"Das Sacher": Exklusiver Drehbesuch beim ZDF-Set in Wien

Am Set von "Das Sacher": Regisseur Robert Dornhelm bespricht eine Szene mit Laurence Rupp und Josefine Preuss
Am Set von "Das Sacher": Regisseur Robert Dornhelm bespricht eine Szene mit Laurence Rupp und Josefine Preuss
Foto: ZDF/ Petro Domenigg - FILMSTILLS.AT
Was wir bereits wissen
Verführung, Leidenschaft und Tod: Das sind die bittersüßen Ingredienzien des 8 Millionen Euro teuren ZDF-Zweiteilers "Das Sacher", den das ZDF voraussichtlich Anfang 2017 zeigt. Warum eine Vierecksbeziehung im Zentrum des 200-Minüters steht, erfuhr GOLDENE KAMERA beim exklusiven Drehbesuch in Wien.

Silvester 1899/1900: In der festlich gestylten Lobby des Hotel Sacher, zwischen Statuen, Pagen und roten Samtvorhängen, begegnen sich zwei Ehepaare. Doch während die Berliner Verlegerin Martha Aderhold (Julia Koschitz, 41) und ihr erfolglos schriftstellernder Gatte Maximilian (Florian Stetter, 38) am liebsten auf dem Absatz kehrt machen würden, zeigen sich die heimliche Bestsellerautorin und Fürstin Konstanze von Traunstein (Josefine Preuß, 30, "Das Adlon") und ihr Ehemann Georg (Laurence Rupp, 28) hocherfreut über das Zusammentreffen mit den Aderholds. Dabei birgt ihre Begegnung viel Sprengstoff – denn die Paare lieben sich heimlich über Kreuz! Mit anderen Worten: Hinter den Kulissen von Österreichs ehrwürdigstem Hotel blüht eine ausschweifende Vierecks-Beziehung …

Josefine Preuß als Fürstin im Zweiteiler "Das Sacher"

Kein Wunder, dass Hotelchefin Anna Sacher (Ursula Strauss, 42) ihren Gästen nur kurz ein schönes Silvesterfest wünscht und dann, als sie aus Bild 2026 gelaufen ist, jenseits der Kamera murmelt: "Aber das werden Sie nicht haben!" Heute, am 20. Mai 2016, ist der 19. Drehtag des acht Millionen Euro teuren ZDF-Zweiteilers "Das Sacher. Die Geschichte einer Verführung" in den Studios der Wiener Hetmanekgasse – und GOLDENE KAMERA war exklusiv am Set. Wir staunen über die Superlative: Es gibt 64 große Rollen – darunter zehn Hauptrollen – 900 Komparsen und rund 800 historische Kostüme aus Wien, London, Rom und Berlin!

"Das Hotel ist nur einer von vielen Schauplätzen unseres Films ", verrät die Produzentin Sarah Kirkegaard, "aber sicherlich die geschichtsträchtigste. Das Sacher ist ein Wiener Wahrzeichen – ein Luxushotel mit eigenem Charakter und langer Tradition, wo die echte Historie viele kleine Geschichten schreibt. Einige dieser Szenen wurden an neun Drehtagen im echten Sacher produziert, viele weitere in unserem originalgetreuen Studionachbau. Hier gehen wir mit unseren Hauptfiguren durch die Zeit – und beleuchten die politischen, gesellschaftlichen und historischen Veränderungen zwischen 1890 und 1914, den Glanz und den Untergang der k.u.k.-Doppelmonarchie."

"Das Phantom der Oper" trifft Goethes "Wahlverwandtschaften"

Wie Zeitgeschichte an den Schicksalen der Menschen im Hotel lebendig wird, das zeigt Oliver Berbens Zweiteiler auch am Beispiel der Zigarre rauchenden Hotelchefin Anna Sacher, die in ihrer knappen Freizeit französische Bulldoggen züchtete (einen dieser gefragten Schoßhunde, direkter Nachkomme der Sacher-Bullis, trägt Schauspielerin Ursula Strauss auf dem Arm durchs Set). Nach dem Tod ihres Gatten kämpfte "Frau Eduard Sacher" um ihre Konzession – und machte das Hotel zu einer Legende. "Sie ist", so Regisseur Dornhelm zu GOLDENE KAMERA, "eine der wenigen real existierenden Personen der Zeitgeschichte in unserem 200-Minüter." Die übrigen Figuren – ein riesiges deutsch-österreichisches Starensemble – decken unterschiedlichste Facetten der Epoche ab.

So brilliert Jürgen Tarrach (55, "Mogadischu") als ungarischer Graf Szemere – der, wie Hoteldauergast Udo Lindenberg, eine Suite bewohnt. Robert Stadlober (33, "Krabat") indes mimt einen ehrgeizigen Kommissar, der der feinen Sacher-Gesellschaft ans Bein pinkeln will – und eine unheilvolle Allianz mit der illegitimen Adelstochter Marie (Jasna Fritzi Bauer, 27) eingeht. Diese junge Dame wurde als kleines Mädchen entführt und jahrelang in den Katakomben der dem Sacher gegenüberliegenden Oper gefangen gehalten. Nun schmiedet Marie Rachepläne.

Ebenfalls Teil des Ensembles: Der Kölner "Tatort"-Kommissar Dietmar Bär (55) als Berliner Buchsetzer sowie der österreichische Starkomiker Robert Palfrader (47) als Portier. Außerdem dabei: Joachim Krol, Simon Schwarz und Nina Proll. Nackt und nur mit einem Säbel die eigene Männlichkeit verdeckend darf hingegen der Schauspieler Philipp Hochmair (42) als Erzherzog Otto aus einer Suite voller Mätressen stürmen – und die echte Francesca von Habsburg-Lothringen nach diesem Auftritt erröten lassen. Denn die 57-jährige "nicht-amtierende Kaiserin von Österreichs" hat einen Cameo-Aufritt als internationaler Hotelgast.

"Ich hingegen spiele keine historische Persönlichkeit", verrät der GOLDENE KAMERA-Nachwuchspreisträger Edin Hasanovic (24). "Meine Rolle, Vincent Zacharias, ist ein fiktiver Doktor der Juristerei, der eine große Lovestory hat. Was will man mehr?"

Edin Hasanovic im Video-Talk über den Dreh von "Das Sacher"

"Bürgerliche Emporkömmlinge wie Vincent Zacharias", ordnet Produzentin Kirkegaard gegenüber GOLDENE KAMERA ein, "konnten im Hotel Sacher Kontakte zum Hochadel knüpfen. Die Hotelchefin hat ihre so genannten Sacher-Buben immer bestens verpflegt und gefördert – weil sie die ‚Gäste von morgen’ waren!"

Josefine Preuß erklärt: "Meine Konstanze ist eine ungarische Adlige. Sie hat sehr früh geheiratet, Kinder bekommen – und findet ihr neues Leben auf dem fürstlichen Landgut ganz schön trist. Deshalb beginnt Konstanze ein Doppelleben als Schriftstellerin. In ihrem vierten und letzten Roman erzählt Konstanze die Sacher-Story aus ihrer Sicht: Die "Geschichte einer Verführung" handelt von den geheimnisvollen Verwicklungen der Traunstein-Familie mit dem entführten Mädchen Marie." Fürst und Freidenker Georg von Traunstein ahnt von der heimlichen Karriere seiner Frau ebenso wenig wie von ihren sexuellen Abenteuern mit Max Aderhold – und der ist ausgerechnet der Ehemann ihrer bester Freundin Martha. Doch auch Georg und Martha teilen ein Geheimnis… Eine Vierecks-Beziehung entspinnt sich, die, so Regisseur Robert Dornhelm, "durchaus inspiriert ist von Goethes "Wahlverwandtschaften" (1809).

"Meine Top-Sacher-Anekdote? Wie Grace Kelly meine Hippie-Mähne in der Präsidenten-Suite gestutzt hat!"

Apropos Robert Dornhelm. Der 68-jährige Regisseur ("Anne Frank", "Krieg und Frieden"), der seit vielen Jahren in Kalifornien lebt, verriet GOLDENE KAMERA exklusiv, was ihn mit dem Hotel Sacher verbindet. "1978", so Dornhelm, "war mein Dokumentarfilm 'The Children Of Theatre Street' für den Oscar nominiert. Kurz vor der Preisverleihung hat mir keine Geringere als Grace Kelly, die in meinem Film als Erzählerin fungiert, in der Präsidentensuite des Sacher die Haare gestutzt. Denn Grace meinte, dass ich mich bei den Oscars auf keinen Fall mit meiner 'Hippie'-Frisur sehen lassen kann!"

Sehen lassen können sich hingegen Dornhelms Bilder von "Das Sacher. Die Geschichte einer Verführung." GOLDENE KAMERA durfte die ersten Aufnahmen sichten. Anschließend wollten wir wissen, wie sich Oliver Berbens Dreiteiler "Das Adlon" vom Zweiteiler "Das Sacher" unterscheidet. Produzentin Kirkegaard verrät: "Es ist eine andere Zeit, ein anderer Ort, eine andere Geschichte. Diesmal erzählen wir keine Berliner Jahrhundertsaga, sondern das bunte, vielschichtige Kaleidoskop einer spannenden Wiener Epoche. Ende des 19. Jahrhunderts galt Wien als Zentrum Europas: Hauptstadt eines Vielvölkerstaats, Mekka der schönen Künste und des guten Essens, ein Ort der Kontraste und des Umbruchs.

Das Hotel Sacher, ganz im Geist des Goldenen Zeitalters, war der ideale Ort für diplomatische Verhandlungen, für geheime Affären und dekadente Ausschweifungen. Im und unter dem Hotel gibt es unzählige verschachtelte Gänge und Flure. Einige führen 'downstairs' zu den Geschichten der Pagen und Zimmermädchen, über andere gelangen wir tief in die Katakomben, zum Schicksal eines entführten Mädchens, das für die feinen Herrschaften im Hotel zur Bedrohung wird. Oben in den Fluren kreuzen sich die Schicksale von zwei ungleichen Paaren, in der Lobby wacht der allwissende Portier über die berühmte Diskretion des Hauses, in der Patisserie wird Schokoladentorte gebacken, und in ihren Privaträumen träumt die Hausherrin von der Unsterblichkeit des Sacher… das bis heute eine Weltmarke ist."

Das Fazit von GOLDENE KAMERA

Oliver Berbens neuestes Werk ist ein hochambitioniertes TV-Epos, das obendrein den Anspruch hat, die politische Situation vor rund 100 Jahren mit unserer Gegenwart zu vergleichen. "Damals wie heute", so Robert Dornhelm, "keimten Nationalismus und Intoleranz auf – und es wurden Schuldige gesucht. Mein Film bildet diesen Geschichtsverlauf nun im Kleinen ab. Es ist ein Thriller über Bösewichter wie Josef von Traunstein (Peter Simonischek), der das System der Unterdrückung konservieren will – aber auch eine epische Lovestory mit einem "bitter sweet happy end".

Text: Mike Powelz

Kommentare einblenden

Nächste Top-Serie aus Dänemark: "Die Erbschaft"

In dem Zehnteiler "Die Erbschaft" (ab 9. Juni, 20.15 Uhr, Arte) streiten vier Geschwister um das wertvolle alte Anwesen der Familie.
Mehr lesen