Nächste Top-Serie aus Dänemark: "Die Erbschaft"

Was wir bereits wissen
In dem Zehnteiler "Die Erbschaft" (ab 9. Juni, 20.15 Uhr, Arte) streiten vier Geschwister um das wertvolle alte Anwesen der Familie.

Wenige Stunden vor ihrem Tod macht die weltweit bekannte Künstlerin Veronika Grønnegaard (Kirsten Olesen) reinen Tisch: Die 68-Jährige bittet die völlig ahnungslose Floristin Signe (Marie Bach Hansen) zu sich nach Hause und gesteht ihr, dass sie ihre Mutter sei. Zusätzlich drückt sie ihr ein schnell verfasstes Testament in die Hand, in dem sie der jungen Frau das riesige Familiengut hinterlässt.

Ist damit alles geregelt? Von wegen! Ihr Tod löst ein gewaltiges Familiendrama aus, von dem die brillante dänische Serie "Die Erbschaft" in zehn Folgen (ab Donnerstag, 9. Juni, 20.15 Uhr, Arte) erzählt. Denn die Verstorbene hinterlässt drei weitere Kinder von zwei Männern, und alle haben ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, was mit dem Nachlass geschehen soll. Gro (Trine Dyrholm) möchte dort ein spektakuläres Museum errichten, Frederik (Carsten Bjørnlund) will mit seiner Familie einziehen, der junge Luftikus Emil (Mikkel Boe Følsgaard) setzt auf Einnahmen durch einen Verkauf, denn er hat sich beim Bau eines Feriendorfs in Thailand übernommen.

Keiner von ihnen ahnt zunächst etwas von dem Testament, das Signe besitzt. Im Kampf ums Erbe entstehen immer wieder neue Allianzen, werden Familiengeheimnisse gelüftet und Wunden aufgerissen. Es wird klar, wie sehr alle Kinder unter dem exzentrischen Lebensstil ihrer Mutter gelitten haben, der von den Idealen der 68er inspiriert war. Sie genoss ihr Leben in vollen Zügen, vergnügte sich mit zahlreichen Liebhabern – aber achtete dabei nur selten auf die Gefühle ihrer Angehörigen.

Serienhit in Dänemark

In Dänemark war die Serie ein Straßenfeger. Bis zu zwei Millionen Zuschauer schalteten pro Folge ein – und das in dem kleinen Land mit seinen 5,7 Millionen Einwohnern. Damit war "Die Erbschaft" erfolgreicher als die ebenfalls aus Dänemark stammenden Hits "Kommissarin Lund" und "Borgen".

Eine zweite Staffel wurde bereits ausgestrahlt, die Dreharbeiten zur dritten laufen derzeit. "Ich möchte eine spannende Geschichte erzählen, aber auch eine Diskussion über das Thema Familie anstoßen", sagt die Autorin Maya Ilsøe. "Ich finde es gut, dass es heute viele verschiedene Modelle gibt und nicht nur Vater, Mutter, Kind. Aber überall sollte darüber gesprochen werden, was die Familie leisten kann, welche Werte den Kindern vermittelt werden sollen – andernfalls bringen Familien zu viele traumatisierte Menschen hervor."

Trailer "Die Erbschaft"

Für Ilsøe war Familie schon immer ein wichtiges Thema: Die 41-Jährige wuchs in einer Hippiekommune auf und verarbeitete diese Zeit in den Drehbüchern. Dennoch ist "Die Erbschaft" nicht ihre ganz persönliche Geschichte geworden: "Wir haben uns für eine ungewöhnlich kollektive Arbeitsweise entschieden, viele Kreative eng in den Prozess eingebunden", sagt Ilsøe. Besonders wichtig war die Arbeit der schwedischen Regisseurin Pernilla August, die schon für ihr Debüt "Bessere Zeiten" 2011 den schwedischen Filmpreis als beste Regisseurin bekam.

Auch die Schauspieler, die zu Dänemarks besten gehören, hatten großen Einfluss. Jeder bekam ein Vetorecht beim Casting der Familienmitglieder, alle durften ihre Ideen in die Drehbücher einbringen. Manchmal verderben zu viele Köche den Brei. In diesem Fall ist das Ergebnis fulminant.

Um die Zuschauer nicht allzu lange zappeln zu lassen, zeigt Arte pro Woche jeweils drei beziehungsweise zwei Folgen hintereinander. Eine weise Entscheidung!

Warum muss ich "Die Erbschaft" sehen?

Weil es in dieser Serie um mehr geht, als nur um Geld. Die komplexe Familiengeschichte entwickelt einen unwiderstehlichen Sog.

Wer sollte sich die Serie anschauen?

Jeder, der die Erzählweise dänischer Serien mag. "Die Erbschaft" nimmt sich Zeit, um ein Netz aus Täuschungen, Verletzungen und Lebenslügen auszuwerfen.

Für Fans von …

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GOKA-Wertung

Text: Sven Sakowitz

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