Nikolaj Coster-Waldau: "Ich wünschte, Jamie Lennister würde eines natürlichen Todes sterben."

Mag's phantastisch: "Gods of Egypt" und "Game of Thrones"-Star Nicolaj Coster-Waldau (45)
Mag's phantastisch: "Gods of Egypt" und "Game of Thrones"-Star Nicolaj Coster-Waldau (45)
Foto: © Theo Kingma
Was wir bereits wissen
Im Fantasy-Spektakel "Gods of Egypt" (Start: 21. April) mimt Nikolaj Coster-Waldau neben GOLDENE KAMERA-Gewinner Gerard Butler den ägyptischen Himmelsgott Horus. Mit uns sprach der gebürtige Däne aber vor allem über seine Zukunft in der 6. Staffel von "Game of Thrones"...

Das ist das erste Mal, dass die Welt Sie im Rock zu sehen bekommt. Wie wohl fühlten Sie sich in dieser luftigen Kleidung?

Ich hatte kein Problem damit, bis mich meine 12 und 15 Jahre alten Töchter am Set von "Gods of Egypt" in Sydney besuchten und schrien: "Das ist total uncool!" (lacht)

Aber an Ihren nackten Beinen oder denen Ihres Co-Stars Gerard Butler wird es kaum gelegen haben, dass "Gods of Egypt" in den USA gefloppt ist, oder?

Ich habe noch nie an einem Film oder einer TV-Serie gearbeitet, bei der Cast und Crew nicht ihr Letztes gegeben haben. Bei jedem Projekt geht man davon aus, dass es hervorragend sein wird. Aber es ist nicht leicht, immer die richtigen Zutaten zu finden. Ich werde oft gefragt, ob der Erfolg von "Game of Thrones" abzusehen war. Die Antwort ist: Nein. Die Serie besitzt einfach die perfekte Mischung aus Schauspielern und Handlung. Die Dreharbeiten von "Gods of Egypt" haben mir unheimlich viel Spaß gemacht und deswegen wäre es natürlich schön gewesen, wenn das Publikum den Kinobesuch genauso genossen hätten. Aber zum Glück ist es nur ein Film – und Gott sei Dank bin ich kein Herzchirurg. Niemand hat also sein Leben lassen müssen. Das einzige, das ein bisschen gekränkt wurde, ist mein Stolz, aber damit kann ich leben (lacht).

Welches Potential haben Sie in "Gods of Egypt" gesehen?

Regisseur Alex Proyas hatte eine klare aber ungewöhnliche Vision, wie er den Mythos der ägyptischen Götter darstellen wollte, und das gefiel mir. Er nahm die Legenden und Erzählungen wörtlich und setze sie visuell auch so um. Geoffrey Rush als Sonnegott Ra schiebt also die Sonne wirklich über den Himmel. Als Schauspieler hat mich gereizt, mal in einer komplett digital kreierten CGI-Welt a la "Avatar" zu arbeiten. Ich kam mir dabei allerdings wie ein Schlumpf vor, denn wir liefen alle in diesen blauen Anzügen mit schwarzen Punkten rum (lacht). Zweieinhalb Jahre später sieht das Endprodukt natürlich total cool aus, aber als Killer fühlt man sich in diesen Schlafanzügen nicht gerade!

Trailer zu "Gods of Egypt" (OF) (Kinostart: 21.4.2016)

Bei „Game of Thrones“ müssen Sie sich keine Sorgen um Popularität machen. Millionen Fans weltweit zählen die Sekunden, bis am 25. April (21 Uhr auf Sky Atlantic HD) die sechste Staffel startet. Können Sie die Qual ein bisschen lindern? Was steht Jamie Lannister dieses Mal bevor?

In der fünften Staffel reiste er nach Dorne, um seine Tochter Myrcella zu holen. Es gab diesen wunderschönen bewegenden aber sehr kurzen Glücksmoment für Jamie, in dem er zum ersten Mal seinem Kind gegenüber zugibt, dass er ihr Vater ist. Sie erwidert die Freude und dann ... stirbt sie! Nichts ist heilig in "Game of Thrones"! Dieses Jahr muss meine Figur nicht nur damit fertig werden, dass er seiner Schwester Cersei (Lena Headey) und Mutter seiner Tochter den Leichnam bringt, sondern auch mit religiösen Unruhen dank der neuen Macht in King's Landing: Glaubenskämpfer High Sparrow (Jonathan Pryce). Cersei und Jamie haben jetzt nur noch ein Kind – ihren Sohn Tommen, der zwar König, aber als Teenager alles andere als geeignet für den Thron ist. Ich will natürlich nicht zu viel verraten, aber die Lannisters sind es nicht gewohnt, das Zepter nicht in der Hand zu haben. Bisher konnten sie sich immer mit Geld freikaufen, wenn es brenzlig wurde. Aber dem High Sparrow ist Reichtum unwichtig und er kann die Lannisters einfach nicht leiden. Er hat allerdings die Rechnung ohne Cersei gemacht, denn sie zieht Gewalt der Kapitulation vor. Die Vernichtung des Restes der Welt ist weniger Jamies Stil, aber es gibt nichts Schlimmeres für ihn, als die Menschen, die er liebt, leiden zu sehen. Für seine Familie ist er zu allem fähig.

Bis jetzt lautete das "Game of Thrones"-Motto: "Winter is coming!" Laut Trailer gilt jetzt eine neue Devise: „The dead are coming!“ Was bedeutet dieser neue Slogan?

Dass die Endphase begonnen hat. Die sechste Staffel ist die bisher stärkste der Serie. Und das meine ich wirklich. Wir haben nur ganz wenig neue Figuren dieses Jahr und konzentrieren uns mehr auf die vertrauten Gestalten. Allerdings schlagen sich alle Parteien wie gehabt gegenseitig die Köpfe ein, anstatt zu erkennen, dass eine wesentlich größere Gefahr auf sie lauert. Ich kann nur hoffen, dass sie irgendwann mal so schlau sind, sich zu verbünden. Denn wenn die Toten die Lebendigen besiegen, wird es ewigen Winter geben.

2. Trailer zu "Game of Thrones, Staffel 6" (OF) (TV-Start: 25.4.2016)

Wie unsterblich fühlen Sie sich in der Hit-Show nach dem – für viele Fans noch immer unglaublichen – Tod von Jon Snow?

In den ersten fünf Staffeln wusste ich mehr oder weniger, was meiner Figur so blühte, da die Romane von George R.R. Martin der Serienhandlung als Vorlage gedient haben. Aber jetzt sind wir praktisch Freiwild (lacht). Als ich die Drehbücher für die sechste Stafel zu Gesicht bekam, habe ich schnell gecheckt, ob ich sie überlebe! Denn wir nähern uns langsam aber sicher dem Ende der "Game of Thrones"-Saga zu und ich habe das Gefühl, dass beim großen Finale nicht mehr sehr viele Figuren übrig sein werden. Sollte eines Tages meine Stunde schlagen, werde ich natürlich traurig sein und alle fürchterlich vermissen, mit denen ich vor und hinter der Kamera gearbeitet habe. Aber ich werde auch für jede Sekunde dankbar sein, die ich in der Serie verbringen durfte.

Es scheint, dass "Game of Thrones“-Frauen eine bessere Überlebenschance haben als die Männer...

Stimmt, die Schreiber der Show haben eindeutig die weiblichen Kollegen lieber (lacht).

Hätten Sie einen Lieblingstod?

Ich wünschte, Jamie Lannister würde einfach im hohen Alter eines natürlich Todes sterben (lacht). Ich bezweifele allerdings sehr, dass das eintreffen wird. Die Sache ist die: Ich bin mir absolut sicher, dass meine Figur es nicht bis zum Endspiel schafft, aber ich bin jetzt schon so lange mit dabei, dass ich den Schlusspfiff auch miterleben möchte.

Und hier noch die Frage aller Fragen: Wen würden Sie gerne am Ende auf dem eisernen Thron sitzen sehen?

Ich hoffe auf eine große Revolution. Dass sie alle Könige loswerden, und dass das Volk regiert.

Interview: Anke Hofmann

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