"Protokolle des Bösen": Deutschlands Serienkiller lassen bitten

"Protokolle des Bösen": Profiler Stephan Harbort befragt 'Serienmörderin' Michaela May
Foto: © PR/A&E/Getty/Koch
Was wir bereits wissen
Beim Pay-TV-Sender A&E entsteht eine Crime-Dokuserie, die auf den Gesprächsaufzeichnungen des Profilers Stephan Harbort basiert. Wir erinnern an das Kinovorbild und hätten zum Thema noch eine schöne Filmidee.

Wie werden Menschen zu Serienmördern? Dieser Frage ist Stephan Harbort in rund 50 Interviews nachgegangen, die der Profiler und Autor in Gefängnissen und psychiatrischen Einrichtungen mit überführten Schwerverbrechern geführt hat. Fünf dieser Begegnungen werden jetzt beim Pay-TV-Sender A&E als kammerspielartige Eigenproduktionen Fernsehrealität und ab dem 24. September ausgestrahlt.

"Protokolle des Bösen" bei A&E

In den halbstündigen Episoden sitzt Kriminalist Harbort erneut seinen mörderischen Gesprächspartnern gegenüber, die diesmal aber von namhaften Schauspielern verkörpert werden. Bisher bestätigt sind Uwe Ochsenknecht als Raubmörder, Detlef Bothe als Triebmörder und Michaela May als Patientenmörderin, die den besonderen Reiz dieser schauspielerischen Herausforderung auf den Punkt bringt: "Ich finde es sehr spannend, in das Psychogramm einer realen Figur einzusteigen. Die Beweggründe und persönlichen Aussagen dieser Frau erfordern ein sensibles Einfühlen und die Suche nach einer möglichst glaubhaften überzeugenden Darstellung. Eine so realistische Situation gibt es ja in fiktiven Filmen nie, und genau das hat mich gereizt."

Das Kinovorbild im Geiste: "Der Totmacher"

Da werden natürlich Erinnerungen an "Der Totmacher" von 1995 wach. Romuald Karmakars Kammerspiel basiert auf Originalprotokollen, die Professor Ernst Schultze 1924 bei der psychiatrischen Untersuchung des Massenmörders Fritz Haarmann erstellt hatte. Der GOLDENE KAMERA-Preisträger von 1992 und 2001 Götz George ist darin in einer seiner größten Rollen zu sehen und verriet damals im Interview, wie er durchgehend am Schreibtisch sitzend diese schauspielerische Intensität erreicht hat: "Ich bewege mich innerlich..."

"Kino '95"-Feature zu "Der Totmacher"

Frederick Lau als Fritz Honka?

Im Fahrwasser der "Protokolle des Bösen" finden wir, dass es auch im deutschen Kino wieder Zeit für einen neuen "Totmacher" wäre! Angesichts der Flut an spannenden Romanverfilmungen 2016 schlagen wir eine Adaption von Heinz Strunks gefeiertem Roman "Der goldene Handschuh" vor, in dem der "Fleisch ist mein Gemüse"-Autor die tragische Genese des ewigen Verlierers Fritz Honka zum berüchtigten Frauenmörder von St. Pauli nachzeichnet. Strunk, der für seinen dokumentarischen Roman die Prozessakten von 1976 einblicken durfte, hat im Rahmen einer bravourös ungeschönten Milieustudie ein erbarmungslos ehrliches Täterpsychogramm zu Papier gebracht, für dessen Darstellung wir den perfekten Schauspieler wüssten: Frederick Lau. Und zwar nicht, weil der 26-Jährige mit ein bisschen Make-up physiognomische Ähnlichkeit zu Honka aufweist. Sondern weil der für "Victoria" und "Die Welle" mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Berliner im schauspielerischen Sinne der wuchtigste Charakterdarsteller ist, den wir derzeit haben. Für eine derart intensive Rolle wie Fritz Honka wie geschaffen, oder?

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