Horror ohne Ende: "Conjuring 2"

Was wir bereits wissen
Ab dem 16. Juni sind Vera Farmiga und Patrick Wilson wieder als Geisterjäger-Ehepaar im Einsatz. Wir verraten, warum einem auch im Gruselsequel von "Saw"-Schöpfer James Wan die Haare zu Berge stehen.

Seit sich "Saw"-Erfinder James Wan von seinem Brutalo-Schocker-Franchises emanzipierte, hat sich der in Malaysia geborene Regisseur einen neuen Namen als Gruselfilm-König Hollywoods gemacht. Nach "Dead Silence" (2007) und "Insidious" (2010) war es vor allem der überraschende Kassenschlager "Conjuring - Die Heimsuchung", mit dem Wan 2013 eindrucksvoll bewies, dass nervenzerreißende Spannung auch heutzutage noch mit klassischen Suspense-Stilmitteln und ohne drastisches Blutvergießen erzeugt werden kann. In "Conjuring 2" (Kinostart: 16. Juni) gehen jetzt die fiktionalisierten Geisterjäger-Abenteuer des realen amerikanischen Dämonologen-Ehepaars Ed und Lorraine Warren, die von 1952 bis Ende der 1980er Jahre Spukphänomene erforscht haben und im Sequel erneut von Patrick Wilson und Vera Farmiga verkörpert werden, in die zweite Runde...

Darum geht's in "Conjuring 2"

Gleich zum Auftakt wird deutlich, wie sehr sich James Wan der Tradition des okkulten Horrorfilms der 70er und 80er Jahre verpflichtet fühlt. In der kunstvoll inszenierten Pre-Credit-Sequenz entführt der Kamerablick den Zuschauer ins Innere des ikonischen Amityville-Geisterhauses, in dem die Warrens 1977 eine Séance abhalten und Lorraine in Trance die Mordserie nacherlebt, die in "Amityville 2 - Der Besessene" (1982) verfilmt worden ist. Was sie dabei erlebt, bestärkt Lorraine darin, Ed davon zu überzeugen, sich aus dem Spukgeschäft zu verabschieden. Währenddessen werden im englischen Enfield Peggy Hodgson (Frances O’Connor) und ihre vier Kinder in ihrem baufälligen Reihenhaus von parapsychologischen Phänomenen heimgesucht. Als die jüngste Tochter Janet (großartig: Madison Wolfe) zum Spielball des zunehmend aggressiv in Erscheinung tretenden Poltergeistes wird, sollen die Warrens im Auftrag der katholischen Kirche feststellen, ob es bei Janets Besessenheit mit rechten übersinnlichen Dingen zugeht...

Trailer zu "Conjuring 2" (Kinostart: 16.6.2016)

Bevor James Wan im letzten Filmdrittel mit beachtlichem tricktechnischen Aufwand ein infernalisches Geisterbahnfeuerwerk abbrennt, beschwört er mit quälend langsamen Kamerafahrten, beiläufig am Bildrand oder im Hintergrund auftauchende Anomalien und plötzlichen Geräuscheruptionen eine klassische Gruselfilmatmosphäre herauf, der man sich nicht entziehen kann. Dabei folgt der Plotverlauf zwar weitestgehend dem Vorgänger, indem Wan aber immer wieder überraschend mit der Erwartungshaltung seines genregeschulten Publikums spielt, stellt sich selbst bei einer Überlänge von 134 Minuten zu keinem Zeitpunkt Langweile ein. Im Gegenteil: Da es Wan und seine durch die Bank überzeugenden Schauspieler verstehen, der exzellent inszenierten Gruselmechanik lebensechte Charaktere entgegenzusetzen, die vor exzellent ausgestatteter 70er-Jahre-Kulisse wie Figuren aus Fleisch und Blut wirken, fiebert man bis zum Ende mit. Auch wenn Wan zum Schluss über das Ziel hinausschießt und "Conjuring 2" in ein etwas schmalzig geratenes "Liebe besiegt alles"-Finale gipfeln lässt. Der einzige wirkliche Wermutstropfen ist die sichere Annahme, dass nach der für 2017 angekündigten Fortsetzung "Insidious: Chapter 4" und dem Sequel des "Conjuring"-Ablegers "Annabelle" auch Wans Geisterjäger-Turteltauben in den nächsten Jahren zum Franchise-Spuk verkommen werden. Irgendwann sollte schließlich jeder Horror mal ein Ende haben.

Wer sollte sich "Conjuring 2" anschauen?

Jeder, dessen kaltes Herz für klassische Gruselunterhaltung schlägt und der noch nicht zu viele James-Wan-Geisterfilme gesehen hat.

Warum muss ich "Conjuring 2" sehen?

Weil in Hollywood zurzeit keiner nervenzerreißende Spannung so gekonnt inszeniert wie James Wan.

Für Fans von...

James Wans "Insidious" und "When the Lights Went Out" von Pat Holden

Die GOKA-Bewertung

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