Setbesuch beim SAT.1-Eventfilm "Jack the Ripper"

Konzentriertes Arbeiten im Schlamm: Regisseur Sebastian Niemann am Set von "Jack the Ripper".
Konzentriertes Arbeiten im Schlamm: Regisseur Sebastian Niemann am Set von "Jack the Ripper".
Foto: GOLDENE KAMERA / Mike Powelz
Was wir bereits wissen
In den Straßen von Vilnius: GOLDENE KAMERA exklusiv beim Dreh von "Jack the Ripper".

London 1888: Mitten auf der schlammigen Dorset Street im Slumviertel Whitechapel – einer No-Go-Area im East End – hält eine pechschwarze Kutsche. Der Droschke entsteigt eine sexy Blondine. Doch kaum steht die junge Dame – Miss Anna Kosminski aus Hamburg – auf der regennassen Nuttenstraße, werden ihr auch schon eine weiße Nelke und ein anonymer Brief in die Hand gedrückt. Das heimtückische Schreiben enthält eine Todesanzeige, die Annas eigene Ermordung prophezeit und Miss Kosminski auffordert, die Dorset Street genau zu mustern: „Einer der Männer, die Sie gerade sehen, bin ich – Jack the Ripper!“ Schon im nächsten Moment rempelt Anna ein Lumpensammler an – und die Lady flieht aus der Gasse …

„And … cut!“ ruft Regisseur Sebastian Niemann – „perfekt, die Szene ist im Kasten!“ Heute ist der 18. von 27 Drehtagen in Vilnius und GOLDENE KAMERA exklusiv am Set der Produktion des neuen SAT.1-Eventfilms „The Ripper“ (Ausstrahlung um Halloween). Für den Thriller, Produktionsbudget top-secret, haben die Hauptdarsteller – Sonja Gerhardt (27) und Sabin Tambrea (32), beide jüngst berühmt geworden durch den ZDF-Erfolgsdreiteiler „Ku’damm 56“ – die Berliner Film-Flaniermeile verlassen und sich stattdessen in die schmutzigen Gassen Londons begeben. Morde statt Mode also und Ripper statt Rock’n’Roll.

Die Story des Streifens: Seit Wochen hält eine grausame Mordserie London in Atem. Der Täter, der sich „Jack the Ripper“ nennt, verstümmelte fünf Frauen und verhöhnte die Polizei. Die schlimm zugerichtete Leiche der Prostituierten Mary Jane wurde im Bett von Anna Kosminskis (Sonja Gerhardt) Bruder Jakob (Vladimir Burlakov) gefunden. Der sitzt nun in einer Irrenanstalt – gemeinsam mit dem von 1,3 Millionen Fans abonnierten YouTube-Star „Kelly Misses Vlog“, der in der 90-minütigen SAT.1-Produktion eine Psychiatrie-Patientin spielt. (Kellys Video finden Sie hier – ab Minute 4:30)

Die Beweislast gegen Jakob ist erdrückend, doch Anna ist sich sicher: Ihr Bruder kann nicht der gesuchte Mörder sein! Aus diesem Grund taucht Miss Kosminski nach und nach in Jakobs privates Umfeld ein: Wie ihr Bruder findet sie Unterschlupf und Arbeit beim zwielichtigen Polizeifotografen Samuel Harris (Nicholas Farrel) und freundet sich mit dem jungen Fotografen David Cohen (Sabin Tambrea) an. Schnell gerät Anna selbst ins Visier des Rippers …

GOLDENE KAMERA am Set von "Jack the Ripper"

Hauptdarstellerin Gerhard hat der Dreh bereits Albträume beschert: „Die Produktion ist dermaßen gruselig, dass ich nachts schon mal geträumt habe, wie sich eine eiskalte Hand um meine Gurgel legt – und dass es sich dabei um den Ripper handelte! Denn unser Filmteam taucht in eine Ära ein, in der es statt Elektrizität nur das schummerige Gaslicht gegeben hat! Es ist einfach unglaublich, mit wie viel Liebe zum Detail unser Production Designer Pierre Pfund die damalige Zeit wiederaufleben lässt.“

Die "Jack the Ripper"-Schauspieler im Interview

Kartoffeln und Kohlköpfe im Regen

Stimmt! Unter Pfunds Fittiche verwandelte sich ein alter, litauischer Hinterhof mithilfe von zehn Tonnen Schlamm – und zahlreichen Anbauten – in eine englische Straße mit Geschäften wie „Samuel Harris Photographer“ und „T. Hayes Repair Shop“. Stundenlanger Regen – heute hat der litauische Petrus seine Schleusen geöffnet – prasselt auf feilgebotene Kisten mit Kartoffeln und Kohlköpfen und hinter auf das Jahr 1888 getrimmten Verkaufsständen bieten litauische Komparsen, die viktorianische Briten darstellen, gerupfte Hühnchen und blutige Rippchen an – wenn sie nicht gerade whats-appen. Ja, manches in der Nuttengasse wirkt plötzlich zweideutig – und das ist kein Wunder – schließlich geht es bei „Jack the Ripper“ um einen der gruseligsten Serienmörder der Zeitgeschichte!

„Um den harmlosen Hinterhof in die schmutzige Dorset Street zu verwandeln“, so Pfund zu GOLDENE KAMERA, „haben wir erst einmal sämtliche moderne Errungenschaften wie Rohre, Kabel und Lichtschalter verschwinden lassen – genau wie bei jedem anderen der insgesamt 45 litauischen Sets!“ Der „Ripper“-Produzent Simon Happ ergänzt: „Insgesamt drehen wir 116 Szenen – darunter viele an perfekt auf alt getrimmten Außensets mit historischer Backsteinarchitektur. Und obendrein haben wir noch ein ganz besonderes Highlight – den schaurig-schönen ‚Ripper-Room’“!

Im Ripper-Room – dem Leichenschauhaus

Ripper-Room? Pierre Pfund erklärt: „Dieses Zimmer ist eine Art Leichenschauraum. Dort zeigen wir das letzte der fünf Mordopfer des Rippers – Mary Jane Kelly alias Funda Vanroy („TV Total Stock Car Crash Challenge“). Funda bzw. Mary wird dort aufgebahrt! Zeitgleich hat die Londoner Polizei im Ripper-Room eine Menge Tatort-Fotos aufgehängt!“

Denn in dem spannenden SAT.1-Film geht es nicht nur um die Morde des Rippers, sondern obendrein auch um eine Art „Film im Film“ – beziehungsweise um die historische Entwicklung der bewegten Bilder! Happ verrät: „Miss Kosminski, unsere Heldin, wurde von ihrem Vater in die Kunst des Fotografierens eingeführt. Denn damals haben die zeitgenössischen Profiler erstmals Tatorte und Leichen abgelichtet. Das haben wir gekonnt in die Story integriert – und akribisch recherchiert, wie die ersten Kameras, Projektionen und Dunkelkammern funktionierten.“

Moment mal! Fotografie? GOLDENE KAMERA erinnert sich wieder an die Szene mit der anonymen Morddrohung – und dass diese vor der Ladenzeile von „Samuel Harris Photographer“ gedreht wurde. Dabei haben wir auch Sabin Tambrea gesehen, der, so gesteht er uns später, im Film einen mysteriösen Fotografen spielt. Wir kombinieren: In „Ku’damm 56“ hat Tambrea als Fabrikantensohn Joachim Franck Sonja Gerhardt alias Monika Schöllack vergewaltigt. Ob er sich beim „Ripper“noch steigert und Gerhardt diesmal umbringt? Wir fragen den deutsch-rumänischen Schauspieler direkt – und erfahren: „Meine Rolle, der Fotograf Mr. Cohen, führt den Film in die Geschichte des Thrillers ein – denn er experimentiert mit dem Bewegtbild. Doch ob er sonst noch Geheimnisse hat, das darf ich Euch nicht verraten.“

Ein Ripper im Kartoffelsack

Vielleicht kann uns die Kostümbildnerin Janne auf der Suche nach dem Ripper weiterhelfen. Wir erkundigen uns nach Jacks Outfit – und bekommen ein weiteres, wichtiges Indiz. Janne gesteht: „Der Ripper trägt ein gruseliges Kostüm, dass sich zusammensetzt aus einem Kartoffelsack, aus einem bodenlangen steampunkigen Mantel sowie aus modernen Handschuhen und Kutscherstulpen. Außerdem trägt er Stiefel, eine Hose und ein Hemd!“ Eine Gestalt, auf die diese phantombildartige Beschreibung zutrifft, haben wir bislang noch nicht am Set gesehen …

Deshalb wollen wir von Produzent Happ wissen, was seine „Ripper“-Version von allen bisherigen Filmen unterscheidet. Der Filmemacher erklärt: „Jack the Ripper ist eine faszinierende Figur – denn er ist der erste medial wahrgenommene Serienmörder in der Geschichte. Außerdem ist seine Identität bis heute ungeklärt und er wurde nie gefasst. Übrigens hält sich das Drehbuch unseres mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Autoren Holger Karsten Schmidt („Mord in Eberswalde“)eng an diese historischen Fakten – und es berücksichtigt auch, dass der Ripper sogar kannibalistische Triebe gehabt haben könnte. Denn nachdem er seine Opfer ermordet hatte, weidete er sie teils aus – und nicht einmal die Polizei hat später alle Organe gefunden!“

Trotzdem, so Happ, sei seine Ripper-Version kein Horror-Movie – sondern „die Geschichte einer jungen Frau“, die die Unschuld ihres Bruders beweisen wolle. Der Produzent: „Anna ist vermeintlich schwach. Sie muss sich nicht nur gegen eine Gesellschaft wehren, in der die Frauen wenig zählten – sondern es obendrein aufnehmen mit einem durch die Medien bekannt gewordenen Monster. Insofern geht es um einen ungleichen Kampf, aus dem viel Spannung und Thrill resultieren.“

Gut gegen Böse

Auf vermeintlich schwache Frauen, die über sich selbst hinauswachsen und es mit Gott, den Teufeln und der Historie aufnehmen, ist SAT.1 seit Alexandra Neldels „Wanderhuren“-Trilogie und Josefine Preuß’ „Hebammen“-Zweiteiler spezialisiert – mit überaus großem Erfolg.

Auch „Jack the Ripper“, dessen Perspektive an Julia Roberts’ Hollywood-Blockbuster „Mary Reilly“ erinnert – darin brillierte Roberts als Dienstmädchen, das die Geschehnisse im Haus von Dr. Jekyll und Mr. Hyde schlüssellochartig wahrnahm – mixt alle Zutaten eines großen Event-Films: Ein seit „Ku’damm 56“ deutschlandweit bekanntes Schauspielerpaar (das, so pfeifen es in Litauen die Spatzen von den Dächern, angeblich schon bald vor der Kamera steht für die bereits eingetütete Fortsetzung des ZDF-Dreiteilers), einen der gruseligsten Serienmörder der Geschichte, einen historischen Faktencheck, einen Top-Regisseur namens Sebastian Niemann – und Funda Vanroy als wunderschöne Prostituierte Mary Jane Kelly.

Der Tod als schöner Moment

Bevor die 39-Jährige am Ende der Nacht vom 15. auf den 16. Juni zum Dreh ihrer Ermordungsszene eilt, ruft sie uns zu: „Schön werde ich nicht sterben – aber auf spannende Weise! Und der Augenblick vor meinem Tod ist – auch wenn es seltsam klingt – ein wirklich schöner Moment.“

Nach Mary Janes Tod verlassen wir die „Dorset Street“ – und blicken uns noch einmal um. Huschen uns etwa nächtliche Schatten hinterher? Nein, es ist nur ein Kabelträger, der unter seinem Regenschirm nach Hause eilt, um ein paar Stunden Schlaf zu ergattern in dieser regnerischen Nacht – denn morgen geht sie bereits weiter, die Suche nach „Jack the Ripper“ für SAT.1.

Text & Interviews: Mike Powelz

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