So cool wird "Rogue One: A Star Wars Story"

Was wir bereits wissen
Die Macht ist erwacht: Mit "Rogue One" startet die "Krieg der Sterne"-Saga in ein völlig neues Kapitel. Wir verraten alle Details.

So sieht eine Machtdemonstration aus: Mit einem weltweiten Einspielergebnis von über zwei Milliarden Dollar hat "Star Wars: Das Erwachen der Macht" Ende vorigen Jahres dafür gesorgt, dass der "Krieg der Sterne" wieder in aller Munde ist. Die vom Reboot-Experten J. J. Abrams ("Star Trek") inszenierte "Episode VII" versöhnte alle Fans, die "Star Wars"-Urvater George Lucas mit seiner mediokren Prequel-Trilogie vergrault hatte, und verwandelte die Androhung des neuen Mutterkonzerns Disney, jedes Jahr ein neues "Star Wars"-Abenteuer ins Kino zu bringen, in gespannte Begeisterung.

Trailer "Rogue One: A Star Wars Story"

Die Vorfreude ist mehr als berechtigt, denn "Rogue One: A Star Wars Story" (Kinostart: 15. Dezember) ist etwas ganz Besonderes. Während "Das Erwachen der Macht" die Skywalker-Saga der Originaltrilogie chronologisch fortsetzt, spielt "Rogue One" 34 Jahre vorher, kurz vor den dramatischen Ereignissen im "Star Wars"-Urknall "Krieg der Sterne" (1977). Damals war im Textvorspann zu lesen, dass es einer Rebellengruppe von Spionen gelungen war, Baupläne des Todessterns zu stehlen. Wie es der übermächtigen Geheimwaffe des Imperiums am Ende des Films ergangen ist, wissen wir.

Wem die Zerstörung des Todessterns letztendlich zu verdanken ist, wissen wir nicht – bis jetzt. Bei den todesmutigen Spionen handelt es sich allerdings nicht um edle Jedi-Ritter, die ihren Auftrag mit Superkräften und Lichtschwert bewältigen. Auf dieses Himmelfahrtskommando schickt der Widerstand gegen das seit der Machtergreifung in "Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith" (2005) dominierende Imperium lieber einen zusammengewürfelten Haufen von Outlaws und in Ungnade gefallene Soldaten. Eine Richtungsentscheidung, zu der die Produzentin und Lucasfilm-Chefin Kathleen Kennedy zu Protokoll gibt: "Wir haben uns an den klassischen Weltkriegsfilmen orientiert."

Wie in "Das Erwachen der Macht" steht auch in der Sci-Fi-Variante von "Das dreckige Dutzend" eine Frau im Zentrum. Die "Rogue One"-Anführerin Jyn Erso wird von Felicity Jones verkörpert, die sich 2014 mit dem Drama "Die Entdeckung der Unendlichkeit" eine Oscarnominierung erspielt hat und bereits im ersten Trailer des neuen "Star Wars"-Films erkennen lässt, dass ihre Rolle physisch und verbal schlagfertig ist: "Das hier ist doch eine Rebellion. Ich rebelliere!"

Zur aufmüpfigen Glücksjägerin gesellen sich neben dem als Antithese zum goldenen Plappermaul C-3PO beschriebenen Kampfroboter K-2SO und dem Freiheitskämpfer-Urgestein Saw Gerrera (Forest Whitaker) noch vier weitere Haudegen. Und die sind wohl auch in Reaktion auf den Vorwurf gecastet worden, dass im bisherigen "Star Wars"-Universum südamerikanische, asiatische oder arabische Ethnien keine Rolle gespielt haben. Auch diese Entscheidung spiegelt das Maß an lebenswirklicher Authentizität wider, das im Hause Lucasfilm als Maxime für die neuen Stand-alone-Filme der mit "Rogue One" beginnenden "Star Wars Anthology" ausgerufen worden ist.

Dafür haben sie sich zum Auftakt den idealen Regisseur ausgesucht. Mit seinem Indie-Meisterwerk "Monsters" (2010) und dem düsteren Katastrophenfilm-Remake von "Godzilla" (2014) hat sich Gareth Edwards als Experte für die realistische Darstellung eigentlich unrealistischer Sci-Fi-Szenarien etabliert. Für seinen "Star Wars"-Einstand hat der 40-jährige Brite eine Abkehr vom klassischen Gut-gegen-Böse-Schema angekündigt und verspricht: "Wir versuchen, mit diesem Film gegen den Strom zu schwimmen. Wir befinden uns zur gleichen Zeit im gleichen Universum, doch wir erleben etwas, das wir so noch nicht gesehen haben."

Das gilt auch für die dunkle Seite der Macht, die in "Rogue One" nicht von einem übermenschlichen Sith-Lord, sondern von einem skrupellosen Bürokraten verkörpert wird. Um im Imperium Karriere zu machen, hetzt Direktor Krennic (Ben Mendelsohn) den Rebellen seine Death Trooper auf den Hals und versucht, durch Palastintrigen die Gunst des Imperators für sich zu gewinnen.

Leider hat der eiskalte Stratege dabei die Rechnung ohne eine Kultfigur gemacht, die zur Freude der Fans in "Rogue One" ihr Comeback feiern wird und auch einen anderen Filmtitel vorstellbar gemacht hätte: "Star Wars: Er ist wieder da". "Er" ist kein Geringerer als Darth Vader, der im Original wie in der Ursprungstrilogie vom mittlerweile 85-jährigen James Earl Jones gesprochen wird und als drohender Schatten des Imperators nicht nur Jyn und ihrer Rebellentruppe, sondern auch Direktor Krennic das Leben schwer machen wird.

Die Vorzeichen für "Rogue One: A Star Wars Story" stünden also optimal, hätte nicht Ende Mai ein böses Gerücht die Runde gemacht und die Befürchtung geschürt, dass der neue Film doch unter keinem so guten Stern steht. Angeblich war die erste Schnittfassung bei Testscreenings durchgefallen und auch bei Disney auf wenig Gegenliebe gestoßen. Weil der Ton des Films zu düster sei und atmosphärisch aus dem "Star Wars"-Rahmen fallen würde, so hieß es, müssten jetzt unter Hochdruck 40 Prozent des Films nachgedreht werden!

Dass Disney bei diesem Prestigeprojekt, das bewusst einen anderen Ton anzuschlagen versucht, Vorsicht walten lässt, machte die Hiobsbotschaft zunächst plausibel. An dessen Blockbuster-Erfolg hängt schließlich auch das Schicksal der bereits für 2018 angekündigten "Star Wars Story" über den jungen Han Solo. Doch so plötzlich die Aufregung da war, so schnell kam aus Insiderkreisen die Entwarnung: Die Nachdrehs waren bereits vor dem offiziellen Drehstart eingeplant, um Charakterzeichnungen und Story-Elemente optimieren zu können.

"Das Filmemachen ist ein organischer Prozess. Es gibt kein Richtig oder Falsch, sondern nur besser oder am besten. Und wir tun alles dafür, dass am Ende der bestmögliche Film herauskommt." Regisseur Edwards erweist sich auch hinter der Kamera als Realist. Möge die Macht mit ihm sein!

NEU: Das Behind-the-Scenes-"Celebration Reel" zu "Rogue One" (OF)

Text: Alexander Attimonelli

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