Wer gewinnt die Schlacht ums Weiße Haus?

Trump oder Clinton? Wer hat die besseren Chancen auf den Sieg?
Trump oder Clinton? Wer hat die besseren Chancen auf den Sieg?
Was wir bereits wissen
Exklusiv: Claus Kleber (ZDF) und Ingo Zamperoni (ARD) über den schmutzigen Wahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton – und die Frage, wer nächster US-Präsident wird.

Donald Trump oder Hillary Clinton – wer wird 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika? Der republikanische Unternehmer, der alle Muslime für potenzielle Terroristen hält und ihnen daher die Einreise in die USA verweigern und zugleich Millionen illegaler Einwanderer deportieren lassen will?

Ein schlechtes Omen? Nach einem Fotoshooting wurde Donald Trump von dem Weißkopfseeadler, immerhin Wappenvogel der USA, attackiert

Oder die Demokratin, Ehefrau des 42. US-Präsidenten Bill Clinton, ehemalige Außenministerin und Politprofi, die im Wahlkampf oft hilflos gegen Trumps hemmungslose Attacken wirkt?

Fest steht: Vom 18. bis 21.7. werden die Republikaner ihren Kandidaten nominieren, wenn auch widerwillig. Eine Woche später folgen die Demokraten. Wer hat die besseren Chancen auf den Sieg am 8. November? GOLDENE KAMERA bat zwei renommierte TV-Journalisten um ihre Einschätzung: Ingo Zamperoni (42), Autor von "Fremdes Land Amerika" (erscheint am 9. September bei Ullstein), derzeit US-Korrespondent der ARD und künftiger Anchorman der "Tagesthemen", und Claus Kleber (60), Erster Moderator des "heute-journals" (ZDF), der 15 Jahre aus Washington berichtete.

Warum ist die US-Wahl so spannend?

CLAUS KLEBER: Ich verfolge US-Wahlen jetzt seit 30 Jahren professionell, doch derart gespalten habe ich das Land und so frustriert die Wählerschaft noch nie erlebt. Bis zum Ende ist alles möglich – auch eine Schlammschlacht, von der sich die Wähler angewidert abwenden. Dann wird das Schicksal der USA zu einem Spielball des Zufalls. Gut möglich, dass eine Seite – Trump oder Clinton – Wind unter die Flügel bekommt und zum Sieg segelt.

INGO ZAMPERONI: Es ist der unvorhersagbarste Wahlkampf seit Jahrzehnten geworden. Auf beiden Seiten des politischen Spektrums sind so viele Konventionen, Erwartungen und "alte Regeln", nach denen es normalerweise immer lief, über den Haufen geworfen worden, dass es schwer fällt, belastbare Prognosen zu machen. Politische Beobachter, Journalisten, Umfrage-Institute und auch die Parteien selbst hatten offenbar die Stimmung unter den Wählern und die Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen, falsch eingeschätzt.

Inwiefern ist der US-Wahlkampf der überraschendste in der Geschichte der Vereinigten Staaten?

ZAMPERONI: So gut wie niemand hätte gedacht, dass sich mit Donald Trump bei den Republikanern ein schriller Reality-TV-Star und Bau-Unternehmer durchsetzen würde. Vor allem nicht mit diesem aggressiven, diskriminierenden, polemischen Ton. Aber er hat von Anfang an die Umfragen angeführt und sich letztlich auch klar durchgesetzt in seiner Partei. Ein Start-Ziel-Sieg sozusagen, ohne jemals irgendein politisches Amt inne gehabt zu haben.

Auf der anderen Seite war ebenso überraschend, wie Hillary Clinton ihren hartnäckigen Widersacher Bernie Sanders monatelang nicht abschütteln konnte. Und, dass der 74jährige gerade Amerikas junge Wähler begeistert, dadurch die Partei – und auch Clinton – programmatisch nach links zieht. Dass ein selbsternannter "Sozialist" in den USA nicht vom Hof gejagt wird, sondern vielmehr hofiert wird von Amerikas Progressiven, sagt viel aus über die gesellschaftlichen Verschiebungen im Land.

Werden US-Wahlen immer verrückter?

ZAMPERONI: US-Wahlkämpfe sind immer viel mehr laute Show und Zirkus als bei uns und kommen uns daher verrückt vor. Aber klappern gehört nun mal zum Geschäft, vor allem bei den Vorwahlen. Da wird später vieles nicht so heiß gegessen, wie es von den Wahlkämpfern hochgekocht wird. Was die Situation verschärft, sind die unerbittlichen Fronten im polarisierten Politikbetrieb des Landes. Und die Tatsache, dass der Oberste Gerichtshof der USA 2010 unbegrenzte Wahlkampfspenden durch Individuen, aber auch durch Firmen und Interessenverbände erlaubt hat. Der diesjährige Wahlkampf wird sicher der teuerste aller Zeiten.

Sein Vermögen, die Rhetorik, Protestwähler – womit punktet Trump?

KLEBER: Es gibt einen Charakterzug der amerikanischen Wähler, der immer mal wieder durchbricht: die Sehnsucht nach einem Kandidaten, der mal so richtig draufhaut. Und sich den Teufel um Konventionen schert. Dann gefällt sogar den Frustrierten im Land ein Milliardär. Weil der auf niemanden Rücksicht nehmen muss.

ZAMPERONI: Trump hilft eine Mischung aus allem. Sein Vermögen verleiht ihm den Nimbus der Unbestechlichkeit. Er gilt für seine Anhänger als einer, der sich nicht von Interessenverbänden kaufen lässt. Gleichzeitig zapft er Wut und Hass der Protestwähler gekonnt an. Und er schürt diese Emotionen auch. Er kanalisiert Ängste und Enttäuschungen mit seinen einfachen, aber eingängigen Parolen – und sagt Dinge, die jeden anderen Bewerber längst die Kandidatur gekostet hätten. Aber seine Anhänger lieben ihn dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, egal wie kontrovers das ist – so sehr haben sie die Nase voll von Obama! Hillary Clinton sehen sie nur als dessen Fortsetzung. Trumps Erfolg wäre vor vier Jahren wohl nicht möglich gewesen, aber jetzt ist er zum richtigen Zeitpunkt der perfekte Sturm, der die US-Politik durcheinanderwirbelt.

Würden Sie auf Trumps Sieg wetten?

ZAMPERONI: Nachdem schon ein Kollege von der "Washington Post" seine Zeitungskolumne essen musste, weil er das vergangenes Jahr angekündigt hatte für den Fall, dass Trump tatsächlich Kandidat der Republikaner werden würde, wage ich bei diesem Wahlkampf keine Wetten. Die Chancen stehen eigentlich besser für Hillary Clinton, aber einen Präsidenten Trump würde ich derzeit nicht ausschließen. Viel hängt davon ab, was im kommenden heißen Wahlkampf-Herbst noch passiert. Es ist ja noch Zeit bis November.

Warum wird der US-Wahlkampf immer schmutziger?

KLEBER: Weil die Sachfragen zu kompliziert sind, um damit zu punkten. Und weil Trump nicht einmal versucht hat, ein Konzept für das Land zu entwickeln. Irgendwann wird auch der letzte Wähler merken, dass er hauptsächlich heiße Luft produziert. Da bietet es sich an, auf Hillary Clintons schwachen Punkt zu zielen: ihre Glaubwürdigkeit. Ich bin sicher: Es sind gerade ganze Stäbe damit beschäftigt, noch einmal durch die bekannte schmutzige Wäsche der Clintons zu gehen. Irgendetwas Neues findet sich immer.

ZAMPERONI: Trump scheint keine Tabus zu kennen, wenn es darum geht zu gewinnen. Er bedient sich dabei auch eines rhetorischen Tricks: Oft stellt er Vorwürfe und Attacken in den Raum mit dem Hinweis "Viele Leute sagen, dass ..." oder "Es gibt viele, die meinen, dass ...". Wenn’s stimmt, dann hat er das belastende "Material" für alle sichtbar gemacht. Wenn es sich als falsch herausstellt, dann kann er sich einfach davon distanzieren. So oder so, die Beweislast liegt erst einmal beim Gegner.

Was sind die Stärken der Kandidaten, was ihre Schwächen?

ZAMPERONI: Trumps Trumpf ist, dass es seinen Anhängern egal zu sein scheint, welche Böcke er schießt. Und dass die Abneigung gegenüber Hillary Clinton bei den Republikanern ebenso verbreitet ist wie die der Demokraten gegenüber Trump. Zudem nutzt er die Medien sehr geschickt und ist sehr pragmatisch. Trump passt sich schnell den Umständen an und hat ein gutes Gespür für das, was die Wähler hören wollen. Gegen ihn spricht seine Unbeliebtheit bei Minderheiten, die immer wichtiger werden, besonders die Hispanics. Außerdem gibt es auch unter Republikanern Bedenken, ob er geeignet ist, US-Präsident zu werden. Eine gewisse Inhaltsleere und Konzeptschwäche konnte er im Vorwahlkampf kaschieren, im Hauptwahlkampf dürften die Zweifel schwerer zu zerstreuen sein. Aber auch das wäre seinen Fans wohl egal.

Hillary Clintons Stärke ist ihre Erfahrung, sie ist auf dem Papier die geeignetere Kandidatin für das Amt. Und Donald Trump schadet sich mit seinen polemischen Äußerungen oft genug selbst. Historisch ist es aber schwer für eine Partei, nach einer vollen Amtszeit das Weiße Haus zum dritten Mal in Folge zu gewinnen. Und: Hillary Clinton steht nicht gerade für Aufbruch und Erneuerung. Hinzu kommt, dass sie ebenso polarisiert wie Trump, ihre Glaubwürdigkeit oft in Frage gestellt wird, wenn sie Kontroversen wie die um ihren privaten E-Mail-Server nicht offensiv aufklärt. Wer weiß, fragen sich manche Zweifler, was im Laufe der nächsten Monate da noch zum Vorschein kommt.

Text: Mike Powelz

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