Cate Blanchett: "Es ist fast unmöglich, sich nicht in Robert Redford zu verlieben!"

Cate Blanchett spielt in "Der Moment der Wahrheit" die TV-Journalistin Mary Mapes
Cate Blanchett spielt in "Der Moment der Wahrheit" die TV-Journalistin Mary Mapes
Foto: © Theo Kingma
Was wir bereits wissen
Im auf wahren Begebenheiten basierenden Journalisten-Krimi "Der Moment der Wahrheit" (Kinostart: 2. Juni) lösen Cate Blanchett und Robert Redford einen Medienskandal aus. Im Interview spricht Cate Blanchett über ihre Rolle als TV-Journalistin Mary Mapes.

Mitten im US-Wahlkampf 2004 stößt die TV-Journalistin Mary Mapes (Cate Blanchett, GOLDENE KAMERA 2002) auf brisante Details aus der Militärakte von Präsident George W. Bush. Sie glaubt beweisen zu können, dass Bush sich mithilfe familiärer Beziehungen um einen Einsatz in Vietnam herumdrückte und selbst in Texas zeitweilig gar nicht zum Dienst erschien.

Der renommierte TV-Moderator Dan Rather (Robert Redford) berichtet in der Sendung "60 Minutes" davon. Nach der Sendung zweifeln Netz-Aktivisten die Authentizität der Papiere an. Es werden Stimmen laut, dass es sich bei den Dokumenten um Fälschungen handeln könne und dass sich ihre Echtheit nicht verifizieren lasse. Im Internet beginnt ein Shitstorm.

Trailer "Der Moment der Wahrheit"

In den USA ist dieser Medienskandal als "Rathergate-Affäre" bekannt. Er gilt als erste Politaffäre der USA, in dem seriöser Journalismus unter den Druck des Internets geriet. Die Konsequenzen in der Realität wie im Film: Mary Mapes wird gekündigt, Moderator Dan Rather tritt ab.

Mit viel Überzeugungskraft spielt Cate Blanchett in "Der Moment der Wahrheit" die kritische TV-Journalistin, deren Ruf und Integrität am Ende zerstört sind. Eine packende Geschichte, vor allem vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Glaubwürdigkeitskrise des Journalismus.

Cate Blanchett im Interview

Können wir den Nachrichten noch glauben? Oder ist das Vertrauen gebrochen?

Ich bin mit dem Glauben aufgewachsen, dass alles wahr ist, was man liest. Und dieser Irrtum schlummert auch heute noch etwas in mir. Die Ereignisse in "Der Moment der Wahrheit" spielen sich in 2004 ab - vor der Wiederwahl von Präsident George W. Bush - was nicht allzu lange her erscheint, aber es liegen Welten zwischen damals und heute. Presse und Politik sind gegenwärtig so unsichtbar miteinander verstrickt, die politische Berichterstattung hat sich extrem verändert. Wir haben eine neue Beziehung zu Nachrichten und Informationen entwickelt. Wir twittern über Penisse, und die Kardashians sind unsere Definition eines Skandals (lacht). Die Pressefreiheit ist einer der Voraussetzungen einer gesunden Demokratie, aber wie urteilsfrei sind die Nachrichten, wenn ein Profit von ihnen erwartet wird? Einer der interessanten Fragen, die dieser Film aufwirft, ist die Rolle des Journalisten. Es ist leicht, Mary Mapes als naiv abzustempeln, aber sie befand sich plötzlich zwischen dem Neuland von Blogs und Social Media, der Toxizität der politischen Atmosphäre und der immer kooperativer werdenden Nachrichten. Sie wurde dafür kritisiert, dass sie George W. Bushs Dienst in der Texas Air National Guard in Frage stellte, aber genau das ist die Aufgabe eines Journalisten.

Was war die größte Herausforderung für Sie?

Die Verantwortung, eine Person zu spielen, die gesund und munter ist. Ich habe für diese Rolle Archivmaterial von Marys Interviews nach der Krise studiert, in der sie sich im freien Fall und Trauma befand. Aber dann hatte ich auch das Glück, sie persönlich kennen zu lernen. Mary besuchte mich zusammen mit Regisseur James Vanderbilt und Produzent Brad Fischer, als ich letztes Jahr in New York ein Theaterstück vorführte. Wir gingen alle zusammen aus, und ich habe mich auf Anhieb mit ihr verstanden. Aber es war eine andere Mary, als die, die ich recherchiert hatte. Ihre Leidenschaft und ihr Hass gegen Hypokrisie und Ungerechtigkeit waren unverändert, aber anstatt depressive Züge vorzuweisen war sie voller Lebensfreude und Energie und Humor. Nach diesem Abend sind wir per Skype in Kontakt geblieben. Wenn ich eine Rolle wie Elizabeth I spiele, kann diese mir nicht via Skype sagen, dass ich alles falsch darstelle (lacht). Aber Mary, und auch Dan Rather, haben uns während der Dreharbeiten besucht, und das waren die nervösesten und peinlichsten Momente meiner Karriere.

Wie nervös waren Sie, mit Robert Redford vor der Kamera zu stehen?

Vor meiner ersten Begegnung wusste ich nicht, wie ich ihn ansprechen sollte. Mr. Redford? Oder Robert? Ich kann ihn doch nicht Bob nennen! Aber Bob war so locker und offen und charmant, nach der ersten Sekunde hat man das Gefühl, dass man schon seit drei Monaten befreundet ist. Er ist nicht nur ein toller Schauspieler, sondern auch ein fantastischer Mensch, der sich vor keiner Herausforderung scheut – egal ob sie politisch oder sozial oder kulturell ist. Er kennt keine Angst, was ich total in ihm bewundere. Dan und Marys Beziehung war die einer intellektuellen symbiotischen Ehe mit gegenseitigem Respekt und Loyalität. Meine kreative Umarmung mit Robert Redford in diesem Film spiegelt diese Beziehung wider, mit einer Ausnahme: ich fühle mich auch sexuell zu Bob angezogen (lacht). Es ist fast unmöglich, sich nicht in Robert Redford zu verlieben!

Das ist das zweite Mal, dass Sie eine Journalistin spielen. Hätten Sie Lust auf diesen Job?

Mary Mapes und Veronica Guerin sind beide sehr intelligente Frauen mit unheimlich viel Widerstandskraft und extremer Neugier. Ich bin sehr von Menschen wie diesen beiden Journalistinnen beeindruckt. Wie sie es schaffen, das Vertrauen der befragten Personen zu gewinnen und ihnen die härtesten Fragen stellen können. Ich glaube nicht, dass die Unverfrorenheit dazu hätte. Ich bin einfach zu höflich dafür (lacht). Und zu feige. Veronica Guerin hat für ihren Beruf mit ihrem Leben gezahlt. Und Mary Mapes' Integrität und Ruf wurden zerstört.

Interview: Anke Hofmann

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