Die skurrilsten Showkonzepte der Welt

"Mascot War": neue Show aus Dänemark
"Mascot War": neue Show aus Dänemark
Foto: Screenshot YouTube
Was wir bereits wissen
Die deutsche Samstagabend-Unterhaltung steckt in der Krise. Vielleicht kann ein vielversprechendes Showkonzept aus dem Ausland für bessere Unterhaltung sorgen - oder besser nicht...

Es dreht und dreht und dreht sich - zumindest in den USA. Dort läuft das „Wheel of Fortune“ seit nunmehr über vier Jahrzehnten. Und in Deutschland? Hierzulande verkündet der neue RTL-Ableger RTLplus, das „Glücksrad“ aus der Mottenkiste zu holen (beziehungsweise aus dem SAT.1-Archiv). Ebenso sollen alte Game-Show-Hits wie "Ruck Zuck", "Jeopardy" und das „Familien-Duell“ in Kürze wiederbelebt werden.

Liebe Fernsehmacher, ist das wirklich euer Ernst? Wo bleibt da die Innovation - fragen sich nicht wenige. Und schaut man genauer hin, sind noch immer die Castingshows die Taktgeber des TV-Programms: Der Januar steht im Zeichen des „Dschungelcamps“, „DSDS“ läuft aktuell in der 13. Staffel, „Germany’s Next Topmodel“ legt die 11. Runde auf. „The Voice“ hat mit „The Voice: Kids“ seinen eigenen Ableger.

Auch die Bestandsaufnahme bei den großen Samstagabendshows stimmt eher traurig: „Wetten, dass…?!?“ - eingestellt, „Schlag den Raab“ - mit dem Namensgeber in den Ruhestand verabschiedet. Aktuell versuchen Joko & Klaas in ihrer neuen Show, die den bescheidenen Titel „Die beste Show der Welt“ trägt, gar acht Showkonzepte an einem Abend dem Publikum zu präsentieren. Sind wir damit eventuell noch gut bedient? Welche TV-Formate stechen hervor auf dem internationalen Markt hervor? Wir haben uns mal auf die Suche nach skurrilen bis verrückten Showideen gemacht, die wirklich ausgestrahlt wurden. Kein Scherz!


Slow-TV in Norwegen - dagegen ist Thomas Gottschalk ein Fernseh-Usain-Bolt

Ein echter „Straßenfeger“ ist hierzulande vielleicht noch ein Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft mit deutscher Beteiligung. Aber dem Wortsinne nach verdient kaum noch ein Fernsehformat dieses Etikett. 1,3 Mio. Norweger - ein Viertel der Bevölkerung - schauten dagegen Ende 2013 zumindest abschnittsweise auf dem Sender NKR2 dabei zu, wie acht Personen beim „National Nitting Contest“ den australischen Weltrekord im Schnellstricken eines Pullovers brechen wollte. Nach vier Stunden Vorberichterstattung, zeigte der Sender acht Stunden lang jeden einzelnen Produktionsschritt: Vom Scheren des Schafes, über das Spinnen der Wolle, bis hin zur letzten Naht.

Und die Strick-Show ist keine Ausnahme: Bereits 2009 feierte die Eisenbahnstrecke „Bergensbanen“ zwischen Bergen und Oslo ihr 100. Jubiläum. Zu diesem Anlass suchte der norwegische Rundfunk nach Wegen, Dokumentarfilme und sein üppiges Archivmaterial erzähltechnisch in einen Rahmen einzubetten und produzierte eine Bahnreise in Echtzeit, die die kommerzielle Gegenprogrammierung wie "The X-Factor“ weit hinter sich ließ. Getoppt wurde das Ganze im Juni 2011, als NRK die gesamte Hurtigruten-Küstenschiffsfahrt live ausstrahlte. Ganze 134 Stunden lang - und schuf damit wiederum einen eigenen Rekord, der als längste TV-Doku einen Eintrag ins „Guinness Buch“ erhielt.

"Bergensbanen" - eine Bahnreise in Echtzeit

Ist Langeweile König?

Das Slow-TV-Format übernommen haben bisher nur die Schweden. Dort konnten Zuschauer miterleben, wie ein Elchjäger sich über mehrere Stunden an seine Beute heranpirscht. Der norwegische Fernsehproduzent Thomas Hellum, hat in einem TED-Talk erzählt, wie er und sein Team begannen, ausgedehnte, langweilige Ereignisse zu übertragen.

Thomas Hellum im TED-Talk

Freiwillig in den Knast?

Sie finden „Big Brother“ oder „Newtopia“ schlimm? Da sind manche schnell mit dem Etikett „Fernsehknast“ dabei. Doch das kann man in diesem Fall wörtlich nehmen. Für das US-Reality-Doku-Format „60 Days In“ gehen seit März 2016 siebe Freiwillige beim US-Sender A+E freiwillig und unter absolut realen Bedingungen für zwei Monate ins Gefängnis im Clark County Jail (US-Bundesstaat Indiana). Inkognito für die Justizvollzugsbeamten und die anderen verurteilten Straftäter. Für das TV-Format wurden über 300 Kameras installiert - als Deckmantel wurde ein Anti-Korruptions-Programm des Sheriffs Jamey Noel benutzt, der wissen wollte, wie man die Haftbedingungen verbessern könnte. Ob und inwieweit ein solches Format wirklich dazu beitragen kann, darf bezweifelt werden. Es dürfte eher darum gehen, den harten Knastalltag voyeuristisch auszuschlachten und das „Recht des Stärkeren“ abzubilden.

Trailer "60 Days In"

Danish Dynamite?

Der Hamburger Sportverein hat einen Dino im Stadion. Borussia Dortmund eine Biene namens Emma. Der FC Bayern München den Bären Berni. Und das ist nur ein Bruchteil der Bundesliga-Maskottchen, von anderen Sportarten ganz zu schweigen. Fast jeder Sportverein hat ein Maskottchen - egal, ob offiziell oder inoffiziell. Auf der Fernsehmesse MIPTV in Cannes wurde dieses Jahr die Show „Mascot War“ aus Dänemark vorgestellt. Hier treten diese Kuscheltiere im XXL-Format im Style von „American Gladiators“ gegeneinander an. Kritisch hinterfragen sollte man das Konzept eher nicht - hier steht ganz klar der gepflegte Nonsens im Vordergrund. Fragt sich nur, ob der 1. FC Köln wohl seinen Geißbock Hennes ins Rennen schicken würde?

Trailer "Mascot War"

Der Blick nach Japan - eine Show mit…ähem! vielen Höhepunkten

In puncto Skurrilität ist Nippon eine sichere Bank - und wäre für sich genommen einen eigenen Artikel wert. „Takeshi’s Castle“ ist nicht nur eingefleischten Sport1-Guckern ein Begriff.

Eine komplette Folge "Takeshi's Castle"

Doch es geht noch viel schlimmer. Soziologen in Japan betrachten seit geraumer Zeit einen Trend mit Sorge: die sogenannten Hikkimori. Damit sind junge Menschen gemeint, die sich freiwillig in ihrer Wohnung oder ihrem Zimmer einschließen und den Kontakt zur Außenwelt auf ein Minimum reduzieren. Wir wissen nicht, ob die Erfinder der Show diese Zielgruppe im Blick hatten. Könnte man aber meinen: „Sing what happens“ verbindet japanische Karaoke mit echtem Körpereinsatz, auf deren Beschreibung wir hier lieber verzichten! Auf der einen Seite: In dieser Show gehen die Menschen wieder miteinander auf Tuchfühlung. Auf der anderen: Immerhin wird uns der blanke Anblick durch Verpixelung erspart. Wenn Sie sich das wirklich antun wollen, klicken Sie hier! Wir müssen Sie aber warnen: Das Video ist leicht verstörend.

Text: WSFT / Michael Starke

Kommentare einblenden

Sumpf des Verbrechens: True-Crime-Reihe "Killing Fields"

Die sechsteilige Dokureihe "Killing Fields" rollt einen 18 Jahre alten Mordfall neu auf – und macht den Zuschauer zum Begleiter der Ermittlungen.
Mehr lesen