Die Wahrheit über "Game of Thrones"

Jaqen H'ghar (Tom Wlaschiha) mit seiner Schülerin Arya Stark (Maisie Williams)
Arya Stark (Maisie Williams)
Ein Untoter jenseits der Mauer
Am Ende der 5. Staffel stirbt Jon Snow (Kit Harington). Melisandre (Carice van Houten) wäscht den Leichnam.
Nikolaj Coster-Waldau und Jerome Flynn in "Game of Thrones".
König Tommen (D. C. Chapman) und Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) trauern um Myrcella.
Iwan Rheon in der 6. Staffel Game of Thrones
Peter Dinklage und Conleth Hill in der 6. Staffel Game of Thrones
Maisie Williams in der 6. Staffel Game of Thrones
Nathalie Emmanuel in der 6. Staffel Game of Thrones
Hannah Murray and John Bradley in der 6. Staffel Game of Thrones
Nikolaj Coster-Waldau and Lena Headey in der 6. Staffel Game of Thrones
Peter Dinklage, Jacob Anderson and Nathalie Emmanuel in der 6. Staffel Game of Thrones
Patrick Malahide in der 6. Staffel Game of Thrones
Was wir bereits wissen
Die Doku-Reihe "Britanniens blutige Krone" (24. Juni, 20.15 Uhr, Spiegel Geschichte) zeigt, wie sehr sich das Fantasy-Epos an der Historie Englands orientiert. Verraten die Geschichtsbücher auch, wie die Hit-Serie enden wird?

Hexen, Zombies und natürlich Drachen: Wer nur einen oberflächlichen Blick auf "Game of Thrones" wirft, könnte den TV-Hit leicht als kindischen Fantasy-Kram abtun. Tatsächlich aber geht es in der Serie (6. Staffel "Game of Thrones", montags, 21 Uhr, Sky Atlantic HD) Woche für Woche vor allem um die Mechanismen der Macht.

Feature zu "Game of Thrones"-Staffel 6: Was bisher geschah (OF)

Doku-Reihe "Britanniens blutige Krone"

George R. R. Martin, Autor der Buchvorlage von "Game of Thrones", hat nie verheimlicht, dass er sich von echten Begebenheiten inspirieren ließ. Wie sehr sich das Serienepos bei den Geschichtsbüchern bedient, offenbart jetzt eine neue Doku-Reihe. Der Vierteiler "Britanniens blutige Krone" (ab Freitag, 24. Juni, 20.15 Uhr, Spiegel Geschichte) erzählt von den sogenannten Rosenkriegen (1455–1485) – einem Jahrzehnte währenden Konflikt, in dem verfeindete Adelshäuser um den englischen Thron kämpften.

"Die Rosenkriege sind das wahre 'Game of Thrones'", sagt Dan Jones. Der britische Historiker lieferte mit seinem Sachbuchbestseller "The War of the Roses" (Viking, 2014) die Grundlage für die Doku-Reihe, durch die er nun selber führt. "George R. R. Martin wusste genau, warum er das England des späten 15. Jahrhunderts als Inspirationsquelle wählte", erklärt Jones im Interview mit GOLDENE KAMERA. "Es war eine extrem gewalttätige Epoche: Drei Könige wurden umgebracht, ein Dutzend Prinzen und Thronanwärter gemeuchelt und Zehntausende auf den Schlachtfeldern massakriert."

"Game of Thrones"-Fans dürften in der Doku weitere Details wiedererkennen. Als Hauptakteure der Rosenkriege stehen sich die Familien Lancaster und York gegenüber. "Wie die Lennisters aus der HBO-Produktion waren die echten Lancasters für ihren Reichtum berühmt", sagt Historiker Jones, der in Cambridge studierte. "Und die Serienfamilie Stark stammt wie die realen Yorks aus dem hohen Norden."

Die Rosenkriege in England

Eins-zueins-Kopien historischer Figuren sucht man in "Game of Thrones" vergebens. Dennoch sind einige Parallelen zwischen Fakten und Fiktion unübersehbar. In der jungen Königsanwärterin Daenerys Targaryen etwa erkennt man viel von Henry Tudor (1457–1509), mal abgesehen von der Tatsache, dass sie eine Frau ist. "Wie Daenerys verbrachte Henry seine Jugend im Exil", so Dan Jones. "Getrieben vom Willen, den Thron seiner Vorfahren zurückzuerobern, baute er eine ausländische Armee auf. Schließlich überquerte er eine Meeresenge – den Ärmelkanal – und zog in die Schlacht." Doch während über Daenerys Kopf echte Drachen kreisen, musste sich Henry Tudor mit dem Drachen als Wappentier genügen.

Apropos mythische Wesen: "In den Rosenkriegen war der Glaube an Zauberei und schicksalhafte Vorhersagen weitverbreitet", erklärt Dan Jones. Einige mittelalterliche Karten etwa zeigten nicht nur tatsächlich existierende Orte, sondern auch Monster und biblische Stätten wie den Garten Eden. "Ein schönes Beispiel dafür", so Jones weiter, "wie Reales, Religion und Mythen im Mittelalter nebeneinander existierten."

Aber auch andere Epochen und Länder hinterließen in "Game of Thrones" deutliche Spuren. Bei der verführerischen Hexe Melisandre werden Erinnerungen an Rasputin (1869–1916) wach: Dem Heiler am russischen Zarenhof wurden sexuelle Zügellosigkeit und übersinnliche Kräfte nachgesagt. Die wilden Dothraki-Stämme aus dem Fantasy-Epos erinnern an reitende Mongolenhorden.

Und selbst für die gigantische Mauer, die in der Serie im hohen Norden Untote fernhalten soll, gibt es einen historischen Gegenpart: Mit ihrem Hadrianswall wollten die Römer im zweiten Jahrhundert n. Chr. "wilde" irische und schottische Stämme im Zaum halten.

An der nördlichsten Stelle des Römischen Reichs errichtet: der Hadrianswall

Dennoch bleibt die HBO-Serie Fiktion – das weiß auch Jones. "Niemand sollte 'Game of Thrones' schauen, um etwas über Englands Geschichte zu erfahren", so der Historiker. "Aber: Was authentisch ist, ist der Blick der Serie auf die Natur des Menschen. Was im 16. Jahrhundert Shakespeares Historienstücke waren, ist heute 'Game of Thrones'. In der Geschichte gibt es nie den eindeutigen Kampf Gut gegen Böse. Darin liegt auch die Wahrhaftigkeit von 'Game of Thrones'. Das macht die Serie realistischer als die meisten historischen Romane."

Achtung, Spoiler-Alarm!

Bleibt die entscheidende Frage: Verrät ein Blick in englische Geschichtsbücher auch etwas über das Ende von "Game of Thrones"? Es folgt eine Prognose, die auf gut 500 Jahre zurückliegenden Ereignissen beruht: Die Rosenkriege enden 1485 mit dem Sieg der Lancasters. Henry Tudor, der von den Lancasters abstammt, wird zum König Henry VII. Durch die Heirat mit Elizabeth von York vereint er die Häuser Lancaster und York. Übertragen auf "Game of Thrones" würde somit Daenerys den Eisernen Thron besteigen und das Reich durch Heirat mit einem Stark einen. Dan Jones' Top-Kandidat als Bräutigam ist der mutige Krieger Jon Schnee, in dem das Blut der Familie Stark fließt.

Jon und Daenerys!? Gegen so ein Power-Pärchen sähen selbst die aktuellen Windsor-Lieblinge Prinz William und Herzogin Kate blass aus.

Text: Michael Tokarski

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