"Dieses Duo könnte die Welt retten"

Was wir bereits wissen
Ein Dream-Team im Watt: Exklusiv-Interview mit Anke Engelke und Charly Hübner über ihre neue TV-Komödie "Einmal Hallig und zurück" (Mittwoch, 25. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste).

Eigentlich ist Klatsch und Tratsch aus der Welt der Schönen und Reichen ihr Metier. Doch eines Tages deckt die schrille Boulevardjournalistin Fanny (Anke Engelke) durch Zufall einen Korruptionsskandal auf und muss für eine Weile abtauchen. Eine Hallig im Wattenmeer wird ihr Versteck. Dort trifft sie auf den Eigenbrötler Hagen (Charly Hübner) und fragt sich schon bald, was der verbirgt.

Trailer "Einmal Hallig und zurück"

Im Gespräch mit GOLDENE KAMERA verraten Anke Engelke und Hübner mehr über den Film – und über das Kusstalent des Filmpartners.

Ungehobelter Inselkauz trifft dauerquasselnde Medientussi – beschreibt das treffend die Eckdaten Ihrer Komödie?

Charly Hübner: Nein, gar nicht. Denn wenn überhaupt einer den anderen trifft, dann die Medientussi den Inselkauz. Außerdem stellt sich die Frage, ob Hagen wirklich ein Inselkauz ist, weil er als nicht dort geborener Hallig-Bewohner ... Nein, sag du, Anke!

Anke Engelke: Stimmt, diese Fünf-Wort-Inhaltsangabe ist zwar ganz ulkig, aber irreführend. Dass es sich um keine Insel handelt, sondern um eine Hallig, bekommt man schnell mit. Und sobald Hagen redet, merkt man, dass der keineswegs doof ist, sondern auf clevere Weise sein Geheimnis hütet. Und Fanny muss man auch ein wenig Zeit geben, dann sieht man hinter ihrer Sprüchefassade etwas anderes.

Warum hat Sie das Drehbuch von der skrupellosen Yellow-Press-Reporterin, die einen Wirtschaftsskandal aufdeckt, begeistert – und inwiefern steht dieser 90-Minüter für guten Humor?

Anke Engelke: Autor ist Chris Geletneky, und der ist eine Bank: Er ist einer der Erfinder von "Ladykracher" und hat auch die meisten Geschichten von "Wolfgang und Anneliese" für Bastian Pastewka und mich geschrieben. Er kombiniert herrlich albernen Ballaballahumor mit sehr subversiver Komik. Buchbesprechungen mit Chris Geletneky sind das Beste: Selbst die trockensten Schnarchtypen, die sich vornehmen, über Quatsch nicht zu lachen, werden ruck, zuck Fans! Das Geheimnis dieser Art von Humor ist, dass man sich wegschmeißt vor Lachen, ohne Angst haben zu müssen, dass man dabei verblödet.

Charly Hübner: Stimmt genau! Als Schauspieler hat man äußerst selten einen Autor, der einen trägt – und Geletneky liefert derartige High-End-Dialoge, dass man sich sofort an die Arbeit machen kann.

Inwiefern haben Sie die Rollen trotzdem noch ausgearbeitet?

Charly Hübner: Wir wurden total früh integriert in die Bucharbeit – und haben uns über die Themen und den Inhalt verständigt. In diesem Fall wollten wir eine Öko-Comedy drehen – und haben deshalb überlegt, wie weit wir didaktisch werden wollen.

Anke Engelke: Sie müssten sich unsere "Hallig"-Drehbücher mal ansehen, die sind wie neu! Da muss man kein Wort verändern, keine Formulierung, das kann alles so bleiben! Chris schreibt gelebte Sprache, die aus einem rausfließt.

"Einmal Hallig und zurück" hat als thematischen Hintergrund das sogenannte "Green-Washing". Was verbirgt sich hinter dem Begriff?

Anke Engelke: PR-Methoden, mit denen eine Firma ein umweltfreundliches Image bekommt, ohne dass sie es verdient hätte.

Charly Hübner: Letztendlich geben wir damit einen Denkanstoß. Wir liefern Basisinfos über die Vermüllung des Marschlands, wo immer mehr Kühlschränke und Plastik angespült werden, und machen gleichzeitig darauf aufmerksam, dass auch die Windkraftenergie nicht zu 100 Prozent positiv ist. Sie dezimiert Vogelpopulationen und zerstört die Fauna und Flora, etwa in Offshore-Windparks, wo Träger für Windkraftanlagen in den Meeresgrund getrieben werden.

Verraten Sie uns ein Geheimnis: Wie haben Sie den nordfriesischen Slang erlernt?

Anke Engelke: Ein paar Sprachschützer haben uns geholfen, die Texte für uns gelesen und wir haben sie in Lautschrift mitgeschrieben und gelernt. Ein großer Spaß! Charly konnte das aber dank seiner Meck-Pomm-Herkunft viel viel besser als ich. Und zwischendurch habe ich wieder mal überlegt, ob ich die Sprache meiner Stadt lernen sollte, also Kölsch.

Sie standen schon bei "Ladykracher" gemeinsam vor der Kamera. Hat das die Arbeit jetzt erleichtert?

Charly Hübner: Ich hatte schon während der Sketche für "Ladykracher" die Hoffnung, mal mit Anke in ein größeres Format zu rutschen. Man trifft nicht ständig Kollegen, die den gleichen Humor haben. Bei Anke und mir ergänzt sich das prima. Mal abgesehen von den Momenten, in denen sie mich auf eine bestimmte Weise anschaut und ich nicht mehr weitermachen kann vor Lachen.

Anke Engelke: Das ist total herrlich: Die Wege der "Ladykracher"-Familienmitglieder kreuzen sich immer wieder. Nächstes Jahr drehe ich zum Beispiel mit Matthias Matschke und flippe jetzt schon aus vor Glück!

Stichwort Krimis: Sie sind beide in Krimireihen zu sehen – doch wie lange bleiben Sie dem "Polizeiruf 110" und "Kommissarin Lucas" erhalten?

Charly Hübner: Bei Kriminalhauptkommissar Alexander Bukow sehe ich kein Ende der Fahnenstange! Und was Ankes Rolle bei "Kommissarin Lucas" betrifft: Wenn ich kann, sehe ich ihr immer dabei zu, wie sie ihre ältere Filmschwester nervt …

Anke Engelke: Ich schaue in der Mediathek was Charly und Anneke beim "Polizeiruf 110" tun und freue mich darüber sehr! Bei "Kommissarin Lucas" ist immer alles in Bewegung, u.a. weil Ulrike gern mit wechselnden Regisseuren arbeitet und die Bücher von wechselnden Autoren geschrieben werden. Ich bin in der zuletzt gedrehten Folge gar nicht dabei, und das ist total ok.

Wie ist es generell um die deutsche TV-Comedy bestellt? Über welche Formate können Sie lachen?

Charly Hübner: Ich bin dem englischen Humor verbunden. So kam die Sehnsucht, bei "Ladykracher" mitzumachen, durch "Little Britain" zustande. Aber momentan höre ich nicht mal im Freundeskreis von irgendwelchen Comedy-Formaten, die so toll sind, dass man sie unbedingt anschauen sollte.

Anke Engelke: Sie möchten wissen, was ich mir auf Zugfahrten zwischen NRW und Norddeutschland angucke, wenn ich grinsend vor dem Laptop sitze? Ich mag das "Neo Magazin Royale" gern und freue mich immer, was Jan Böhmermann alles in seine 90-Sekunden-Songs packt. Da lach’ ich mich weg!

In "Einmal Hallig und zurück" kommen Sie sich sehr nahe. Hand aufs Herz: Wie gut küsst Charly?

Anke Engelke: Mit Charly zu knutschen heißt, dabei auch an seine tolle Frau Lina zu denken! Für Filmküsse im Allgemeinen gilt: Einfach schauen, dass es für alle schön ist. Für den Knutschpartner, für die Zuschauer – und im Idealfall auch für einen selber. Ich finde das so blöde, wenn man einem Kuss ansieht, dass sich da jemand ziert. Schauspielern heißt: so tun als ob. Also muss man das selbst bei einem Partner gut aussehen lassen, den man nicht so lieb hat.

Charly Hübner: Anke küsst super! Und das sage ich, obwohl Knutschen vor der Kamera für mich bloß ein Job ist, nicht mehr.

Inwiefern war der Filmdreh besonders?

Charly Hübner: Er war entspannt. Wir wohnten alle in Marschhäusern jenseits der Zivilisation – inmitten der Stille. Ich habe das sehr genossen, denn wir sind die ganze Zeit auf das Thema fokussiert geblieben. Nicht einmal die Fahrer konnten rumfahren und den neusten Klatsch und Tratsch beim Mittagessen erzählen. Der Dreh war wie eine Expedition.

Anke Engelke: Ich habe immer Blumen gepflückt nach Drehschluss, auf dem Weg zu meiner Warft – weil rechts und links am Weg Sachen wuchsen, die ich in Köln noch nie gesehen habe. Manchmal habe ich mich aber gefragt, ob ich das eigentlich darf – oder ob ich gerade eine Blume pflücke, die zu den letzten 40.000 ihrer Art zählt. Wegen unseres Themas Umweltschutz wurde man ganz demütig und ich war mir mehr denn je bewusst, dass wir da mitten in einem sehr fragilen Ökosystem gedreht haben auf das wir Acht geben müssen.

Charly Hübner: Die Natur hat den Takt vorgegeben – und zwar den Verhaltenstakt. Wir hätten manchmal gern weitere Einstellungen von einem Bild gedreht – etwa beim Rückwärtsgehen im Watt – aber dann kam die Flut und wir mussten das Equipment schnell in Sicherheit bringen. Diese Erfahrung war cool, denn das sozial extrem zusammengewürfelte Team, wurde dadurch zusammengeschweißt – weil keine Zeit zum Meckern oder Kommentieren blieb, wenn das Wasser anrückte …

Anke Engelke: Die Schafe, die man im Film sieht, und die zum Teil ja auch mitspielten, hatten auch ihr eigenes Timing: Wenn die grad auf Toilette waren, also vor unseren Augen rumgeköttelt haben, mussten wir natürlich mit dem Drehen warten bis die fertig waren. Da macht das Warten Spaß!

Die Charaktere Fanny und Hagen haben Kultpotenzial. Wann gibt's die Fortsetzung?

Charly Hübner: Momentan ist keine geplant, doch ich finde auch, dass die Figuren das Potenzial haben, die Welt zu retten. Sie könnten etwa Gletscher aufhalten!

Anke Engelke: Falls es nichts wird mit einer Fortsetzung, spielen wir das einfach privat weiter. Die Welt retten, das ist immer gut!

Schlussfrage an Frau Anke Engelke: Wie geht’s weiter mit Wolfgang und Anneliese – den Publikumslieblingen, hinter denen Bastian Pastewka und Sie stecken?

Anke Engelke: Figuren wie Wolfgang und Anneliese leben weiter, zurzeit in einem virtuellen Archiv in uns. Wer eine Fortsetzung wünscht, kann gern in den Ring steigen und eine Petition starten! Fairerweise sollte ich aber sagen, dass wir alle grad viel um die Ohren haben: Basti ist im Zweifel immer mit einer Lesung unterwegs, Charly spielt Theater und "Polizeiruf 110", und ich drehe in diesem Jahr auch schöne Filme. Es bleibt spannend!

Interview: Mike Powelz

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