Duell an der Wall Street: Neuer Serien-Hit "Billions"

Paul Giamatti als Chuck Rhoades in "Billions"
Paul Giamatti als Chuck Rhoades in "Billions"
Foto: JoJo Whilden/SHOWTIME / © 2015 SHOWTIME
Was wir bereits wissen
In zwölf Folgen erzählt der Thriller "Billions" von einem erbitterten Duell an der Wall Street. Paul Giamatti über seinen neuen Serien-Hit.

Gefesselt und geknebelt liegt der New Yorker Staatsanwalt Charles "Chuck" Rhoades im Ehebett. Er mag es, wenn seine Frau Wendy ins Domina-Kostüm schlüpft. Doch diese Nacht ist anders. Wendy muss den elektrischen Viehtreiber wieder einstecken – denn Chuck kann sich so gar nicht aufs SM-Spiel konzentrieren. Zu sehr schwirren seine Gedanken um das Hedgefonds-Mastermind Bobby "Axe" Axelrod, der Rhoades mit einem besonders gewieften Schachzug übel zugesetzt hat.

In der neuen Serie "Billions" des US-Senders Showtime (ab 25. Mai, 22 Uhr, Sky Atlantic HD) kämpfen zwei Duellanten mit harten Bandagen: Seit der ehrgeizige Jurist Rhoades den Hinweis bekommen hat, dass der mächtigste Mann der Wall Street Insiderhandel betreibt, ist er entschlossen, Axelrod zu entlarven. Doch der genießt als charismatischer Förderer der Stadt ein sauberes Image – ein harter Brocken also.

Zweikampf um Milliarden

In dem Zweikampf um Milliarden, der in den USA schon kurz nach der Premiere um eine zweite Staffel verlängert wurde, laufen die beiden Hauptdarsteller zur Hochform auf: Damian Lewis ("Homeland") verkörpert den Selfmade-Milliardär Bobby Axelrod, der seine Kollegen bei den Anschlägen vom 11. September 2001 verlor und dadurch an die Spitze der Firma gelangte.

Bei seinen cleveren Manövern gegen Rhoades ist ihm jedes Mittel recht, auch die Platzierung eines Maulwurf in dessen Dienststelle. Seine Frau Lara (Malin Akerman) ist mit ähnlich viel Angriffslust ausgestattet. Paul Giamatti, der zuletzt als Manager der Hip-Hop-Crew N. W. A um Ice Cube in "Straight Outta Compton" zu sehen war, freut sich, eine neue Facette von sich zu zeigen: "Ich hätte nie gedacht, dass ich täglich so schicke Anzüge zur Arbeit tragen würde", sagt der 48-Jährige und lacht. "Ehrlich: Ich verstehe die Finanzwelt einfach nicht. Deswegen macht sie mir einerseits Angst, andererseits finde ich sie total faszinierend." Sein Charakter Rhoades will als knallharter Aufdecker von Markt-Manipulationen aus dem Schatten seines einflussreichen Vaters (Jeffrey DeMunn) treten.

Für "Billions" holten sich die zwei Drehbuchautoren Brian Koppelman und David Levien ("Ocean's Thirteen") den Wirtschaftsjournalisten Andrew Ross Sorkin an Bord und orientierten sich lose an den Erfolgen des New Yorker Staatsanwalts Preet Bharara, den Paul Giamatti auch zur Vorbereitung der Rolle traf. Er hatte einige Hedgefondsmanager dingfest gemacht und war vom US-Magazin "Time" im Jahre 2012 zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt gekürt worden.

Überspitzte Seifenoper in einem spannenden Setting

Dennoch sind Kenntnisse der Hochfinanz keine Voraussetzung, um die Serie zu genießen. Ähnlich wie in "House of Cards" oder "Damages" handelt es sich eher um eine überspitzte Seifenoper in einem spannenden Setting, in dem sich viele Machthungrige tummeln. Zudem sind bei einem Sender wie Showtime saftige Sexszenen schon fast Pflicht. Paul Giamatti ging dafür in die Recherche: "Mein Leben ist eigentlich absolut durchschnittlich – aber zur Vorbereitung habe ich viel über SM gelesen und bin, allerdings nur als Zuschauer, in diese Welt eingetaucht, indem ich mit einigen Dominas und unterwürfigen Männern gesprochen habe. Das war sehr spannend."

Nicht nur im Bett, sondern auch im Duell ihres Mannes gegen Axelrod spielt Rhoades' Frau Wendy (Maggie Siff) eine dominante Rolle: Sie arbeitet in Axelrods Firma als Motivationspsychologin. Dadurch gerät sie ins Schussfeld der Ermittlungen und ist bald hin- und hergerissen zwischen einem von ihrem Mann vermittelten Jobangebot und der Loyalität zu ihrem Chef.

Und so geht es auch dem Zuschauer: der spleenige Strafverfolger oder der charmante Manipulator? Man weiß bei zwei derartigen Alphatieren wirklich nicht so recht, auf wessen Seite man sich schlagen soll.

Autoren: Dirk Oetjen / Anke Hofmann

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