James Franco: "Ich glaube alles, was man mir erzählt."

James Franco (37) bei der "11.22.63"-Premiere in Los Angeles
James Franco (37) bei der "11.22.63"-Premiere in Los Angeles
Foto: © Frederick M. Brown/Getty Images
Was wir bereits wissen
Exklusiv: Der Hauptdarsteller der neuen J.J. Abrams-Serie "11.22.63 - Der Anschlag" outet sich im GOKA-Gespräch als leichtgläubiger Hollywood-Nostalgiker.

Er gehört zu den umtriebigsten Schauspielern der Traumfabrik. Obwohl erst 37 Lenze alt kann James Franco weit über 100 Rollen verzeichnen, die von kleinen Indie-Dramen ("True Story - Spiel um Macht") über renommiertes Arthouse-Kino ("Every Thing Will Be Fine" von Wim Wenders) bis hin zu waschechten Blockbustern ("Die fantastische Welt von Oz") reichen. Jetzt hat der gebürtige Kalifornier seinem Œvre auch noch die erste Hauptrolle in einer Fernsehserie zugefügt. In der am 11. April auf Fox startenden Adaption des Stephen King-Romans "11.22.63 – Der Anschlag" spielt Franco den Highschool-Lehrer Jake Epping, der ins Jahr 1963 zurückreist, um das Attentat auf Präsident John F. Kennedy zu verhindern.

James Franco im Interview

Warum faszinieren uns Zeitreisen so sehr?

Es ist einfach ein faszinierendes Konzept. Und ein toller Erzählstoff für Romane und Filme. Ein Freund fragte mich, warum Stephen King sich gerade die Ermordung John F. Kennedys als Pforte in die Vergangenheit ausgesucht hat. Er hätte ja auch das Alte Rom wählen können. Die Antwort ist wohl, dass das Attentat in Kings Lebzeiten geschah. JFKs Tod war ein vernichtendes traumatisches Ereignis für ganz Amerika, und vielleicht sogar für die Welt. Der 11. November 1963 ist für King das Äquivalent des 11. Septembers 2001 meiner Generation. Und hätte das Verhindern des Attentats an JFK wirklich die Welt verändert? Diese Frage stellen wir uns heute noch.

Making-of zu "11.22.63 - Der Anschlag" (OF) (TV-Start: 11.4.2016)

Wie viel Fakt und wie viel Fiktion steckt in der Serie?

Stephen King hat die damalige Zeit und die Akten über den JFK-Attentäter Lee Harvey Oswald sehr ausführlich recherchiert und dann seine eigene Schlussfolgerung gezogen. Wir haben seine Theorie nie in Frage gestellt, sondern treu vom Roman übernommen.

Wie empfänglich sind Sie privat für Verschwörungstheorien?

Leider sehr! Ich glaube alles, was man mir erzählt. Wenn jemand behauptet, dass er ein Gespenst im Fenster gesehen hätte, würde ich das nie anzweifeln (lacht).

Wie gefiel es Ihnen, in die Mode und Sitten der 1960er Jahre einzutauchen?

Das Coole an "11.22.63" ist, dass meine Figur für den Zuschauer zum Reiseführer in die 60er wird, durch die sich die damalige Zeit kommentieren lässt: Wie toll das Essen damals geschmeckt hat. Oder wie stark der Rassismus verbreitet war. Und dass ich einen Hut tragen konnte, war auch nicht schlecht (lacht).

Musikvideo zu "11.22.63 - Der Anschlag"

Wenn Sie zeitreisen könnten, wann und wem würden Sie gerne einen Besuch abstatten?

Laut Woody Allens "Midnight in Paris" erscheint die Vergangenheit immer besser als die Gegenwart! Aber wie stand es damals um die medizinische Versorgung? Oder die damaligen Rassenbeziehung? Alles hat ein Pro und ein Contra. Aber Hollywood in den 40er Jahren würde mich reizen. Ich lese gerade "City of Nets: A Portrait of Hollywood in the 1940’s" von Otto Friedrich. Das damalige Hollywood ist genau das Hollywood, in dem ich gerne gearbeitet hätte.

Sie drehen einen Kinofilm nach dem anderen. Was hat Sie am TV-Projekt "11.22.63" interessiert?

Nachdem ich das Buch "Difficult Men: Behind the Scenes of a Creative Revolution. From 'The Sopranos' and 'The Wire' to 'Mad Men' and 'Breaking Bad'" von Brett Martin über die Showrunner der neuen Goldenen Ära des Fernsehens gelesen hatte, wollte ich selbst herausfinden, was es mit diesem Medium auf sich hat. Serien können jetzt nur acht oder zehn Folgen haben. Themen können seriöser und gewagter sein. Parallel dazu las ich auch Stephen Kings Buch und fand es großartig. Jemand meinte zu mir, dass King sehr aufgeschlossen sei, was die Rechte für die Verfilmung seiner Romane anginge. Also schickte ich ihm eine Email. Er war total nett und hat mir auch gleich geantwortet, dass er die Rechte schon an J.J. Abrams abgegeben hätte. Da ich damals noch keinen Draht zu J.J. hatte, sanken natürlich meine Hoffnungen. Trotzdem wollte ich der Welt mitteilen, wie toll ich den Roman "11.22.63" fand und schrieb in einer Zeitschriftkolumne darüber. Zwei Wochen später bekam ich die Nachricht, dass Abrams mich für die Rolle von Jake Epping im Auge hätte! Ich habe natürlich sofort zugesagt und betont, dass ich auch gerne Regie führen würde.

Sie haben tatsächlich eine der acht Episoden inszeniert. Wie ist es gelaufen?

Ich hatte bisher nur Regie bei kleinen Indie-Produktionen geführt, für die ich all meine Energie dafür aufbringen musste, sie überhaupt realisieren zu können. Das bedeutete aber natürlich auch, dass ich die volle Kontrolle hatte. Da das Budget meist so klein war, schaute mir niemand über die Schulter. Aber bei dieser Miniserie war ich nur ein Regisseur von vielen. Der Stil und der Look der Show waren schon festgelegt, und meine Folge musste mit dem, was vorher war und was danach kommen würde, übereinstimmen. Die Erfahrung der Kollaboration war unheimlich interessant für mich, und ich habe als Regisseur unheimlich viel dazu gelernt.

Interview: Anke Hofmann

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