Das Interview zum neuen "Red Hot Chili Peppers"-Album

Seit 1983 als Frontmann der "Red Hot Chili Peppers" im Einsatz: Anthony Kiedis (53)
Seit 1983 als Frontmann der "Red Hot Chili Peppers" im Einsatz: Anthony Kiedis (53)
Foto: © Christopher Polk/Getty Images
Was wir bereits wissen
Am 17. Juni erscheint "The Getaway", das 11. Album der roten Chilischoten. Wir trafen Frontmann Anthony Kiedis in seinem Haus in Malibu zum exklusiven Gespräch über persönliches Glück und Drogensucht im Musikgeschäft.

Seit der Gründung der Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 ist Anthony Kiedis an forderster Front dabei. Zum Release ihres neuen Albums lud der charismatische Rockstar die GOLDENE KAMERA zu sich an die Küste von Malibu ein...

Anthony Kiedis im Interview

Wir sind hier in einem wunderschönen Haus in Malibu, hinter Zuma Beach. Welche Beziehung haben Sie zu diesem tollen Fleckchen Erde?

Ich lebe hier gleich nebenan, seit ich vor knapp 9 Jahren hier hingezogen bin. Davor habe ich mein Leben lang in Hollywood gelebt und Malibu erschien mir wie ein ferner Traum. Ich habe mich in die Natur hier verliebt: die Berge, das Meer, die frische Luft. Was als Wochenendausflugziel zum Strand begann, entwickelte sich zu meinem Zuhause. Und als ich dann Vater wurde, wollte ich, dass mein Sohn (Everly Bear) hier aufwächst.

Was war die Inspiration für Ihr neues Album? Fällt es Ihnen hier leichter, neue Lieder zu schreiben?

Es ist nie leicht! Ein neues Album zu kreieren ist ein großes Projekt, das wir nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir haben drei Jahre lang daran gearbeitet, obwohl das eigentliche Recording im Aufnahmestudio nur drei Monate lang gedauert hat. Die erste Hürde war, dass Flea Klavierspielen lernen wollte. Danach haben wir ganz viele Lieder geschrieben. Als wir dann endlich die Songs aufnehmen wollten, brach Flea seinen Arm beim Snowboarden. Bis er wieder spielen konnte, hatten wir keinen Produzenten mehr. Unser neuer Produzent (Brian Burton alias "Danger Mouse") bestand darauf, dass wir jeden Tag spontan im Aufnahmestudio neue Lieder schrieben, was wir noch nie vorher gemacht haben. Normalerweise proben wir erst und nehmen dann auf. Am Anfang waren wir sehr nervös und frustriert und sogar ein bisschen sauer über diesen neuen Prozess, aber er entpuppte sich als eine sehr offene und kreative Arbeitsweise, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Das Timing für diese Veränderung war perfekt, denn als Band hatten wir das Gefühl, dass wir uns nicht wiederholen, sondern weiter entwickeln wollten.

Sie haben das neue Album "The Getaway" getauft. Wovor fliehen Sie? Und was ist Ihr Ziel?

Der Titel bezieht sich auf das Loslassen von Schmerz und Liebeskummer und Trauer. Und das Ziel ist es, die magische Oase des Lebens zu finden, in der man glücklich sein und sich lebendig und frei fühlen kann, und deren Fundament aus Musik und Freundschaft besteht. "The Getaway" ist mein liebster Song des Albums, und deswegen haben wir das Album auch so genannt.

Haben Sie Ihre persönliche Glücksoase gefunden?

Ich arbeite noch daran (lacht). Das Problem mit dem Glück ist, dass es nur für eine kurze Weile und nicht beständig ist. Aber das ist okay so.

Auf dem Cover sind ein Mädchen, ein Bär, ein Waschbär und ein Rabe zu sehen. Sie haben gesagt, dass Josh Klinghoffer das Mädchen sei, Chad Smith der Bär, Flea der Waschbär und Sie der Rabe. Warum?

Als wir das Albumcover zum ersten Mal zu Gesicht bekamen, hat Flea die Figuren so eingeteilt. Ich habe mich zuerst dagegen gewehrt, als Rabe bezeichnet zu werden. Aber Flea hat Recht – die anderen Figuren passen nicht zu mir. Im Bild ist der Rabe ganz vorne abgebildet und genau das ist mein Job als Sänger in der Band. Außerdem kann der Rabe fliegen und hat Charakter.

Und Raben können Furcht einflößend sein...

Ja, ich habe auch eine Furcht einflößende Seite an mir. Ich habe meine Launen (lacht). Mein Sternzeichen ist Skorpion, ich kann also stechen! Josh ist ein starker Mann, aber er hat auch eine sanfte, fast weibliche Seite an sich, deswegen ist er das Mädchen. Chad ist einfach ein großer, flauschiger Teddybär. Und Flea ist der kleine teuflische aber liebenswerte Waschbär.

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Die Inspiration für den Song "Go Robot" ist Prince. Was hat diese Musik-Ikone für Sie bedeutet?

Ich habe ihn in den 90er Jahren in Paisley Park besucht. Er hat mir Musik vorgespielt, die er vor langer Zeit geschrieben, aber die noch niemand gehört hatte. Ich hatte nicht das Gefühl, dass er damals Drogen nahm. Aber wenn man so erfolgreich und berühmt wie Prince ist, ist es schwer, sich in ein ruhigeres Leben zurückzuziehen. Drogen sind dann oft eine Flucht vom Schmerz – egal ob er körperlich oder emotional ist. Unsere Inspiration für "Go Robot" war allerdings unserer Liebe und Respekt für Prince.

Der Tod von Prince hat das Thema "Rock 'n' Roll und Drogen" wieder in die Schlagzeilen gebracht. Warum nehmen so viele kreative Menschen Drogen? Und sind Sie froh, dass sie nicht mehr abhängig sind?

Jeden Tag! Ich schätze mich so glücklich, dass ich nicht mehr interessiert an Drogen bin oder mich zu ihnen hingezogen fühle. Ich glaube auch nicht, dass kreative Menschen eher zu Drogen neigen als andere. Wir wissen von ihrer Abhängigkeit nur, weil sie berühmt sind – im Gegensatz zu Bankangestellten oder Klempnern oder Gärtnern.

Red Hot Chili Peppers live bei "Rock am Ring" (2016)

Sie haben gerade in Deutschland bei "Rock am Ring" und "Rock im Park" gespielt. Wie ist es gelaufen?

Das war mein 37. Deutschlandbesuch und je öfter ich nach Deutschland gehe, desto mehr mag ich dieses Land! (lacht)

Interview: Anke Hofmann

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