Abschied von "Schimanski": Götz George ist tot

Was wir bereits wissen
Gestern Nacht wurde bekannt, dass Götz George im Alter von 77 Jahren gestorben ist. Ein Nachruf auf Deutschlands streitbarsten Volksschauspieler.

Mit einwöchiger Verspätung bricht sich in Deutschland Trauer um Götz George Bahn. Wie gestern am späten Abend von seiner Agentin bekannt gegeben wurde, ist der Ausnahmedarsteller bereits am Sonntag, den 19. Juni nach kurzer Krankheit verstorben. Der 77-Jährige wurde sogar bereits im Kreise seiner Familie beigesetzt.

Georges Wunsch nach einer privaten "Verabschiedung im engsten Kreis" spiegelt die komplizierte Beziehung zwischen Star und Öffentlichkeit wieder. Einerseits war er einer der größten Schauspieler dieses Landes, der in seiner Karriere, die 1953 mit einer Nebenrolle im Straßenfeger "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" begann, alle nennenswerten Filmpreise und 2014 noch das Große Bundesverdienstkreuz verliehen bekam. Zum anderen war er ein streitbarer Perfektionist, der im ewigen Bemühen, sich aus dem übermächtigen Schatten seines legendären Vaters Heinrich George herauszuspielen, seiner eigenen Leistung skeptisch gegenüberstand und auch deswegen auf Kritik von außen höchst allergisch reagieren konnte.

Unbestritten ist jedoch, dass es im Kino und Fernsehen der Nachkriegszeit keiner so gut wie Götz George verstanden hat, physische Körperlichkeit in große Schauspielkunst zu verwandeln. Überdeutlich trat diese Fähigkeit 1981 zutage, als George erstmals in seiner Paraderolle als Duisburger "Tatort"-Kommissar Horst Schimanski zu sehen war. Als prolliger Macho, der sich ohne Rücksicht auf Verluste in die Ermittlungsarbeit stürzt, schuf George eine TV-Ikone, die er letztmalig im Alter von 75 Jahren in der "Schimanski"-Episode "Loverboy" verkörperte. Dass er dafür 2001 in der Leserwahl zum beliebtesten "Tatort"-Kommissar seine zweite GOLDENE KAMERA verliehen bekam, zeigt aber bereits, dass George viel mehr als Schimanski war.

Seine erste GOLDENE KAMERA erhielt George nämlich 1992 für seine TV-Doppelrolle im Mehrteiler "Schulz & Schulz", eine Wiedervereinigungskomödie, die neben den Kinosatiren "Schtonk!" (ebenfalls 1992) und "Rossini" (1997) eindrucksvoll belegte, dass der Kraftmensch auch die sogenannte leichte Muse perfekt beherrschte. Zu herausragender Meisterschaft lief das schauspielerische Multitalent aber immer dann auf, wenn es darum ging, mit schmerzlicher Präsenz menschliche Abgründe auszuloten. Als erschreckend undiabolischer Serienmörder Fritz Haarmann in "Der Totmacher" (1995), als greiser KZ-Arzt Josef Mengele in "Nichts als die Wahrheit" (1999) oder als biederer Staatsanwalt, der ein Doppelleben im Strichermilieu führt, in "Nacht ohne Morgen" (2011) hat sich der Schauspieler Götz George unsterblich gemacht.

In seinem letzten Interview mit der HÖRZU antwortete George auf die Frage nach seinem Verhältnis zu dem Tod: "Ich sehe ihm entspannt entgegen. Zwar kommen allmählich die Einschläge näher, weil die besten Freunde sterben oder gezeichnet sind. Aber ich fürchte den Tod nicht." Das hätte uns bei Schimanski auch gewundert.

Demovideo: Best of Götz George
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