GOKA-Talent: Nadine Boske

Nadine Boske (29) beim GOKA-Interview im Hinterhof des Theaters Lübeck.
Nadine Boske (29) beim GOKA-Interview im Hinterhof des Theaters Lübeck.
Foto: © Jens Gebhardt
Was wir bereits wissen
In unserer neuen Rubrik stellen wir eine aufstrebende Jungschauspielerin vor, die im neuen Weimar-Tatort "Der treue Roy" eine Kostprobe ihres Könnens gibt.

Gut besetzte Nebenrollen sind in Film- und Fernsehproduktion nicht nur das Salz in der Suppe, sondern laden auch weniger bekannte Schauspieler dazu ein, auf sich aufmerksam zu machen. Dass Nadine Boske in diese "Showstealer"-Kategorie gehört, beweist die gebürtige Berlinerin im Weimarer Tatort "Der treue Roy", der am 24. April um 20.15 Uhr im Ersten läuft. Wir trafen das Ensemblemitglied des Theaters Lübeck zum exklusiven Gespräch...

Nadine Boske im GOKA-Video-Talk

Nadine Boske im Portrait

1986 in Berlin geboren sammelte Nadine Boske im 'Darstellendes Spiel'-Kurs ihres Gymnasiums erste Bühnenerfahrung. Danach studierte sie aber erst einmal "ganz brav" Germanistik und Geschichte – bis sie sich traute, an der Filmuniversität Babelsberg vorzusprechen. "Ich wollte später meinen Kindern sagen können, dass es besser ist, mit seinen Träumen zu scheitern als sie gar nicht erst in Angriff zu nehmen." Nadines Traum scheiterte aber nicht, sondern ging in Erfüllung. Nach ihrer Ausbildung spielte sie Kinder- und Jugendtheater in Dresden. Seit letztem September gehört sie zum Ensemble des Theaters Lübeck und genießt die Möglichkeit, dort an der Seite von Kollegen mit langjähriger Bühnenerfahrung neben modernen Stücken auch die klassischen Theaterrollen für Frauen spielen zu können.

Doch nicht nur auf der Theaterbühne, sondern auch vor der Kamera stellt Nadine Boske unter Beweis, dass sie über große Wandlungsfähigkeit verfügt. Ihre Rollenauftritte als Nazi-Freundin in einer Folge der ZDF-Serie "Verbrechen", als empathielose Aggressorin im Opferdrama "Tore tanzt" oder zuletzt als obdachlose Punkerin Mecki, die in der ARD-Produktion "Auf der Straße" Christiane Hörbiger unter ihre Fittiche nimmt, scheinen mit der aufgeweckten 29-Jährigen, die einem im Gespräch strahlend gegenüber sitzt, nicht das Geringste gemein zu haben. Auf welche Weise die blonde Berlinerin mit der norddeutschen Aura in Gore Verbinskis Horror-Drama "A Cure for Wellness" (Kinostart: März 2017) schauspielerisch transformieren wird, durfte uns Nadine Boske noch nicht verraten. Wie sie ihre zentrale Nebenrolle im neuen Weimar-Tatort "Der treue Roy" angelegt hat, hingegen schon...

Nadine Boske im Interview

Die Autoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger haben verraten, dass ihnen die Story-Idee zu "Der treue Roy" gekommen ist, als sie einen offenbar 'gewerblich' genutzten Wohnwagen am Rande einer Plattenbausiedlung haben stehen sehen. Der Prostituierten Vanessa dürfte demnach im Film eine zentrale Rolle zukommen. Was können Sie uns über Ihren Part erzählen?

Ich kann gar nicht so viel zur Rolle sagen, weil das zu viel verraten würde. Ich kann aber sagen, dass es sehr viel Spaß gemacht hat. Der "Tatort" Weimar ist ja für seine skurrilen und schrulligen Figuren bekannt und – soviel kann ich preisgeben – einem Schauspieler macht es immer große Freude, eine Figur mit zwei Gesichtern zu spielen. Und genau das haben wir in diesem "Tatort" gemacht.

Ohne etwas von ihrer Funktion zu verraten – wie haben Sie diese Frau mit den zwei Gesichtern für sich charakterisiert?

Ich habe die Figur auf jeden Fall sehr ernst genommen, denn Komik funktioniert ja immer dann am besten, wenn etwas Komisches ernsthaft transportiert wird. Außerdem war das Buch toll geschrieben und sehr präzise. Auf dieser Basis habe herumprobiert. Beim Casting habe ich einfach mal mit Kaugummi im Mund gespielt, um die Figur lockerer zu machen. Im Gewerbe, dem meine Figur nachgeht, muss man die Männer ja auch für sich gewinnen und auf sich aufmerksam machen (lacht).

Demnach hatten Sie beim Anlegen ihrer Rolle große künstlerische Freiheit?

Total. Ich durfte alles, was ich mir überlegt hatte, ausprobieren. Regisseur Gregor Schnitzler hat sich immer sehr amüsiert und ab und an ein paar Stellschrauben festgezogen. Das war richtige Teamarbeit.

Was war für Sie als junge Schauspielerin an "Der treue Roy" besonders verlockend: die schauspielerische Herausforderung der Rolle oder überhaupt einmal im TV-Flaggschiff "Tatort" mitzuspielen?

Beides. Natürlich ist es ein kleiner Adelsschlag, wenn man bei einem "Tatort" mitmachen kann. Ich habe mich auch besonders darüber gefreut, dass es sich um eine Weimar-Folge handelt. Ich finde es nämlich ganz schön, auch wenn man auch mal etwas Komödiantisches oder in diesem Fall Tragikomisches spielen kann. Im Theater spielt man ja häufig ausgesprochen ernste Figuren und deswegen war es ein Geschenk, einen Text zu bekommen, der einen bereits beim Lesen amüsiert.

Wie muss man sich das vorstellen, wenn man als Außenstehende für ein paar Tage Teil einer eingespielten "Tatort"-Familie wird?

Das war auf jeden Fall sehr aufregend – bei diesem Cast! Die waren aber alle sehr nett und äußerst zugänglich. Das galt auch für die Crew – man hat sich schnell wohl und als Teil der "Tatort"-Familie gefühlt.

Laut Ihrem Co-Star Fritzi Haberlandt gibt es keine lustigeren Kollegen als Nora Tschirner und Christian Ulmen. Wie haben Sie die beiden am Set erlebt?

Stimmt, die beiden schnattern sehr viel und es wurde ausgiebig gelacht. Sie haben ja den gleichen trockenen Humor, den diese Tatort-Reihe ausmacht, und das hat vieles erleichtert. Wenn ich mit dem Spielen dran war, hatte ich nie das Gefühl, unter Beobachtung zu stehen. Man konnte einfach loslegen und lacht zwischendurch.

Trotzdem hat der Regisseur im Vorfeld betont, dass er nicht nur den Humor der skurrilen Geschichte herauskitzeln, sondern auch Weimar von seiner Tourismus-fernen, proletarischen Seite zeigen wollte. Wie schwierig war es, schauspielerisch die richtige Balance zwischen verschrobener Komik und lebensnaher Tristesse zu treffen?

Dabei hat auf jeden Fall das Drehbuch geholfen, das bezüglich der Charaktere extrem präzise war. Wenn man sich auf dieser Basis gewahr macht, worauf es in der jeweiligen Szene ankommt, dann findet man diese Balance. Es war aber immer eine Erleichterung, wenn der Regisseur und die Crew direkt nach dem Take in Gelächter ausgebrochen sind. Im Theater kriegt man ja sofort Reaktionen, doch wenn man dreht, herrscht zunächst Ungewissheit: Kam das jetzt an oder nicht?

Showreel von Nadine Boske

Wenn man sich Ihre bisherigen Film- und Fernsehrollen anschaut, waren dies meist Figuren in extremen Lebenssituationen. Wonach suchen Sie, wenn Ihnen eine Rolle angeboten wird?

Sagen wir mal so: Im Leben aber auch auf der Bühne oder im Film bedeuten extreme Situationen auch immer viel Einsatz. Für mich als Schauspielerin bedeutet das, dass man viel spielen kann und dabei eine große Bandbreite zum Tragen kommt. Es macht immer mehr Spaß, die böse Hexe zu spielen als die liebe Prinzessin, weil die einfach mehr Geschichte hat und so mehr Futter bietet. Für mich ist aber an erster Stelle das Drehbuch wichtig. Wenn ich sehe, dass ist eine tolle Geschichte, dann kann die Rolle auch ganz klein sein – ich habe trotzdem Bock drauf.

Von Beginn Ihrer Schauspielkarriere an scheinen Sie einen besonderen Schwerpunkt auf die Bühne zu legen. Was bietet Ihnen das Theater, was Ihnen die Arbeit vor der Film- oder Fernsehkamera nicht bietet?

Dass man direktes Feedback vom Publikum bekommt, ist natürlich der größte Unterschied. Und dass man ein Stück in zwei bis drei Stunden am Stück durchspielt, ist auch eine besonders stimulierende Herausforderung. Man kann eben nicht wie im Film an einer Szene so lange schrauben, bis man das Optimum hat. Am Theater hast du sechs Wochen Arbeitszeit, in denen du im Team mit dem Regisseur etwas entwickelst und vielleicht in der dritten Woche der gemeinsamen Reise merkst, dass sich deine Figur doch in eine andere Richtung bewegt hat. Im Film ist das nur sehr begrenzt möglich, da man sich oft erst am Set kennenlernt. Da erscheint man dann mit den ganzen vielen eigenen Ideen im Gepäck, die man sich zuhause gemacht hat, und stimmt das in einem knapp bemessenen Zeitfenster mit dem ab, was sich die Mitspieler und der Regisseur überlegt haben. Da können ganz tolle Momente entstehen, weil die Kamera natürlich bestimmt, was der Zuschauer sieht. Auf der Bühne ist man hingegen immer im Bild. Und man spielt auch jeden Abend anders, weil man immer anders drauf ist. Mal sind alle ein bisschen KO, mal fliegen alle zusammen. Ich bin froh und empfinde es als Geschenk, dass ich auf beide Arten spielen darf.

Text/Interview: Alexander Attimonelli

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