Robert Kirkmans neuster Hit: Exorzismus-Grusel "Outcast"

Was wir bereits wissen
Kampf mit dem Teufel: Zum Start der dämonisch unheimlichen Serie "Outcast" sprach GOLDENE KAMERA mit Hauptdarsteller Patrick Fugit im Interview über den Dreh, Robert Kirkman und warum er die Hauptrolle in Donnie Darko ablehnte.

Nach den Zombies kommen die Besessenen: Exorzismus ist das nächste große Ding im US-Fernsehen. Während die Konkurrenz an einer Serien-Neuauflage von "Der Exorzist" mit Geena Davis arbeitet, verwirklicht Comic-Autor und "The Walking Dead"-Schöpfer Robert Kirkman ebenfalls eine dämonisch unheimliche Serie namens "Outcast", an der bereits vor Erscheinen des ersten gleichnamigen Comics gearbeitet worden ist.

Trailer „Outcast" (OF)

Zur Besetzung gehört Philip Glenister, bekannt als politisch unkorrekter Cop aus "Life on Mars". Hier ist er als Geistlicher zu sehen, der als Exorzist nur mäßigen Erfolg hat. Reg E. Cathey, der in "House of Cards" als Frank Underwoods liebster Spare-Ribs-Griller seinen Bekanntheitsgrad steigerte, verkörpert in "Outcast" den geerdeten Gesetzeshüter Chief Giles. Und Patrick Fugit, der in Cameron Crowes Rock-Comedy "Almost Famous" aus dem Jahr 2000 als Nachwuchsreporter zu sehen war, spielt die Hauptrolle: Kyle Barnes, einen Eigenbrötler, dessen Familie von Dämonen verfolgt wird. In der ersten Folge entdeckt Kyle seine ungewöhnlichen Exorzismus-Fähigkeiten. Es beginnt ein gefährlicher Kampf gegen teuflische Gegner.

2. Trailer "Outcast"

GOLDENE KAMERA traf Fugit in Rom zum Interview. Dort feierte die Serie, die bei uns ab 6. Juni im Pay-TV auf Fox laufen wird, mit 1700 geladenen Gästen internationale Premiere, in Sichtweite des Petersdoms im Exorzismus-erprobten Vatikan.

Rome heißt zudem auch das Nest in West Virginia, in dem die Serie spielt. Verstörende Szenen in der Auftaktfolge zeigen ein Duell mit einem besessenen Jungen. Mit Fugit sprachen wir über den Dreh dieser Szene, Robert Kirkman und warum er die Hauptrolle in Donnie Darko ablehnte.

Interview mit Patrick Fugit

Für die erschreckendsten Szenen in der Pilotfolge von "Outcast" sorgt ihr junger Filmpartner Gabriel Bateman, der beim Dreh erst zehn Jahre alt war. Hatten Sie womöglich Angst, die Austreibungsszene zu drehen und ihn zu verletzen?

Patrick Fugit: Nein, denn eher das Gegenteil war der Fall. Es hat sich fast so angefühlt, als würde er mich verdreschen. In der Serie weiß der Dämon im Körper dieses kleinen Jungen genau, welche Knöpfe er drücken muss, um Kyle zu provozieren. Kyle scheut in der Regel davor zurück, Gewalt einzusetzen, aber hier scheint es keinen anderen Ausweg für ihn zu geben. Beim Dreh hat sich Gabriel, der den Jungen spielt, so gut in diese Rolle hineinversetzt, dass es sich gar nicht so angefühlt hat, es mit einem Kind aufzunehmen. Gabriel war wie eine Naturgewalt. Er hat mir in die Hand gebissen. Und ich habe vollkommen echt geschrien. Danach konnte ich drei Tage lang meinen kleinen Finger nicht krümmen. Und das, obwohl Gabriel ein Mundstück trug, das sein Gebiss abstumpfen sollte. Wir hatten vorher ausprobiert, wie fest er beißen kann, bis es wirklich schmerzt. Er hat das völlig vergessen. Er war völlig eins mit seiner Rolle. Unglaublich. Ich dachte, ich kämpfe um mein Leben! (lacht)

Sie waren 16 Jahre alt, als sie "Almost Famous" gedreht haben – haben Sie versucht, ihm gegenüber nicht so einschüchternd zu sein wie Philip Seymour Hofmann es für Sie war?

Patrick Fugit: Gabriel lässt sich nicht so leicht einschüchtern. Er ist sehr aufgeschlossen und clever. Ich wollte, dass er sich möglichst wohl fühlt. Aber das war eigentlich nicht sehr schwer, er ist schon sehr professionell. Bei "Almost Famous" hatte ich das Glück, mit Philip Seymour Hoffman, Billy Crudrup, Cameron Crowe und Frances McDormand Menschen zu haben, die mir vermittelt haben, worauf es ankommt und was Ihnen in ihrer Karriere geholfen hat. Jetzt ist es an mir, mein Wissen an die nächste Generation von Schauspielern wie Gabriel weiterzugeben.

Drehen sie die Action-Szenen alle selbst?

Mir wurde zwar öfter ins Gesicht geschlagen, ich bin aber froh, dass ich nicht durch Glasscheiben geworfen worden bin. Das hat mein tolles Stunt-Double, Tim Eulich, übernommen. Gemeinsam mit unserem Stunt-Chef Hiro Koda hat er auch schon bei "True Blood" gearbeitet.

Die Comic-Vorlage ist noch nicht vollendet, eine zweite Staffel der TV-Serie ist bereits sicher. Sind sie neugierig und wollen wissen, wie es mit Kyle weitergeht?

Patrick Fugit: Die Macher werden es mir nicht verraten! Ich bin schon neugierig, weil ich noch einmal fünf Monate meines Lebens und viel Energie in diesen Charakter und diese Geschichten investieren werde. Ich würde gerne wissen, ob es sich lohnt (lacht). Aber was ich bisher gehört habe, klingt sehr aufregend. Die Vorfreude ist bei mir noch größer als in der ersten Staffel.

Aber wie die Geschichte ausgeht, wissen Sie nicht? Robert Kirkman hat angeblich schon vor Augen, wie das Finale aussehen wird.

Patrick Fugit: Vielleicht flunkert er auch, zumindest hat er das Ende noch niemandem verraten. Ich glaube sein Hauptaugenmerk liegt auf den Charakteren und ihren Geschichten. Das gefällt mir auch am modernen Fernsehen, dass Du den Figuren jede Woche in ihrer Serienwelt wieder begegnest und die Liebe zu ihnen wächst, sei es bei "The Walking Dead", "Game of Thrones", "Vikings" – welcher Serie auch immer. Wenn die Resonanz stimmt, wird Kirkman "Outcast" sicher lange laufen lassen.

Sie haben in South Carolina gedreht, wie war die Stimmung am Set?

Patrick Fugit: Schlauplatz der Serie ist eine Kleinstadt in West Viginia, in einem fast schon vergessenen Teil der USA. Kyles Haus steht verlassen an einer Landstraße und wir mussten an der Location in South Carolina nicht viel verändern, das Haus sah bereits unheimlich aus. Über die Jahrhunderte wurden in der Gegend etliche Konflikte ausgetragen, und man fühlt etwa die Geister des Bürgerkrieges, wenn man dort unten ist. Es ist sehr atmosphärisch, sehr beunruhigend.

Exorzismus ist eine extreme religiöse Praxis. Sie sind in Salt Lake City aufgewachsen, der Hauptstadt der Mormonen – haben Sie jemals Angst oder großen Respekt vor Religion gehabt?

Patrick Fugit: Ich glaube nicht an Exorzismus. Wir sind presbytarianisch getauft worden und sind spirituell, aber nicht religiös. Wir sind an Ostern und Weihnachten in die Kirche gegangen – und, wenn Oma in der Stadt war. Ich bin mit vielen Mormonen aufgewachsen, was schwierig sein kann als Kind. Sie haben ihre eigene Gemeinschaft, von der man als Nicht-Mormone ausgeschlossen ist. Aber dann trifft man auf wirklich interessante Leute – meine Freunde damals waren alle "Ausgeschlossene".

Sie haben die Hauptrolle in "Donnie Darko" abgelehnt – haben Sie das je bereut?

Patrick Fugit: Nein, nie. Ich hatte damals das Drehbuch gelesen und mich mit dem Regisseur darüber unterhalten. Ich sah darin etwas vollkommen anderes als er. Aber ich habe den Film auf der Premiere beim Sundance Festival gesehen und ihn sehr gemocht.

Interview: Dirk Oetjen

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