Extrem herb: Julia Roberts in "Vor ihren Augen"

Julia Roberts (48)
Julia Roberts (48)
Foto: © Theo Kingma
Was wir bereits wissen
Der Thriller "Vor ihren Augen" (Kinostart: 9. Juni) stürzt Julia Roberts in einen Abgrund – und zeigt sie endlich einmal nicht schön, aber verdammt gut. Wir haben die 48-Jährige zum Interview getroffen.

Anne Hathaway in "Les Misérables" (2012), Charlize Theron in "Monster" (2003) – und jetzt Julia Roberts: Manchmal zeigen sich die schönsten Frauen Hollywoods von einer wohltuend anderen Seite. Herb und gebrochen erleben wir nun die ewige "Pretty Woman" (1990) – was das US-Rachedrama "Vor ihren Augen" nur umso intensiver macht.

Was passiert in "Vor ihren Augen"?

Der FBI-Beamte Ray (Chiwetel Ejiofor) und seine Partnerin Jess (Julia Roberts) sind kleine Lichter bei der Terrorabwehr. Eines Tages wird nahe der Moschee, die sie überwachen, eine junge Frau ermordet. Das Opfer ist Jess' Tochter, der Verdächtige ein wichtiger Informant – und deshalb unantastbar. Auch die neue Staatsanwältin Claire (Nicole Kidman), in die Ray hoffnungslos verliebt ist, kann ihnen nicht helfen. 13 Jahre später glaubt Ray, den Killer von damals aufgespürt zu haben, und will endlich Gerechtigkeit – wenn es sein muss, auch auf "inoffiziellem" Wege ...

Trailer "Vor ihren Augen"

Das argentinische Vorbild "In ihren Augen" (2009) spielt während der Militärdiktatur in den 1970er-Jahren und gewann einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film 2010. Das Remake von Billy Ray, der sich vor allem als Drehbuchautor einen Namen gemacht hat (etwa mit "Captain Phillips", 2013), verlegt das Selbstjustizdrama nach Los Angeles – und ist stimmig bis zum überraschenden Finale.

Ein positiver Schock ist die extrem herbe Julia Roberts: Ihre Rolle war eigentlich für einen Mann gedacht, doch Billy Ray schrieb sie für sie um.

Im Interview spricht Julia Roberts über ihren Look – und was sie am Drehbuch geändert haben wollte.

Julia Roberts im Interview

Im argentinischen Originalfilm "El secreto de sus ojos" und im Drehbuch der amerikanischen Neuverfilmung war Ihre Figur ein Mann. Wie kam der Wechsel zum weiblichen Geschlecht zustande?

Meine Rolle basiert sogar auf zwei Figuren des Originalfilms, die Billy Ray (Regisseur und Drehbuchautor) kombinierte und zu meiner Figur umformte - allerdings als Mann. Dann schickte er mir das Drehbuch mit dem Kommentar: "Wenn du interessiert bist, schreibe ich die Rolle in eine Frau um."

Was hat Sie also an der Rolle gereizt? Wollten Sie schon immer mal eine Kripobeamtin spielen?

Das tolle an meinem Beruf als Schauspielerin ist es, dass ich alle möglichen Jobs ausprobieren kann. Und in jedem von uns steckt doch ein kleiner Detektiv, der die Mitmenschen instinktiv unter die Lupe nimmt. Was aber die Rolle der Jessica Cobb so attraktiv für mich machte ist weniger ihr Job, sondern der Zeitpunkt, wann sich der Film abspielt. "Vor ihren Augen" beginnt kurz nach dem 11. September (2001). Ihr Beruf in einer Großstadt wie Los Angeles ist riskanter und stressiger denn je.

Wie gut waren Sie mit der Waffe?

Dass ich mit einer Waffe hantieren musste, hat mir überhaupt nicht gefallen, aber es gehörte schließlich zu meiner Rolle. Ich habe also versucht, diese Szenen so schnell wie möglich hinter mich zu bringen, damit ich dieses Ding so wenig wie möglich anfassen musste.

Haben Sie den Originalfilm gesehen? Wenn ja, einfach so oder als Vorbereitung für die Neuverfilmung? Und inwieweit unterscheiden sich beide Versionen?

Ja, lange bevor ich das Drehbuch für die Neuverfilmung zugeschickt bekam. Ich hatte einfach Lust auf einen guten Film, und "El secreto de sus ojos" ist in der Tat ein ausgezeichneter Film. Es passt einfach alles zusammen: die Darbietung, die Komposition, das Szenenbild, die Musik. Alles ist feinsinnig und wunderschön. Es ist wie eine leise Oper, die den Zuschauer verzaubert. Unsere Version ist lauter. Billy beschreibt den Unterschied kurz und bündig so: er habe das Konzept des Originalfilms genommen und raute es auf.

Trailer zum Originalfilm "El secreto de sus ojos"

Schauen Sie sich oft ausländische Filme an?

Als Zuschauer mache ich verschiedene Phasen durch. Mal schaue ich total gerne Dokumentationen an, und dann Fernsehserien oder ausländische Filme. Und wenn ich die Nase voll habe, meine Film zu lesen (dank Untertitel), wechsel ich wieder zu etwas anderem (lacht).

In der Neuverfilmung wurde nicht nur der Hauptdarsteller von Mann zu Frau umgeschrieben, sondern auch das Opfer von Geliebter zu Tochter. Warum?

Das war die einzige Änderung, auf die ich bestand. Als ich das Drehbuch las, empfand ich es als ausschlaggebend, dass die Beziehung zwischen meiner Figur und dem Opfer dieses schrecklichen Verbrechens von solch einer Natur sein musste, die jeder Zuschauer nachvollziehen kann, um meine Figur bis zum Ende des Film zu begleiten. Denn jeder ist selbst Kind gewesen, oder hat sogar ein Kind. Als ich das Billy Ray vorschlug, war er sehr von dieser Idee begeistert und baute es in die Handlung ein. Und wir hatten Glück, die perfekte Schauspielerin für die Rolle meiner Tochter zu finden: Zoe Graham. Wir haben nur wenige Szenen zusammen, aber sie sind so ergreifend, dass der Zuschauer nachvollziehen kann, was für einen unermesslichen Verlust meine Figur durchmacht.

Wie haben Sie selbst diesen Schmerz Ihrer Figur spielen können? Haben Sie Ihre eigenen Verlustängste als Mutter als Quelle genutzt?

Zum Glück war es für mich nicht notwendig, meine eigenen Gefühle in die Rolle mit einzubeziehen. Ich verstand auch so, was Jess durchmachte. Was sie motivierte. Was wichtig in ihrem Leben war. Was sie glücklich machte, und welche unbehebbare Folgen dieser katastrophale Verlust auf sie haben würde.

Sie gelten als einer der schönsten Frauen Hollywoods, im Film zeigen Sie sich eher schlicht und ungeschminkt. Warum haben Sie sich für diesen Look entschieden?

Weil er am Besten darstellt, was meine Person durchmacht. Ihr Aussehen, vor allem gegen Ende des Films, ist eine Reflektion ihrer inneren Gefühle. Ob sie gut oder nicht gut aussieht ist unwichtig für mich. Ich frage mich nur, ob ihr Look ehrlich ist. Und wenn Aussehen und Gefühl übereinstimmen, ist schon die halbe Schauspielarbeit für mich geleistet.

Hilft es auch, dass Sie wieder mit Ihrem Mann, Kameramann Daniel Moder, zusammenarbeiten konnten?

Das war unser siebter gemeinsamer Film. Davor haben wir (den Fernsehfilm) "The Normal Heart" zusammen gedreht. Es ist schön, ein bekanntes Gesicht am Set zu haben, vor allem wenn ich gleich am ersten Drehtag eine Szene spielen muss, in der ich weinend zusammenbreche. Mich erfüllt es sehr, wenn ich mit ihm arbeiten kann. Er arbeitet hart und ist sehr gut in seinem Job. Ich schätze ihn sehr, und ich kann zwar nicht für ihn sprechen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass auch er es schätzt, mit mir zusammen zu arbeiten (lacht).

Was motiviert Sie in Ihrer lang bestehenden Karriere? Und habe Sie manchmal Lust auf eine Pause von Hollywood?

Ich pausiere grundsätzlich zwischen meinen Filmprojekten. Wenn ich noch längere Abstände einhalten würde, verschwände ich ganz und gar aus der Filmbranche (lacht). Im Moment sind die kreativen Impulse noch das Drehen von Filmen, aber wer weiß, was die Zukunft bringt. Mir ist es wichtig, dass mein Beruf zu meinem Privatleben passt, und nicht umgekehrt.

Interview: Anke Hofmann

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