Regisseur Jon Favreau: "'Das Dschungelbuch'" ist mehr als ein Kinder-Musical"

Erfüllt "Das Dschungelbuch" mit neuem Leben: Regisseur Jon Favreau (49)
Erfüllt "Das Dschungelbuch" mit neuem Leben: Regisseur Jon Favreau (49)
Foto: © Paul Hiffmeyer/Disneyland Resort via Getty Images
Was wir bereits wissen
Der Mann hinter der Disney-Klassiker-Neuauflage verrät im GOKA-Gespräch, warum sein Reboot Hommage und technische Revolution zugleich ist.

Als Regisseur brachte er "Iron Man" das Fliegen bei und ließ "Cowboys & Aliens" gegeneinander antreten. Jetzt verhilft Jon Favreau dem ultimativen Zeichentrick-Klassiker zu einem digitalisierten Live-Action-Comeback. Wir trafen den Blockbuster-Experten zum gemütlichen Plausch und erfuhren von ihm nicht nur, wie das neue "Dschungelbuch" entstanden ist, sondern auch, dass der gebürtige New Yorker mit dem Disney-Original von 1967 aufgewachsen ist...

Anke Hofmann spricht mit dem Regisseur vom "Dschungelbuch"

Jon Favreau im Interview

Wie kam Ihnen die Idee, „Das Dschungelbuch“ neu zu verfilmen?

Alte Stories mit neuen Technologien zu kombinieren, gilt schon lange als ein geheimes Erfolgsrezept in Hollywood. George Lucas gibt selbst zu, dass die Idee für "Star Wars" auf diesem Konzept basiert: Man nehme die Geschichten von Mythenforscher Joseph Campbell und mixe State-of-the-Art-Spezialeffekte darunter. Meiner Meinung nach ist auch "Avatar" nach diesem Prinzip entstanden. Schon der alte Walt Disney schwor auf diesen Trick, denn seine Filme nutzten immer den neusten technischen Stand. Heute ist Disney dabei, seine Zeichentrick-Klassiker als Realfilme neu aufzulegen – und dank Kassenschlagern wie "Cinderella", "Maleficent – Die dunkle Fee" und "Alice im Wunderland" sah ich die Chance, jetzt auch das fast 50 Jahre alte "Dschungelbuch" neu zu verfilmen.

"Legacy"-Featurette zu "Das Dschungelbuch" (OF) (Kinostart: 14.4.2016)

Wieso waren Sie der richtige Mann für diesen Job?

Ich liebe es, mit meinen Filmen neue Welten zu erschaffen – ob fürs Marvel Universum oder jetzt für Disney. Ich kombiniere tolle Schauspieler mit fantastischen Künstlern hinter den Kulissen, lehne mich zurück und schaue einfach zu, was sie zusammen anstellen (lacht).

Welche innovativen Techniken kamen bei Ihrem „Dschungelbuch“ zum Einsatz?

Hollywood ist eine sehr großzügige Industrie. Filmemacher sind sehr offen, ihre Ideen, Entwicklungen und Innovationen mit anderen zu teilen. James Cameron hat mit Vince Pace für "Avatar" ein 'Simulcam System', mit dem man Realfilm und CGI simultan sehen kann. Von dieser Technik habe ich mit meinem 'Visual Effects Supervisor' Robert Legato Gebrauch gemacht. Und die Animationstechnik, die ich für diesen Film benutzt habe, gleicht sehr der Pixar Tradition. Ich habe mir Tipps und Tricks von Alfonso Cuaróns "Gravity" sowie den Neuauflagen von "Planet der Affen" und "King Kong" ausgeliehen. Basierend auf diesem Know How haben wir dann unsere eigene bahnbrechende Software für Wasser und Fell entwickelt. Mir war es sehr wichtig, dass die realen und digitalen Bilderwelten miteinander verschmelzen. Zum Beispiel, dass Mogli mit der Hand durch das Fell streichelt, wenn er auf dem Bauch des Bären sitzt. Es sind diese kleinen Details, die den Film noch realer für den Zuschauer machen.

"Technology"-Featurette zu "Das Dschungelbuch" (OF) (Kinostart: 14.4.2016)

Was ist überhaupt noch 'real' in Ihrer Life-Action Version?

Eigentlich nur Mogli, der von Neel Sethi dargestellt wird. Mein Film ist eigentlich genauso animiert wie der originale Disney-Zeichentrickfilm. Wenn man Mogli herausnimmt, bleibt ein Animationsfilm übrig: Der Dschungel ist nicht echt. Und die Tiere auch nicht.

Sie hatten kein einziges Tier am Set?

(lacht) Wir hatten einmal ein paar Hunde beim Dreh, damit Neel ein Gefühl dafür bekommt, wie es ist, Welpen auf dem Schoß zu haben. Ansonsten musste er mit Puppen und Attrappen arbeiten oder seiner Fantasie freien Lauf lassen. In manchen Szenen habe ich Balu für ihn gespielt. Sie haben mich dann natürlich digital ausradiert (lacht).

Die Münze, die Jon Favreau GOKA-Reporterin Anke Hofmann zum Abschied schenkte, nennt sich 'Challenge Coin' und ist eine Tradition aus der Welt des Militärs. Sie galt als Belohnung für eine Heldentat. Oder in der Bar als Herausforderung, wer die Zeche blecht: Wer die Münze zu Hause gelassen hatte, musste ein Runde ausgeben. Als Jon Favreau für den ersten "Iron Man"-Film auf der Edwards Air Force Base drehte und Veteranen die Hand schüttelte, drückten sie ihm diese Münze in die Finger. Und seitdem gibt's vom Regisseur beim Dreh jedes Filmes diese Münze. Für Favreau ist diese 'Challenge Coin' ein "Zeichen des Respekts für die harte und gute Arbeit der Crew.” Demnächst dürfte der Filmemacher eine neue Marge in Auftrag geben, denn bereits vor dem Kinostart seines Films wurde bereits eine "Dschungelbuch"-Fortsetzung angekündigt.

Interview: Anke Hofmann

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