Zwei Brüder, die nichts verbindet außer ihrem Erbe: "Schrotten!"

Was wir bereits wissen
Lucas Gregorowicz ("Lammbock") und Frederick Lau ("Victoria") als grundverschiedene Brüder, die einen Schrottplatz geerbt haben und Ihre Geldsorgen mit Zugraub beenden wollen.

Das Publikum auf dem diesjährigen Max-Ophüls-Preis war sich einig: Der beste Film des renommierten Festivals für Nachwuchsfilmer war die Provinzkomödie "Schrotten!" von Max Zähle. Warum der Publikumspreis auch hier mal wieder den Richtigen getroffen hat, ist leicht erklärt: Zähles Langspielfilmdebüt vereint kauzigen Humor mit unverkrampften Genre-Anleihen und trägt das Herz am rechten Fleck...

Grußbotschaft von "Schrotten!"-Regisseur Max Zähle

Darum geht's in "Schrotten!"

Mirko Talhammer (Lucas Gregorowicz) ist zufrieden: Als windiger Versicherungsmakler hat er sich eine schicke Wohnung in Hamburg ergaunert und seiner niedersächsischen Heimat erfolgreich den Rücken gekehrt. Als jedoch sein Vater stirbt, wird Mirko von seiner provinziellen Vergangenheit eingeholt. Zusammen mit seinem Bruder Letscho (Frederick Lau), der ihm nicht verzeihen kann, dass Mirko vor Jahren die Familie einfach hat sitzen lassen, erbt der verlorene Sohn den heruntergewirtschafteten Schrottplatz des Vaters – und gerät in einen Gewissenskonflikt. Denn während der entfremdete Großstädter den Hof sofort an den skrupellosen Recyclingunternehmer Kercher (Jan-Gregor Kremp) verscherbeln will, denkt Letscho gar nicht daran, seine Heimat kampflos aufzugeben. Zusammen mit Freundin Luzi (Anna Bederke) plant er den Raub eines mit 40 Tonnen Kupfer beladenen Eisenbahnwagons – ein irrwitziger Coup, an dem schließlich auch Mirko Gefallen findet...

Trailer zu "Schrotten!" (Kinostart: 5.5.2016)

Speziell das rasante Finale, in dem es ein Haufen entschlossener Desperados mit einem scheinbar übermächtigen Großgrundbesitzer aufnimmt und das augenzwinkernd den Wilden Westen auch inszenatorisch in die norddeutsche Tiefebene verpflanzt, macht "Schrotten!" zu einem äußerst kurzweiligen Vergnügen. Der Filmspaß ist dabei weder frei von Klischees noch besonders innovativ, hält sein Publikum aber mit pointierten Dialogen und trockenem Humor bei der Stange. Gleiches gilt für die glänzende Chemie zwischen Gregorowicz und Lau, deren Funken sprühendes Schauspielduell zu verdanken ist, dass die zentrale Botschaft des Films komplett kitschfrei vorgetragen wird: Herkunft und Solidarität sind zuweilen wichtiger als Karriere und Egoismus.

Lucas Gregorowicz über "Schrotten!" und "Lammbock 2"

Und auch dass die schrägen Typen in "Schrotten!" nicht vorgeführt werden, ist auch das Verdienst von Jungregisseur Max Zähle, der das Drehbuch mitgeschrieben hat und 2011 für seinen Kurzfilm "Raju" mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnet worden ist. Schließlich ist seine in und um Celle entstandene Provinzkomödie im Kern eine liebevolle Hommage an seine eigene niedersächsische Heimat...

Making-of-Feature zu "Schrotten!" (Kinostart: 5.5.2016)

Wer sollte sich "Schrotten!" anschauen?

Jeder, der sich nicht daran stört, wenn sich eine Sozialkomödie das Unterhaltungsprinzip auf die Fahnen schreibt.

Warum muss ich "Schrotten!" sehen?

Weil hier ein Regietalent auch dank stark aufspielender Hauptdarsteller eine vielversprechendes Debüt vorlegt.

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