I Believe I Can Fly: "Eddie the Eagle" im Interview

Skisprunglegende und Filmthema: Michael "Eddie the Eagle" Edwards (52)
Skisprunglegende und Filmthema: Michael "Eddie the Eagle" Edwards (52)
Foto: © Brad Barket/Getty Images
Was wir bereits wissen
Zum Kinostart des Biopics über Englands skurrile Skisprung-Legend berichtet uns der echte Eddie Edwards exklusiv aus seinem sprunghaften Leben.

Ohne Frage: Die Geschichte von Michael "Eddie" Edwards, der 1988 als britischer Underdog im Skisprung-Wettbewerb der Olympischen Winterspiele antrat und Kultstatus erlangte, ist filmreif. Jetzt hat Regisseur Dexter Fletcher den Sprung gewagt und "Eddie the Eagle: Alles ist möglich" (Kinostart: 31. März) gedreht, in der Hugh Jackman als Trainer und Taron Egerton in der Titelrolle zu sehen sind. Das sympathische Biopic-Original traf sich mit unserer Korrespondentin Anke Hofmann zum exklusiven Plausch.

Eddie Edwards im Interview

Wie ist es, nach 28 Jahren Ihr Leben auf der Leinwand zu sehen?

Sehr surreal. Es war mein Traum, 1988 für Großbritannien bei der Winter-Olympiade in Calgary als Skispringer anzutreten. "Eddie the Eagle" getauft zu werden war ein großer Bonus. Das war einfach toll und mein Plan war es, etwas Aufmerksamkeit und Ruhm zu ergattern, um einen Sponsor zu finden und dann bei den Winterspielen 1992, 1994, 1998, 2002 und eventuell sogar 2006 teilzunehmen. Leider hat mir der Ruhm einen Strich durch diese Rechnung gemacht, denn die nach meinem Start eingeführte "Eddie the Eagle"-Regel, die nur noch die besten 50 Springer des Weltcups zulässt, hinderte mich daran, noch einmal bei olympischen Spielen mit dabei zu sein. Anfang der 90er Jahre habe ich "Cool Runnings" im Kino gesehen – den Film über das jamaikanische Bob-Team. Aber dass so ein Film einmal über mich gedreht werden würde, hätte ich in Millionen Jahren nicht mit erwartet.

Wie haben damals Ihre Eltern auf Ihre olympischen Träume reagiert?

Meine Mutter war einfach großartig – genau wie sie im Film dargestellt wird. Die Darstellung meines Vaters in "Eddie the Eagle" ist allerdings nicht ganz richtig. Er hat mich auch sehr unterstützt – auf seine Art und Weise. Er hat Überstunden gemacht und mir mit dem extra Geld einen Wohnwagen gekauft, mit dem ich in Europa von Wettbewerb zu Wettbewerb fahren konnte. Als Kind begab ich mich andauernd in heikle und riskante Situationen, aber sie haben mich nie davon abgehalten, was ich mir in den Kopf gesetzt hatte. Insgeheim haben sie wohl gehofft, dass meine Verletzungen mich automatisch stoppen würden. Dass ich vom Schaden lernen oder dass ich aus dieser Phase herauswachsen würde. Aber je älter ich wurde, desto riskanter wurden meine Hobbys (lacht). Als Skifahrer habe ich mir Nacken, Rücken, Finger und Daumen gebrochen. Und als ich dann zum Skispringen wechselte, sagten sie nur: "Oh mein Gott!"

Hugh Jackmans Figur in "Eddie the Eagle" ist fiktiv. Gab es einen Trainer, der dieser Figur nahe kommt?

Hugh ist eine Mischung aus allen meinen Trainern. Als Skispringer war ich nicht nur ein Ein-Mann-Orchester, sondern auch sehr arm. Ich konnte mir keinen offiziellen Trainer leisten. Oft haben die anderen Teams mich eingeladen, mit ihnen zu trainieren, weil sie Mitleid mit mir hatten (lacht). Manchmal war mein Trainer ein 12-jähriger Junge, der mir Tipps gab. Oder ein 85-jähriger ehemaliger Skispringer. Und sie kamen aus der ganzen Welt: Amerika, Kanada, Italien, Schweiz, Frankreich, Deutschland, Österreich, Polen, Finnland, Schweden, Norwegen, Japan. Manche waren lustig, manche sehr streng. Aber keiner war so gut aussehend wie Hugh Jackman (Interview)! (lacht)

Clip aus "Eddie the Eagle" (OF) (Kinostart: 31.3.2016)

Wenn Sie zurückblicken, sehen Sie sich selbst eher als extrem mutig oder als ziemlich verrückt?

Beides! (lacht) Meine Liebe für die Skibretter fing mit einem Schulausflug an, als ich 13 war. Mit 22 wechselte ich zum Skispringen – in einem Alter, wenn andere mit dem Sport aufhören. Normalerweise dauert es 10 Jahre, um es vom Anfänger auf die 120-Meter-Schanze zu schaffen. Ich hatte gerade mal 5 Monate Zeit. Statt an meiner Sprung- und Lande-Technik zu arbeiten, stieg ich einfach von Schanze zu Schanze höher. Und ich habe den Preis für dieses Risiko bezahlt. Ich habe mir zwei Mal meinen Schädel gebrochen. Und Kiefer, Schlüsselbein, Rippen. Ich habe meine Nieren und Knie verletzt. Aber all das war es wert, denn ich habe mir meinen olympischen Traum erfüllt.

Interview: Anke Hofmann

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