Franka Potente: "Wir Menschen sind sehr viel blöder als wir wahrhaben wollen."

Franka Potente (41) geht mit der US-Serie "Dark Matter" unter die Sci-Fi-Heldinnen
Franka Potente (41) geht mit der US-Serie "Dark Matter" unter die Sci-Fi-Heldinnen
Foto: © Theo Kingma
Was wir bereits wissen
Seit 15 Jahren ist sie unsere Frau in Hollywood. Zum Start der 2. Staffel von "Dark Matter" verrät uns die 41-Jährige unter anderem, was ihr Sci-Fi-Debüt mit dem US-Wahlkampf zu tun hat.

Mit Franka Potente zu quatschen ist immer toll! Sie ist locker. Sie ist direkt. Sie duzt einen sofort. Und wenn sie ihren Berliner-Göre-Dialekt mit englischem Jargon vermischt, hört man ihr die 15 Jahre an, die sie mit Unterbrechungen in Amerika wohnt. Rechtzeitig zum Gespräch in ihrer Wahlheimat Los Angeles hat sich die 41-Jährige von einer Magen-Darm-Grippe erholt, die sie ihrer Tochter zu verdanken hatte, und spricht mit der GOLDENEN KAMERA nicht nur über ihren Auftritt in der zweiten Staffel der Sci-Fi-Serie "Dark Matter" (ab 11. Juli um 21 Uhr auf SyFy), in der sie als Kommissarin der 'Galactic Authority Serious Crimes Devision' beweisen soll, dass die unter Amnesie leidende Raumschiffcrew aus Staffel 1 in die Zerstörung des Planeten Iriden 3 verstrickt ist. Franka Potente verrät uns auch, was sie vom derzeitigen Kampf ums Weiße Haus hält, und wie ihr nächster berufliche Wunschtraum aussieht: Nämlich zehn Jahre nach ihrem Kurzfilmdebüt "Der die Tollkirsche ausgräbt" wieder im Regiestuhl Platz zu nehmen...

2. Originaltrailer zu "Dark Matter" Staffel 2 (Pay-TV-Start: 11.7.2016)

Kanntest du "Dark Matter" schon, bevor Du die Rolle von Commander Shaddick bekommen hast?

Als ich das Angebot gekriegt habe, war – glaube ich – die Serie noch gar nicht komplett gesendet worden. Ich kannte sie jedenfalls nicht, aber du weißt ja, wie es ist. Es gibt über 400 Serien, die on Air sind. Und ich schaue nur relativ wenig Fernsehen. Es gibt vielleicht zwei, drei Serien, die ich regelmäßig gucke. Ich habe mich dann natürlich schlau gemacht und mir binge-mäßig die ganze erste Staffel angesehen, denn alles, was ich in meinen beiden Episoden der zweiten Season zu sagen habe, hat natürlich mit Vorfällen aus der ersten Staffel zu tun. Und dann musste ich mich ja auch erst mit diesem intergalaktischen Jargon vertraut machen – sonst hätte ich gar keine Ahnung gehabt, wovon ich überhaupt spreche (lacht). Und das bedeutete für mich intensive Vorarbeit während der Weihnachtsferien. Ich war letztes Jahr über Weihnachten bei den Schwiegereltern und habe neben dem Weihnachtsbaum gesessen und intergalaktische Sätze rezitiert (lacht).

Bist du ein Sci-Fi-Fan?

Mit Kindern hat man einfach nur limitiert Zeit, sich für spezielle Dinge zu interessieren. Das klingt immer nach einer billigen Entschuldigung, ist aber die Wahrheit! Aber auch so war Science Fiction nie das erste, wonach ich geguckt habe. Aber wenn es gut gemacht ist... Die Prämisse von "Dark Matter" ist schon wahnsinnig interessant. Sechs Leute wachen auf und haben überhaupt keinen Plan davon, wer sie sind. Sie versuchen, miteinander heraus zu finden, was sie gemacht haben und ob sie sich gegenseitig wohl gesonnen sind oder nicht. Das ist wie ein soziales Experiment, das man eigentlich in allen möglichen Settings erzählen kann.

Was sagt diese Serie über Identität und unsere dunkle Seiten aus?

Gosh, so im übertragenen Sinne, ja? (lacht) Also, wir haben Charaktere, die in einer Amnesie-Situation erst langsam herausfinden, wer sie sind, dann aber nur bedingt die Verantwortung für ihre schlimme Taten übernehmen, die sie begangen haben. Was sagt das über uns aus?

Dass wir im Kern die gleiche Person bleiben, auch wenn man unsere Erinnerungen löscht? Machen wir die gleichen Fehler immer wieder?

Tja, man hofft ja immer, dass man dazulernt, nicht? (räuspert sich) Also, man will ja eigentlich gar nicht darüber sprechen, aber wenn man sich hier diesen bescheuerten Wahlkampf und diesen bescheuerten Donald Trump anguckt, da denkt man sich doch: "Leute! Es gab bereits zwei Bushs und im letzten Wahlkampf diese Sarah Palin. Es kann doch nicht wahr sein, dass sich jetzt schon wieder so 'ne Gurke Gehör verschafft. Wenn man sich das aktuell ansieht, da muss man doch annehmen, dass kein Mensch aus Fehlern lernt. Natürlich ist die Angelegenheit viel komplexer. Ich glaube aber, dass wir Menschen auf einer bestimmten Ebene sehr viel blöder sind als wir wahrhaben wollen. Leider. Ich merke selbst, dass man schon auf ganz kleiner banaler Ebene oft dieselben Fehler wieder macht und man sich sagt: "Das kann ja wohl nicht wahr sein! Das hätte ich eigentlich besser wissen müssen." Wahrscheinlich sind die ganzen iPhones und Tablets daran Schuld, dass unsere Gehirnmasse vernebelt wird (lacht).

Du hast 2012 in "Copper" und 2014 "The Bridge – America" mitgespielt. Was hast du in diesen US-Serien gelernt, das Du am "Dark Matter"-Set nutzen konntest?

Ich persönlich mag in den USA das Tempo – vor allem beim Seriendrehen. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch. Ich kann unheimlich schlecht damit umgehen, wenn ich lange warten muss und nicht weiß, wann's weiter geht. Vor allem seit ich Kinder habe, stehe ich dann immer rum und denke: "Es kann doch nicht wahr sein, dass ich jetzt 45 Minuten nichts zu tun habe. Gib mir doch mal einer was zu tun!" Ich finde es toll, wenn es Zack auf Zack geht. Ich mag diesen energetischen Flow, der in allen TV-Serien, die ich bisher gedreht habe, überall gleich war. Bei meiner nächsten Serie "Taboo" war das vom Tempo her ein bisschen anders. Das lag wahrscheinlich daran, dass Tom Hardy nicht nur die Hauptrolle gespielt, sondern die Serie auch produziert und mitgeschrieben hat. Dadurch hatte er natürlich immer sehr viel zu tun.

Was kannst Du uns über "Taboo" verraten?

Ich spiele lustigerweise eine ähnliche Rolle wie in "Copper". Ich bin wieder eine German Madame. Dieses Mal heiße ich aber Helga statt Eva. Meine Tochter in der Serie hat eine sehr spezielle Verbindung zu Tom Hardy, aber ich mag seine Figur nicht besonders leiden (lacht). "Taboo" kommt aber erst 2017 raus, also dieses Jahr nicht mehr.

Originaltrailer zur Serie "Taboo" (Start: 2017)

Worauf können wir uns sonst noch von Franka Potente freuen?

Ich habe übers letzte Jahr ein Drehbuch geschrieben, das gerade fertig geworden ist, und möchte mich eigentlich doch noch einmal als Regisseurin versuchen. Ich bin im Moment in der Preproduction-Phase, wo man mal guckt, wie man das Financing hinkriegen kann. Ich fange gerade mit Meetings und so an. Das kann natürlich immer eine Weile dauern, aber ich sehe mal zu, dass ich hoffentlich nächstes Jahr etwas drehen kann. Das wäre mein Traum.

Worum geht es in Deinem Drehbuch?

Worum es geht, kann ich noch nicht sagen – ist noch ein bisschen früh.

Ist Tom Tykwer, mit dem Du 1998 den unvergesslichen Thriller "Lola rennt" gedreht hast, Dein Regie-Vorbild?

Tom ist ein fantastischer Regisseur und ich glaube, dass ich sehr viel von ihm gelernt habe damals. Tom wäre auf jeden Fall ein Vorbild. Nicht unbedingt visuell... also vielleicht auch, aber vor allem in der Art, wie er am Set mit den Leuten umgegangen ist. Ich fand, dass er toll zugehört hat. Tom ist auch jemand, der – was ich bei keinem anderen Regisseur erlebt habe – vor allem loben kann. Nicht nur die Schauspieler, sondern auch die anderen Crewmitglieder. Und das fand ich überraschend ganz, ganz wichtig. Das macht ein gutes Klima am Set. Es war auch immer ehrlich gemeint. Und er war immer wahnsinnig enthusiastisch, was alle Leute angesteckt hat. Das ist es vor allem, was ich von den zwei Filmen, die wir miteinander gemacht haben, mitnehme.

Darf Dich die GOLDENE KAMERA dann bei der Verfilmung Deines Drehbuchs besuchen kommen?

(lacht) Das darfst Du auf jeden Fall, aber bis dahin ist es leider noch ein langer Weg.

Text + Interview: Anke Hofmann

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