Thrillerserie "11.22.63 – Der Anschlag" von J.J. Abrams

Was wir bereits wissen
Die Serie "11.22.63 – Der Anschlag" nach dem Roman von Stephen King zeigt die dramatischen Folgen des Versuchs, die Geschichte der Welt zu korrigieren.

Was wäre, wenn das Attentat auf John F. Kennedy verhindert worden wäre? Hätte das 20. Jahrhundert einen anderen Verlauf genommen? Das sind die Schlüsselfragen in der achtteiligen US-Thrillerserie "11.22.63 – Der Anschlag" (ab 11. April, 21 Uhr, Fox) nach dem 2011 erschienenen gleichnamigen Roman von Stephen King (68).

In ihm greift King die Grundidee des Psychothrillers "The Butterfly Effect" (2004) auf, in dem Ashton Kutcher als Zeitreisender Veränderungen in der Vergangenheit vornimmt und so auf dramatische Weise in die Zukunft eingreift. Denn das 'Schmetterlingseffekt' genannte Phänomen aus der Chaostheorie besagt, dass bereits kleinste Abweichungen in den Ausgangsbedingungen ein komplexes System vollständig und unvorhersehbar verändern können …

Trailer "11.22.63 – Der Anschlag"

Zeitreisen mit einem Zeitportal

Klingt schrecklich kompliziert, wird aber im Verlauf der Serie höchst plausibel. Deren Story beginnt damit, dass der todkranke Wirt Al Templeton (Chris Cooper, Oscar 2002 für "Adaption") seinen Stammgast, den Englischlehrer Jake Epping (James Franco, "Planet der Affen: Revolution"), in ein Geheimnis einweiht: In seinem Vorratsschrank verbirgt sich ein Zeitportal. Wer es betritt, landet stets genau am 9. September 1958.

Al überzeugt Jake von einer aberwitzigen Idee: Wer zu diesem Termin in die Vergangenheit reisen würde, könnte einschneidende Ereignisse der amerikanischen Geschichte verhindern. Das Attentat auf John F. Kennedy durch Lee Harvey Oswald am 22.11.1963 in Dallas etwa – oder den Mord an Martin Luther King 1968 in Memphis. Bliebe Kennedy am Leben, würde der Vietnamkrieg nicht eskalieren und das Leben von 60.000 amerikanischen GIs und Millionen von Vietnamesen wäre gerettet. Und ein lebender Martin Luther King hätte die schweren Rassenunruhen in den USA der späten 1960er-Jahre wohl verhindert.

Jake Epping lässt sich auf die Idee ein. Doch kaum dreht der Englischlehrer am Rad der Zeit, scheint sich die Geschichte mit aller Macht gegen jede noch so kleine Veränderung zu wehren – und der Zeitreisende muss bald erkennen, dass er selbst in Lebensgefahr ist. "Sobald er eine brennende Serviette in einem Lokal löscht", erklärt Stephen King, "bricht an anderer Stelle ein Großbrand aus – mit tödlichen Folgen!"

Stephen King – Meister des Horrors

Über 400 Millionen Mal verkauften sich Kings Bücher weltweit. Der 1072 Seiten dicke "Anschlag", sein 51. Werk, wurde von den amerikanischen Literaturkritikern auf Anhieb zu den zehn besten Büchern des Jahres 2011 gewählt – so viel geballte Anerkennung des Feuilletons wurde dem Bestsellerautor bisher nie zuteil.

Besonderes Lob gab es für Kings 100 Seiten lange minutiöse Schilderung der Fahrt der Präsidentenkolonne durch Dallas. Sie zähle, befand der US-"Rolling Stone", zum Fesselndsten, was der Horrorspezialist je geschrieben habe. Ein weiteres Highlight, mit dem auch die Verfilmung punktet, sind die zahlreichen Anspielungen auf Kings Romane und die Zitate daraus. Wenn Jake Epping etwa in der Stadt Lisbon Falls des Jahres 1958 landet und sich einen 58er Plymouth Fury kauft, handelt es sich dabei um das Modell aus Kings legendärem Auto-Thriller "Christine" (1983). Im Örtchen Derry wiederum gerät Jake mitten in die Horrorstory "Es", und auch Castle Rock, der Schauplatz von "Cujo", spielt eine Rolle. Gedreht wurde "Der Anschlag" in den kanadischen Orten Downsview, Hamilton und Hespeler Village sowie in Dallas.

Die Serie punktet mit der optisch aufwendigen Zeitreise in die Welt von vor über 50 Jahren. Und mit einer originellen Botschaft: Jeder kann die Welt verändern – fraglich ist nur, ob sie dadurch auch besser wird. Fans wird es freuen, dass noch zwei weitere Stephen-King-Verfilmungen in Arbeit sind: Die Horrorerzählung "Der Nebel" (2007) ist Grundlage einer weiteren TV-Serie. Und Kings achtbändige Fantasy-Saga "Der dunkle Turm" (1982–2012) wird mit GOLDENE KAMERA Preisträger Matthew McConaughey fürs Kino verfilmt.

Autor: Mike Powelz

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