EM-Kommentatoren: Die heimlichen Spielmacher

Seit 25 Jahren dabei: ZDF-Kommentator Béla Réthy
Seit 25 Jahren dabei: ZDF-Kommentator Béla Réthy
Foto: ZDF / Jean-Francois Deroubaix
Was wir bereits wissen
Fußball-Kommentatoren wie Béla Réthy sind die Stimmen der EM. Wie arbeiten sie genau?

Sie haben einen der wichtigsten Jobs während der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich – und doch kennen die meisten TV-Zuschauer nur ihre Stimme: Die Kommentatoren von ARD, ZDF und Sat.1 sind seit dem 10. Juni im Dauereinsatz. 51 Spiele werden übertragen, und das bedeutet für sie: mindestens 4590 Spielminuten höchste Konzentration.

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GOLDENE KAMERA hat hinter die Kulissen geblickt und mit ZDF-Mann Béla Réthy gesprochen. Er verrät hier exklusiv, wie es am Reporterplatz im Stadion zugeht.

Auf der Tribüne sitzen Journalisten aus aller Welt dicht an dicht, maximal 20 Zentimeter bis zum Sitznachbarn. Etwa drei Stunden vor dem Anpfiff sind sie im Stadion, inspizieren ihre Plätze und die Technik. "Wenn ich neben einem Südamerikaner sitze, wird es laut", sagt Béla Réthy. "Die reden nonstop, weil sie auch noch Werbesprüche einflechten müssen. Und sie drehen komplett durch: Jeder halbwegs gefährliche Ball Richtung Tor wird zum großen Ereignis stilisiert, aber das bekomme ich dann weniger mit als die Fernsehzuschauer, die es über mein Mikro hören."

Gearbeitet wird an der frischen Luft. Die Zeit der Kabinen ist seit den 80ern vorbei, damit die Reporter näher am Spielgeschehen sind. Sie haben am Arbeitsplatz einen Bildschirm und eine sogenannte Kommandoeinheit. Mit diesem Techniksystem können sie etwa ihre Kopfhörer regeln und bestimmen, wie viele Stadiongeräusche sie hören. Zudem kommunizieren sie so mit der Regie, der Sendezentrale in Paris oder ihrem Assistenten, der direkt neben ihnen sitzt. Wenn Réthy mit dem Assistenten oder der Regie redet, drückt er eine Stummtaste, damit der Zuschauer nicht zuhören kann.

Wie groß ist das Team, das im Hintergrund Zahlen, Daten und Fakten liefert? "Es sind tatsächlich nur mein Assistent und ich", sagt Béla Rethy. Einen Großteil der Informationen bereitet er noch in Deutschland vor: alles über Spieler, Mannschaften, Taktik und Wichtiges zum Thema Sicherheit während der EM in Frankreich. "Wir streuen es ein, wenn es passt. Der Assistent gibt mir zudem taktische Einschätzungen während des Spiels. Er ist quasi mein drittes und viertes Auge."

Adrenalin in der Stimme

Haben Reporter die Chance, Wiederholungen von Spielszenen zu sehen? "Das ist nur bei den Deutschland-Partien möglich", sagt Béla Réthy. "Da haben wir einen eigenen Übertragungswagen. Der Assistent kann sich die Szene noch mal auf seinen Monitor spielen lassen, ich wäre zu abgelenkt. Ansonsten muss man darauf vertrauen, dass die Kollegen in der Sendezentrale in Paris mir übers Ohr eine Bewertung geben."

Für Béla Réthy ist es das zwölfte Turnier. Er weiß: "Die beste Vorbereitung sieht so aus: Am Spieltag sind alle Recherchen abgeschlossen, und ich beschäftige mich vorher drei Stunden nicht mit Fußball. Dann bin ich frisch, wenn’s losgeht, und versprühe Adrenalin." In der Halbzeit gibt es Bananen, Kaffee, Kekse. Einmal den Kopfhörer runter, dann geht es auch schon weiter.

Und danach? "Bin ich erschöpft. Ein Wissenschaftler hat gemessen, dass 90 Minuten Kommentieren so anstrengend sind wie acht Stunden körperliche Arbeit auf dem Bau. Druckreif sprechen, alles sehen und konzentriert einordnen – das kostet Kraft. Aber macht viel Spaß."

Text: Mirja Halbig

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