Ein Vater auf Mörderjagd: "Im Namen meines Sohnes"

Was wir bereits wissen
Claus Jansen (Tobias Moretti) erlebt einen unfassbaren Verlust: Sein zwölfjähriger Sohn Hannes verschwindet spurlos aus dem Internat und wird ermordet aufgefunden. Der Vater will selbst die Gewalttat an seinem Sohn klären: intensives Justizdrama mit Tobias Moretti. (Mo, 2. Mai, 20.15 Uhr im ZDF)

Seelenruhig schlummert ein Junge in seinem Zimmer im Internat – da schleicht sich mitten in der Nacht eine dunkle, maskierte Gestalt an sein Bett – und entführt den 12-Jährigen. Wenige Wochen später wird er ermordet aufgefunden. Da die Ermittlungen nicht vorankommen, beschließt sein Vater, selbst aktiv zu werden und den Mörder zu suchen. Doch der wird erst 19 Jahre später gefasst.

Ein unheimlicher Fall

Die Handlung des TV-Films „Im Namen meines Sohnes“ basiert auf einer wahren Geschichte: der Jagd nach dem mordenden Pädagogen Martin Ney in den 90er-Jahren. Von seinen Opfern wurde er als „schwarzer Mann“ mit Maske beschrieben. Ney zählt zu den unheimlichsten Serientätern der jüngeren deutschen Kriminalgeschichte.

Norddeutschland 1992: Erste Gerüchte über eine Missbrauchsserie in Internaten kommen auf. Angeblich belästigt ein Maskierter schlafende Jungen. Dann werden drei Kinder ermordet: 1992 Stefan Jahr (13), 1995 Dennis Rostel (8), 2001 Dennis Klein (9). 7800 Hinweisen geht Martin Erftenbeck als Leiter der „Soko Dennis“ nach, doch erst 2011 wird der Täter gefasst, nachdem sich der missbrauchte Martin W. erinnert, dass er drei Skizzen seines Zuhauses für den Pädagogen Martin Ney anfertigen musste. Ney wird überführt. Er wird verantwortlich gemacht für mindestens drei Morde und 40 Missbrauchsfälle. 2012 kommt er lebenslang in Haft – mit anschließender Sicherheitsverwahrung.

Der Täter sitzt seit 2012 im Gefängnis

Seit 2012 ist er in Haft. Lebenslänglich. Um Neys Verbrechen so authentisch wie möglich nachzustellen, interviewte Regisseur Damir Lukacevic die Eltern des ermordeten Stefan Jahr sowie den Ermittler Martin Erftenbeck und den Profiler Alexander Horn. Stefans Vater Ulrich Jahr ist Vorbild für die Figur, die im Mittelpunkt des Films steht: den unbequemen, hartnäckigen Claus Jansen, der 40.000 Euro in eigene Ermittlungen investiert, DNA-Proben analysieren lässt und einen russischen Privatdetektiv beschäftigt.

„Diesen Ermittler habe ich vor dem Dreh ebenfalls interviewt “, sagt Regisseur Lukacevic. „Zudem habe ich ein 300 Seiten dickes Manuskript von Ulrich Jahr gelesen. Seine Erinnerungen hat Stefans Vater damals unter einem Pseudonym verfasst.“ Nur den Maskenmann selbst traf Lukacevic nicht. Warum? „Weil ich mich für die Sicht des Vaters entschied“, so der Regisseur. „Und weil dieser dem Mörder erst vor Gericht begegnete.“

Verzweiflung und Zweifeln

Ulrich Jahr wird im Film dargestellt von Tobias Moretti, dem die Rolle extrem naheging. Der 56-jährige Starschauspieler verriet GOLDENE KAMERA im Exklusiv-Interview: „Für den Dreh habe ich mich mit brutalsten Details beschäftigt und mich dabei häufig gefragt, was wohl in Ulrich Jahrs Kopf vorging, als er den Mörder seines Sohnes 19 Jahre lang jagte.“ Der Antwort musste sich Moretti selbst nähern, denn Ulrich Jahr starb nur wenige Tage nach der Verurteilung des Serienmörders an einem Herzinfarkt. Moretti glaubt: „Jahr hat eine Mischung aus Verzweiflung und Zweifeln darüber empfunden, ob er seinem Sohn gegenüber zu sehr in einem konventionellen Anspruchsdenken verhaftet war und ihn deshalb in ein Internat gesteckt hatte.

Die Krux ist, dass man sich solche Vorwürfe automatisch macht, auch wenn sie nicht berechtigt sind.“ Diese Erkenntnis überkam den Star urplötzlich beim Drehen der Schlussszene. „Da zeigt Jansen dem Kommissar die letzte Mathematikprüfung seines verstorbenen Sohnes und verweist stolz auf die gute Note. Er wollte sich selbst vorrechnen, dass er kein zu strenger Vater gewesen war. Die Szene hat mich meuchlerisch angesprungen. Es hat mich geschüttelt, und ich musste den Dreh fast abbrechen.“

Warum ein Kandidat für die GOLDENE KAMERA? "Dichtes True-Crime-Drama nach einer wahren Geschichte, das den Zuschauer ab der 1. Minute fesselt – mit einem brillanten Tobias Moretti als Jäger des Mörders seines Sohnes: mal unheimlich, mal nervenzerreibend und sogar streckenweise unsympathisch. Differenziert und feinsinnig beobachtet. " Mike Powelz, Chefreporter HÖRZU

Mehr Empathie für Kinder

Inka Friedrich, die die Mutter des ermordeten Jungen spielt, sieht den Film als Plädoyer für mehr Empathie gegenüber Kindern. Die 50-Jährige: „Ab 1992 haben die Jungenbeschrieben, dass ein schwarzer Mann an ihr Bett kommt – doch das wurde als Auswuchs ihrer Fantasie betrachtet. Es ist erschreckend, dass sie kein Gehör fanden. Insofern kann unser Film Erwachsene lehren,wachsamer zu werden.“

Das Exklusiv-Interview mit Tobias Moretti lesen Sie hier!

Text: Mike Powelz

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