Vom Rüpel zum Sonnenschein: Russell Crowe über "The Nice Guys"

Im echten Leben wirklich einer von "The Nice Guys": Russell Crowe (52)
Im echten Leben wirklich einer von "The Nice Guys": Russell Crowe (52)
Foto: © Theo Kingma
Was wir bereits wissen
In seiner neuen Action-Komödie zeigt sich der Australier wieder von seiner rauschaligen Seite. Von der war in unserem exklusiven Interview aber nicht das Geringste zu spüren.

So kennen wir den 52-jährigen Australier: In Shane Blacks 70er-Jahre-Spektakel "The Nice Guys" (Kinostart: 2. Juni) spielt Russell Crowe den bärbeißigen Geldeintreiber Healy, der sich mit dem schmierigen Privatdetektiv March (Ryan Gosling) zusammenrauft, um ein verschwundenes Mädchen zu finden.

Trailer zu "The Nice Guys" (OF) (Kinostart: 2.6.2016)

In "The Nice Guys" ist Russell Crowe also wieder alles andere als nett, im wahren Leben jedoch wird er immer netter. Das hängt wohl damit zusammen, dass er langsam aber sicher seine wilden Jahre hinter sich lässt. Aber der Oscar- und Golden-Globe-gekrönte Schauspieler, der regelmäßig negative Schlagzeilen produziert, weil er gerne auch mal seine schlechte Laune öffentlich oder vor der Presse auslebt, ist da anderer Meinung: "Ich habe mich nicht verändert. Aber meine Prioritäten haben sich verlagert," kontert der 52-jährige Superstar mit einem liebenswerten Lächeln und seinem berühmt-berüchtigten selbstkritischen Humor. "Gestern habe ich noch mit Regisseuren gearbeitet, die alle älter als ich waren. Und jetzt sind sie teilweise bedeutend jünger! Aber dieser Karrierewandel ist zu erwarten, wenn man in 'Man of Steel' auf einmal Supermans Vater spielt. In für mein Alter angemessene Rollen zu schlüpfen, zählt zu einer der Freuden in meinem Beruf. Hoffentlich halte ich noch ein paar Jährchen durch, dann kann ich den Griesgram im Remake von 'Am Goldenen See' spielen!" (Im Original von 1981 wurde der Part von Henry Fonda gespielt.)

Auch wenn er es leugnet – während des Interviews zeigt sich der Australier bester Laune und sorgt sogar mit seinem iPhone für eine "groovy" Atmosphäre: Während des Gesprächs lässt er im Hintergrund Michael Kiwanukas Songs "Love & Hate" und "Black Man in a White World" spielen. Crowe, der selbst in einer Band musiziert (zuerst in 30 Odd Foot of Grunts und später The Ordinary Fear of God) liebt es, einem neuen Künstler unter die Arme zu greifen. Vor vier Jahren hat er Werbung für die Alabama Shakes gemacht. "Ich halte mich musikalisch gerne auf dem Laufenden. Klingt das nicht groovy?"

Russell Crowe im Interview

Ryan Gosling behauptet, dass er am ersten Drehtag ziemlich nervös war. Sind Sie wirklich so einschüchternd?

Ryan und ich haben das Eis vor ungefähr drei Jahren gebrochen. Ich hatte ihn in drei Filmen hintereinander gesehen: "Die Iden des März", "Crazy, Stupid, Love" und "Drive". Und in allen drei war er einfach fantastisch. Also rief ich ihn einfach an, weil ich ihm ein Projekt vorschlagen wollte. Nachdem er sich von dem Schock hatte, dass ich wirklich an der Strippe war, meinte er nur: "Es ist ein Wunder, dass Sie mich erst jetzt anrufen. Seit zehn Jahren kopiere ich Sie." Wenn ein Kerl so charmant ist, muss man ihn einfach mögen! Mit ihm zu arbeiten, war eine wahre Wonne. Wir haben beide den gleichen absurden Humor und er hat mich jeden Tag am Set zum Lachen gebracht. Das bedeutet allerdings nicht, dass er bei der Arbeit dumme Faxen macht. Er ist ein sehr hartnäckiges kleines Insekt, das einem Löcher in den Bauch fragt. Wir hatte sehr interessante Gespräche darüber, wie man eine Toilettentür aufhält und gleichzeitig seinen Penis verdeckt. Oder über die eleganteste Art und Weise, wie man jemanden enthauptet (lacht).

Demnach ist der Film eine waschechte 'Bromance'?

Die Chemie zwischen Ryan und mir ist total natürlich und nicht gekünstelt. Ab und zu sind wir nach den Dreharbeiten zusammen einen trinken gegangen, aber mehr auch nicht. Wir haben zusammen keine wilden Abenteuer erlebt (lacht).

Also keine wilde Party, wie sie im Film zu sehen ist?

An dieser Party haben wir in Atlanta zehn Tage lang gedreht – mitten im Winter. Und die armen Statistinnen mussten im Bikini bei Minustemperaturen rumlaufen. Es war verdammt kalt!

Zum Glück konnten Sie sich mit dem Kampfszenen im Film aufwärmen. Gab es Verletzungen am Set?

Ja, ich erlitt einen Nasenbruch...

Von Ryan?

Nein, das war Keith David, der mit dem Ellbogen unbeabsichtigt meine Nase getroffen hat. Alle haben das Knacken gehört. Ich sah die Angst in den Augen unseres Produzenten Joel Silver und wie er im Kopf rechnete, was dieser Unfall die Produktion kosten würde (lacht). Es war ein Nachtdreh und wir hatten keine Zeit, mich groß zu verarzten. Also habe ich einfach tief durchgeatmet und schnell noch eine Szene gedreht, bevor meine Nase zu sehr anschwoll.

Text und Interview: Anke Hofmann

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