Geheimakte Hollywood: Die Gagen der Traumfabrik

Die Nr. 1 auf der Liste der bestverdienenden Schauspielstars: Robert Downey jr., mit 80 Millionen Dollar Einnahmen in 2015.
Die Nr. 1 auf der Liste der bestverdienenden Schauspielstars: Robert Downey jr., mit 80 Millionen Dollar Einnahmen in 2015.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Produzentenstatus aus Eitelkeit, anonyme Drehbuchautoren, bis zu 80 MILLIONEN GAGE für einen Darsteller: GOLDENE KAMERA erklärt, nach welchen Regeln die US-FILMINDUSTRIE wirklich funktioniert.

Das Kino steckt in der Krise, so heißt es seit Jahren. Die Gründe für den Niedergang sind vielfältig: TV-Geräte werden immer größer und besser, die Qualität von Serien steigt weiter, und vor allem Jüngeren reicht ihr Smartphone, um Filme zu schauen – nicht selten als illegale Version aus dem Internet. Die These von der Kinokrise hat nur einen Haken: Sie ist falsch.

Die Zahlen sprechen für sich: 2015 war das erfolgreichste Jahr der Kinogeschichte. Insgesamt wurden vergangenes Jahr an den Kinokassen weltweit unglaubliche 38,3 Milliarden Dollar eingespielt. Vier der zehn erfolgreichsten Filme der Geschichte stammen von 2015: „Star Wars VII“, „Jurassic World“, „Fast & Furious 7“, „Avengers: Age of Ultron“. Vor allem US-Filme sind so erfolgreich wie nie zuvor. Doch je präsenter die Produkte der US-Filmindustrie, desto strenger hütet sie ihre Branchengeheimnisse – oder versucht es zumindest. Wie sieht die Gehaltsliste eines Blockbusters aus? Was tun Filmstudios, um ihre Bilanzen zu schönen? Und wer sind die anonymen Stars in Hollywood?

Multi-Milliarden-Dollar-Business mit hohen Risiken

Mithilfe von Filmindustrie-Insidern blicken wir hinter die Kulissen eines Multi-Milliarden-Dollar-Business. Auch wenn Hollywoods aktuelle Rekordzahlen es nicht vermuten lassen: Die Flopgefahr für Filmstudios ist riesengroß. Scheitert ein teurer, mit hohen Erwartungen gestarteter Blockbuster, kann die ganze Unternehmensbilanz Schaden nehmen. Vergangenes Jahr etwa floppte „Pan“ des Filmstudios Warner Bros. grandios. Trotz weltweitem Kinostart konnte das Fantasyepos mit Hugh Jackman nicht einmal sein Budget von 150 Millionen Dollar wieder einspielen. Disney erlebte 2012 einen der größten Flops der Filmgeschichte: Das obskure Science-Fiction-Desaster „John Carter“ bescherte dem Studio einen 200-Millionen-Dollar-Verlust. Wohl kein Zufall, dass Disney schon bald seine Strategie änderte. Acht Monate später kaufte das Studio die Filmlizenz für „Star Wars“, das anders als die im Kino zuvor unerprobte „John Carter“-Saga bereits weltberühmt ist und deshalb sichere Kinoeinnahmen quasi garantiert.

"Pan": Der Trailer zum großen Hollywood-Flop im letzen Jahr

Mit einem Einspielergebnis von 2,1 Milliarden Dollar wurde Disneys „Star Wars VII“ dann auch zum dritterfolgreichsten Film der Kinogeschichte. Ein eigener Mythos für sich in Hollywood ist das Startwochenende. Hier werden oft die Weichen für den Gesamterfolg eines Films gelegt. Wie viel spielt eine Kinoproduktion von Freitag bis Sonntag ein? Welcher Titel landet auf Platz eins? Shawn Robbins analysiert seit vielen Jahren für den Branchendienst BoxOffice Media die Einspielergebnisse von US-Filmen. „Für Filmstudios“, erklärt der Experte, „sind die Einnahmen am Startwochenende besonders wichtig.

Denn: An diesen Tagen bekommen sie den größten Anteil an den Umsätzen. Mit jeder folgenden Woche, die der Film gezeigt wird, verbleibt dagegen ein größerer Teil der Einnahmen bei den Kinos.“ Ein aktuelles Beispiel: Warner brachte „Batman v Superman“ im März 2016 praktisch zeitgleich auf der ganzen Welt in die Kinos. Am ersten Wochenende spielte der Film so beeindruckende 420 Millionen Dollar ein. Weitere Vorteile eines solchen Simultanstarts: Die imposante Zahl heizte den Hype um den Film zusätzlich an, und die überwiegend schlechten Kritiken des Films hatten weniger Zeit, sich zu verbreiten.

Auch ein Megastar garantiert keine Gewinne

„Damit ein Film für das Studio im Kino profitabel ist“, verrät Insider Robbins, „muss er rund das Doppelte des kombinierten Budgets für Produktion und Marketing einspielen.“ Im Fall von „Batman v Superman“ schätzen Experten jenes Budget auf über 400 Millionen Dollar. Folglich verdient Warner erst Geld, wenn die Einnahmen deutlich über 800 Millionen Dollar liegen – einige Insider sprechen sogar von 925 Millionen Dollar. Kein Wunder, dass Studios versuchen, ihre wirtschaftlichen Risiken zu minimieren. Eine Möglichkeit ist, mehrere Produktionsfirmen zu beteiligen. So ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass im Filmvorspann drei oder vier Produktionsfirmen genannt werden. Risikomanagement ist nicht der einzige Grund für einen solchen Logo-Marathon. Jede Produktionsfirma kann unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Eine besitzt etwa die Rechte am Filmstoff, eine zweite ist für die Distribution zuständig, eine dritte verantwortet den tatsächlichen Dreh.

Immer häufiger dabei: die Produktionsfirma eines Schauspielers. Nicht selten machen Weltstars die Zusage für eine Rolle davon abhängig, ob ihre eigene Firma koproduzieren kann. Während manche Darsteller aus reiner Eitelkeit auf einem Produzentenstatus bestehen, entwickeln und fördern andere über Jahre hinweg ihre Herzensprojekte. Größen wie Brad Pitt, George Clooney und Ben Affleck haben allesamt in den vergangenen Jahren den Oscar gewonnen – als Filmproduzenten wohlgemerkt. Ihr Kollege Bradley Cooper war nicht nur Hauptdarsteller des Überraschungserfolgs „American Sniper“, sondern auch dessen Produzent. Dank seiner Gewinnbeteiligung schaffte er es 2015 auf die Liste der bestverdienenden Schauspielstars der Welt mit 41,5 Millionen Dollar allerdings „nur“ auf Platz vier.

Robert Downey jr. steht an der Spitze des„Forbes“-Rankings

Schier unglaubliche 80 Millionen Dollar in zwöf Monaten nahm der Star vor allem dank seiner Marvel-Filme ein. „Actionhelden mögen austauschbar erscheinen“, erklärt „Forbes“-Entertainment-Expertin Natalie Robehmed, „aber Downey hat es geschafft sicherzustellen, dass niemand außer ihm Iron Man spielen kann. Die Rolle hat ihn praktisch unverwundbar gemacht: Marvel muss ihm einen sehr vorteilhaften Deal für jeden Film anbieten, in dem seine Figur auftritt.“ Es war Downey, der mit dem Überraschungshit „Iron Man“ (2008) das Fundament für das inzwischen Milliarden schwere Marvel-Universum legte.

Auch Downeys Marvel-Kollege Chris Hemsworth („Thor“) ist sich seiner Macht bewusst. Und die geht über die Gage hinaus. „Chris Hemsworth hat eine Klausel in seinen Verträgen, dass ich bei jedem seiner Filme sein Stuntdouble sein muss“, verrät Bobby Holland Hanton im Interview. Erstmals sprang der britische Stuntman am Set von „Thor 2“ (2013) für Hemsworth in gefährlichen Szenen ein. Seitdem folgt Holland Hanton dem Star von Projekt zu Projekt rund um die Welt. „Das sind die beiden ultimativen Ziele jedes Stuntperformers“,sagt er. „Erstens einen Star zu doubeln. Und zweitens diesen Darsteller exklusiv und langfristig als Double zu begleiten.“

Die Folgen des Hacking-Skandals

Was ein Stuntmen vedient, ist spätestens seit den gehackten E-Mails des Sony-Filmstudios 2014 bekannt. Für praktisch alle Filmberufe existieren ähnliche Daten. Der Hacking-Skandal hatte immense wirtschaftliche Folgen. Denn nicht nur die Öffentlichkeit erfuhr, wer was verdient. Auch die Filmschaffenden selbst konnten ihren Marktwert untereinander vergleichen. So fand etwa die Oscarpreisträgerin Jennifer Lawrence heraus, dass sie für ihre Arbeit an „American Hustle“ (2013) weniger Geld bekam als ihre männlichen Co-Stars. Seitdem verhandelt Lawrence härter. Anscheinend mit Erfolg: Zuletzt lag sie mit 52 Millionen Dollar Jahresverdienst auf Platz zwei hinter Robert Downey jr. Auch einige Regisseure wissen um ihren Status. Mit einer besonderen Vertragsklausel versuchen sie, im Vor- bzw. Abspann nicht nur genannt zu werden („directed by XY“), sondern noch vor dem Filmtitel zu stehen. „A Film by XY“ oder „A XY-Film“ – wem dieser „Vanity Credit“, so der Branchenjargon, gewährt wird, ist Verhandlungssache.

Oft genug sind die Studios gar nicht abgeneigt, schließlich sind Regisseure wie Christopher Nolan oder Quentin Tarantino längst eigene Marken, die zusätzliche Zuschauer anziehen. Ihren Unmut darüber zeigen eher die anderen Berufsverbände. Dass Filme das Werk eines Einzelnen sein sollen, kommt verständlicherweise nicht so gut an bei all den Kameraleuten, Setdesignern, Drehbuchautoren und anderen Filmschaffenden. Wobei vor allem Autoren Kummer gewohnt sind. Obwohl sie die Basis jedes Filmerfolgs liefern, stehen sie in der Hierarchie ziemlich weit unten. Es gibt Blockbuster, bei denen ein halbes Dutzend Schreiber nacheinander am selben Skript arbeiten.

Retter mit Sonderstatus: Die Script Doctors

Diese Autoren werden gerufen, wenn der Dreh eines Großprojekts stockt. Nicht selten wartet eine hundertköpfige Crew, während ein Script Doctor am Set so schnell wie möglich problematische Zeilen umschreibt – Hollywoods Äquivalent zur Operation am offenen Herzen. In solchen Notfällen kostet jede ungeplante Drehpause das Studio ein Vermögen, daher gehört dieser Job zu den lukrativsten der Branche. Bis zu 500.000 Dollar können Top-Script Doctors für wenige Wochen Arbeit verdienen. Ruhm und Ehre sollten sie aber nicht erwarten. Im Abspann nämlich werden sie fast nie erwähnt, und auch darüber hinaus wird bei solchen Rettungseinsätzen Diskretion erwartet.Manchmal sind Hollywoods Traumgagen auch Schweigegeld.

Die Topverdiener der Traumfabrik

Regisseure verdienen 250.000 – 40 Mio. $ pro Jahr. J.J. Abrams (hier am Set) machte mit „Star Wars“ ein Vermögen. Dank Gewinnbeteiligung soll er für „Star Wars VII“ 40 Millionen bekommen haben. Studiobosse haben ein Basisgehalt von 3-5 Mio $ pro Jahr und erhalten zusätzliche Bonis. Agenten verdienen 200.000 – 10 Mio. $ pro Jahr. Branchengrößen wie Ari Emanuel werden auch am Gewinn der Filme beteiligt. Drehbuchautoren können mit 100.000 – 3 Mio $ pro Film rechnen. Häufig werden die Drehbücher bei einem Wettbieten versteigert. Produzenten erhalten 250.000 – 2 Mio. $ pro Jahr. Auch sie erhalten in der Regel zusätzliche Erfolgsboni. Ein Scrip Doctor kassiert bis zu 500.000 $ pro Film. (siehe Erklärung unten) . Gut verdient auch ein „Publicist“. Die persönlichen Pressesprecher der Stars erhalten ca. 400.000 $ pro Jahr.

Die Normalverdiener in Hollywood

Ein Stunmen (hier im Bild rechts zu sehen Marc Shaffer, der Christian Slater in "The Forgotten" doublen durfte) kommt in Hollywood auf 900 $ pro Drehtag. Ein eher mäßiger Verdienst für das hohe Risiko. Ein persönlicher Assistent (PA) verdient ca. 80.000 $ pro Jahr. Dafür muss "das Mädchen für alles" auch rund um die Uhr verfügbar sein. Die Gagen der Kameraleute liegen bei 10.000 - 30.000 $ pro Woche. Die echten Asse der Branche erhalten auch mehr.

Die Geringverdiener am Set

Komparsen (wie oben im Hobbit) werden nicht reich in Hollywood. Ein Statist verdient 148 $ pro Drehtag. An Regentagen winken 50 $ Regenzulage. Ein Fahrer am Set bekommt ca. 35 $ pro Stunde, der Assistent eines Agenten 10 - 13 $ pro Stunde, ein Maskenbildner 60 $ pro Stunde und ein Caterer 1200 $ pro Woche. Hier heißt es also: Viel Glamour, wenig Schotter!

Text: Michael Tokarski

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