 und 3 am 4. und 6. April). Im Zentrum steht dabei die wohl bedrückendste Mordserie der deutschen Nachkriegszeit, die der NSU von 2000 bis 2007 verübte. Die Trilogie erzählt, wie drei junge Menschen bürgerlicher Herkunft im Osten Deutschlands Anfang der 1990er verrohen und zu gewaltbereiten Neonazis werden.

Für den Film wählten Regisseur Christian Schwochow ("Der Turm") und Autor Thomas Wendrich eine Herangehensweise, die auf den ersten Blick provoziert. Wendrich: "Wir hatten relativ schnell entschieden, dass wir zunächst eine empathische Perspektive wählen: auf die mutmaßlichen Täter als Menschen, die in Umbruchzeiten groß werden." Regisseur Schwochow, der in Ostberlin aufwuchs und wie die Täter einer Generation angehört, für die nach dem Mauerfall gleichzeitig alles und nichts möglich schien, ergänzt: Er habe sich dem Trio wie ein ehemaliger Klassenkamerad nähern wollen.

Ein bewusst unideologischer Blick, der die Frage stellt, wie anfällig jeder Einzelne für Rassismus ist, und Licht auf eine Gesellschaft wirft, in der Rassismus alltäglich zu werden droht. Vor den Dreharbeiten lagen zwei intensive Jahre der Recherche: Tausende Seiten Akten wurden durchforstet, Protokolle der Untersuchungsausschüsse gelesen, viele Gespräche geführt mit Anwälten, Aussteigern aus der Szene, Freunden und Feinden des Trios sowie Streetworkern aus Jena.

Schwochow griff zudem auf Informanten zurück, die er 2002 im Rahmen einer TV-Reportage über die Jenaer Neonazi-Szene ausfindig gemacht hatte. Damals saß er mitunter im Wohnzimmer von Ralf Wohlleben, der sich ebenfalls im NSU-Prozess verantworten muss. "So gut wie alles, was zu sehen ist, ist belegt", sagt sein Recherchekollege Thomas Wendrich.

Zuerst die Vorgeschichte der Täter, dann die Morde

Teil eins der Trilogie zeigt die Vorgeschichte der Täter und endet mit dem Untertauchen von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt 1998. Die Morde stehen im Fokus der weiteren Folgen. Für die Schauspieler des Trios wurde der Film zu einer enormen Herausforderung. "Es ist sehr schwer, eine Person darzustellen, die noch lebt, sich in einem laufenden Verfahren befindet, nur zehn Jahre älter ist als ich und zu der jeder eine Meinung hat", sagt Anna Maria Mühe (30), die Zschäpe spielt. "Das Thema geht einem sehr nah. Hier kann ich mich nicht verstecken hinter dem Deckmantel, doch 'nur Schauspielerin' zu sein."

Zschäpe ist mal mit dem einem, mal mit dem anderen Uwe liiert. Im Trio haben die beiden unterschiedliche Rollen: Mundlos (Albert Schuch) ist der Ideologe, Böhnhardt (Sebastian Urzendowsky), ein früheres Heimkind, der Waffennarr. Am schwierigsten war es für die Schauspieler, die eigenen Gefühle auszublenden. "Es gibt eine Szene mit 120 Komparsen, in der Mundlos eine Rede hält", erinnert sich Schuch. "Alle heben den Arm und rufen 'Sieg heil!'. Danach waren wir alle platt von der Dynamik, die wir spürten – bis ein Komparse anhob mit 'Nazis raus!'. Plötzlich schrie es der ganze Saal, auch Assistenten, Kamera- und Kostümleute. Das war wie eine Reinwaschung. Da habe ich gemerkt, was für ein Druck auf allen liegt – obwohl man meinte, das gut beiseiteschieben zu können."

Teil zwei der Trilogie zeigt das Leid der Opfer und ihrer Familien am Beispiel des in Nürnberg erschossenen Enver Simsek. Teil drei beleuchtet die undurchsichtige Rolle des Verfassungsschutzes im NSU-Fall. Die Filme stellen unbequeme Fragen: auch nach dem Zustand der Ermittlungsbehörden. Und der ganzen Nation.

Sendetermine im Ersten:

Teil 1: Abrufbar in der ARD-Mediathek

Teil 2: "Die Opfer - Vergesst mich nicht" - Mo, 4. April, 20.15 Uhr

Teil 3: "Die Ermittler - Nur für den Dienstgebrauch" - Mi, 6. April, 20.15 Uhr

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