Interview mit Matthias Matschke

Matthias Matschke
Matthias Matschke
Foto: Frank P. Wartenberg c/o glampool
Was wir bereits wissen
Matthias Matschke feiert am 29. Mai Premiere als "Polizeiruf"-Kommissar. Im Interview spricht er über seine Rolle als Kommissar Dirk Köhler und das "berufliche erotische Flirren" zwischen ihm und Claudia Michelsen.

Der 47-Jährige, zuletzt hoch gelobt für die Titelrolle in "Der Fall Barschel", ist der neue Partner von Claudia Michelsen im Magdeburger "Polizeiruf". In ihrem ersten gemeinsamen Fall dreht sich alles darum, höchst schwierige Familienzusammenhänge zu durchschauen. Für Matschke, selber Vater von zwei Kindern, "das spannendste Thema überhaupt", wie er im Interview sagt.

Das Zusammenspiel mit Michelsen hat jedenfalls auf Anhieb so gut funktioniert, dass wir ihn zum Gespräch mitten im Dreh des zweiten Teils erwischen.

GOLDENE KAMERA: Glückwunsch, Herr Matschke! Freuen Sie sich mit der Hauptrolle im "Polizeiruf" eine der Toprollen im deutschen Fernsehen erobert zum haben?

Matschke: Es ist hervorragend. Man fühlt sich in einen illustren Kreis aufgenommen. Aber jeder Film der Reihe ist für sich anzugehen. Ich kann nicht sagen, jetzt bin ich im Olymp. Weil die Herausforderung mit jedem Film groß bleibt.

Welche besonderen Eigenschaften zeichnen Ihren Kommissar Dirk Köhler aus?

Er versucht auf menschlicher Ebene, mit den Verdächtigen in Kontakt zu kommen. Es war schön, das zu entwickeln. Dirk Köhler versucht auch ein guter Familenvater zu sein, andere zu verstehen, und gleichzeitig die Dinge mit Konsequenz zu erforschen, um effektiv seinen Beruf auszuführen.

Entspricht das auch Ihrer persönlichen Art, Ihren Job ausüben? Haben Sie damit etwas von sich selber der Figur mitgegeben?

Da gibt es eine Art von Verbindung. Jede Rolle fordert eine seltsame Verantwortlichkeit. Im krimiliebenden Deutschland wollen sich die Menschen mit der Art identifizieren, wie jemand seinen Beruf macht.

Auffällig ist der Vollbart, den Dirk Köhler trägt. Ihre Idee?

Ich finde es gut, ich bin privat auch Bartträger. Mal sehen, wie lange das dauert.

Warum Dirk Köhler? Der Name klingt sehr norddeutsch.

Ich habe es nicht hinterfragt. Es entspricht unserem Menschsein. Man bekommt einen Namen und heißt sein Leben lang so. Man muss es aushalten.

Wie ist die Arbeit mit ihrem Co-Star Claudia Michelsen, die vor Ihnen schon einen anderen Partner im Magdeburger "Polizeiruf" hatte?

Die Zusammenarbeit mit Claudia ist die reine Wonne. Wirklich toll. Jetzt bei der zweiten Folge ist schon eine große Vertrautheit da, die trotzdem immer noch ein berufliches erotisches Flirren in sich hat.

Kannten Sie sich vorher?

Nur von der Bühne. Wir waren vor Jahren beide bei der Berliner Volksbühne engagiert, haben aber nie zusammengespielt.

Im "Polizeiruf"-Krimi geht es um eine Pflegefamilie mit mehreren Kindern, die große Probleme haben. Haben Sie persönlich Erfahrungen mit Kindern?

Jeder von uns hat diese Erfahrung in sich, weil jeder selber mal Kind war. Im Krimi dreht sich alles um Familie und Familienzusammenhänge, da wo die schlimmste Grausamkeit und die größte Liebe entstehen kann. Für mich das spannendste Thema überhaupt. Zu Beginn des Films stirbt ein Kind und die Kommissare werden in etwas reingezogen, was beide auch persönlich angreift.

Ist Magdeburg ein fremdes Pflaster für Sie?

Ich habe Lust, die Stadt zu entdecken. Wir drehen für die neue Folge in der von Bruno Taut gebauten Gartenstadt, einer Arbeiter- und Beamtensiedlung, die etwas vom verblassten Charme eines ehemaligen Industriestandorts ausstrahlt. Das hat etwas Britisches. Das finde ich sehr interessant.

Was sehen Sie selbst privat am liebsten?

Ich bin der klassische Kinogänger. Das schafft auch Distanz zur eigenen Arbeit. Ich schaue auch viele amerikanische Serien wie zum Beispiel "Fargo". Es imponiert mir, wie aus dem tollen Kinofilm anschließend noch eine eigenständige TV-Serie entwickelt wurde.

Ihr größtes Hobby soll die Fotografie sein.

Überall wo ich hingehe, muss ich fotografieren. Das ist meine Art, die Welt zu sehen und mit ihr umzugehen. Ich mache viel bei Instagram und habe auch begonnen, Magdeburg zu fotografieren. Unter dem Hashtag "#beautyofmagdeburg" habe ich eine eigene Fotoreihe ins Leben rufen.

Bei der letzten GOLDENEN KAMERA haben Sie mit Michael Kessler das Opening gemacht, einen lustigen Sketch über die Absurditäten des Fernsehens. Das hat viele sehr begeistert – und überrascht, auch weil Sie da so gut singen.

Ich komme vom Theater, und da hieß es von Anfang an singen, tanzen, Instrument spielen. Das Opening war für mich deshalb ein ganz selbstverständlicher Teil meiner Arbeit. Zudem hat es viel Spaß gemacht, sich so was mit Michael Kessler und Thomas Hermanns auszudenken. Es ist herrlich, solche Kindsköppe neben sich zu haben. Gefühlt war es ein Streich, den man sich nur trauen musste.

Was sind Ihre weiteren Projekte?

Ich hatte gerade Premiere mit meiner Regiearbeit von meinem eigenen Theaterstück "Germans are different" am Schauspielhaus Leipzig. Im Herbst folgt ein Projekt, über das ich noch nicht sprechen kann. Dann startet vor Weihnachten das Winnetou-Revival. Ich bin gespannt wie die Zuschauer auf die drei Filme reagieren werden. Sie werden dem komisch heiligen Erbe der Deutschen mit ihrem Winnetou sehr gerecht und sind trotzdem sehr eigenständig.

Stimmt es, dass Sie da noch mal die Barschel-Perücke tragen?

Das stimmt. Jawoll! Aber ich kann alle beruhigen: Uwe Barschel reitet nicht durch die Prärie. Es gibt Gott sei dank noch die Kunst der Maskenbildner, die aus der Perücke etwas Neues kreiert haben.

Drehen Sie auch noch Comedy wie früher in "Pastewka"?

Ich mache immer noch Sketche. Aus voller Überzeugung. Gerade starten die Dreharbeiten für die 2. Staffel der "Sketch History".

Ich mache immer noch das, was ich aus dem Theater gewohnt bin. In meiner härtesten Zeit an der Volksbühne hatte ich im Monat 24 Vorstellungen in sechs Stücken. Und die waren so lustig und so traurig nebeneinander, dass ich aufgehört habe, darüber nachzudenken, ob ich Komiker oder dramatischer Schauspieler bin. Weil man alles können muss. Ich wäre unglücklich, wenn ich jetzt nur noch ernst oder nur noch lustig spielen würde. Das geht nicht, das schaffe ich nicht.

Interview: Sabine Ulrich

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