John Turturro: "Der Dreh von 'The Night Of' fühlte sich unheimlich an."

John Turturro spielt in "The Night Of" den ehrgeizigen Verteidiger Jack Stone, der in die Mühlen der amerikanischen Justiz geraät.
John Turturro spielt in "The Night Of" den ehrgeizigen Verteidiger Jack Stone, der in die Mühlen der amerikanischen Justiz geraät.
Foto: © Theo Kingma
Was wir bereits wissen
Wie es sich für einen wahren (gebürtigen) New Yorker gehört, kam John Turturro zu Fuß zum Interview. Mit College-Tasche über der Schulter und ohne MakeUp ...

So authentisch und unverfälscht ist auch seine neue Miniserie "The Night Of", die mittels eines mysteriösen Mordes das amerikanische Polizei-, Gefängnis- und Justizsystem kritisch unter die Lupe nimmt.

Origina-Trailer zu "The Night Of"

Eigentlich war die Rolle von Verteidiger Jack Stone für jemand anderes vorgesehen: für den am 19. Juni 2013 plötzlich verstorbenen James Gandolfini. Der durch "The Sopranos" berühmt gewordene Schauspieler drehte und produzierte den Piloten Ende 2012, basierend auf den Drehbüchern von Richard Price und Steven Zaillian. Die restlichen 7 Folge der 8-teiligen Miniserie wurden dann nach seinem Tod vollendet – mit John Turturro in den Fußstapfen seines Freundes.

Interview mit John Turturro

Inwieweit war James Gandolfini beim Dreh präsent?

James war ein sehr enger Freund von mir. Er war der Star meines Filmes "Romance & Cigarettes". Ich kannte ihn seit Anfang der 90er Jahre – bevor er mit "The Sopranos" berühmt wurde. Ich war Gast bei seiner Hochzeit. Wir sind uns gegenseitig bei den Beerdigungen unserer Eltern zur Seite gestanden. Wir kannten uns also sehr gut. Als man mir diese Rolle nach seinem Tod anbot, habe ich zuerst Nein gesagt. Dann gaben sie mir das Drehbuch, und es war fantastisch. Sie zeigten mir den Pilotfilm – damals noch im Rohzustand – und James erschien erst ganz am Ende der ersten Folge, in einer klitzekleinen Szene. Der Zuschauer bekommt mich als Jack Stone im neuen Piloten ungefähr 15 Minuten zu sehen. Aber weil James nur eine so kurze Szene hatte, die leicht herausgeschnitten werden konnte, habe ich dann doch zugesagt. Natürlich fühlte es sich trotzdem während des Drehs etwas unheimlich an, aber James war für mich wie der geheime Hase in der Manteltasche eines Magiers. Er war immer in meinen Gedanken, aber versteckt. Der andere Grund, warum ich zugesagt habe, war, dass ich freie Hand als Jack Stone hatte und ihm meine eigene Interpretation geben konnte. Denn als James die Serie drehte, waren die Drehbücher für alle acht Folgen noch nicht fertig. Er wusste also noch nicht, wie seine Figur sich weiter entwickeln würde.

Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Zum Glück hatte ich viel Zeit für meine Recherche. Ich habe mich mit vielen Anwälten getroffen. Richie Roberts war unser Berater für die Show. Und ich habe mit Kenny Montgomery gesprochen, einem Star-Anwalt in Brooklyn. Das war sehr hilfreich.

Wie würden Sie Ihre Figur, Jack Stone, beschreiben?

Stone ist sehr schlau und er kann gut Menschen durchschauen. Aber er leidet unter all diesen Krankheiten, hat Probleme mit seiner Familie, es fehlt ihm an Geld. Er hat das Talent als fantastischer Strafverteidiger, aber er traut sich das nicht zu, denn er möchte nicht das Leben eines Angeklagten in seiner Hand tragen. Ich kann das vollkommen verstehen. Ich kenne viele sehr talentierte Schauspieler, die lieber nicht so bekannt werden wollen, weil sie dem ständigen Up und Down im Showbusiness nicht gewachsen sind.

Was war Ihre schlimmste Nacht im Leben?

Den Tod eines geliebten Menschen zu erleben. Zum Glück habe ich noch nie eine so schlimme Nacht erleben müssen, wie der junge Mann, um den es sich in unserer Serie dreht (lacht).

Sky On Demand, Sky Go und Sky Online zeigen "The Night Of" ab 10. Juli parallel zur US-Ausstrahlung jeweils in der Nacht von Sonntag auf Montag in der Originalfassung und wahlweise mit englischen Untertiteln. Ab 29. September zeigt Sky Atlantic HD die Serie wahlweise auch auf Deutsch.

Text: Anke Hofmann

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