"Scotty" flucht auf schottisch - Simon Pegg im Interview

Simon Pegg und Sofia Boutella in "Star Trek: Beyond".
Simon Pegg und Sofia Boutella in "Star Trek: Beyond".
Foto: Paramount Pictures
Was wir bereits wissen
Doppelbelastung à la Hollywood: In „Star Trek Beyond“ ist der britische Tausendsassa Simon Pegg nicht nur als Chef-Schrauber Montgomery „Scotty“ Scott, sondern auch als Drehbuchautor an Bord. Mit GOLDENE KAMERA sprach er exklusiv über fluchende Schotten, interkontinentale Nachtschichten und Drehbuch-Schreiben unter Alkoholeinfluss.

Bereits um „Star Trek Into Darkness“ (2013) gab es seinerzeit viel Geheimniskrämerei. Auch bei „Star Trek Beyond“ fühlten sich viele Fans auf die Folter gespannt. Warum der Maulkorb, Mr. Pegg?

Um „Star Trek“-Freunde auf Fan-Events wie „First Contact“ in San Diego wirklich überraschen zu können. Bei einem Projekt dieser Größenordnung will zudem niemand etwas Halbgares präsentieren, unvollendete Special Effects beispielsweise. Vor allem J. J. Abrams (Produzent und zudem Regisseur der beiden Vorgänger „Star Trek“ und „Into Darkness“, Anm. d. Red.) war dies wichtig. Mir ist klar, dass so etwas von Jahr zu Jahr schwieriger wird.

Ihnen scheint das nicht zu behagen. Warum?

Als Kind habe ich die Handlung eines Films wirklich erst im Kino erfahren, meist hatte ich zuvor nicht einmal den Trailer gesehen. Wenn ich etwas interessant fand, bin ich ins Kino gestiefelt, fertig, aus. Nicht zuletzt aufgrund des Internets meinen heutzutage viele Menschen ein Anrecht darauf zu haben, lange vor Filmstart so viele Details wie möglich geliefert zu bekommen. Die Erwartungshaltung ist enorm. Ich persönlich finde das ausgesprochen schade. Es zerstört die Kinomagie und schadet letztendlich auch dem Film.

Zum 50jährigen Jubiläum der legendären TV-Serie „Raumschiff Enterprise“ (Erstausstrahlung September 1966) waren nicht nur die Erwartungen der Fans besonders hoch. Erstmals sind Sie in „Star Trek Beyond“ nicht nur als Bord-Mechaniker Scotty, sondern auch als Drehbuch-Co-Autor dabei. Wie hoch war der Druck?

Das Schreiben war in der Tat eine Herausforderung, zumal wir nur sechs Monate Zeit hatten und ich tagsüber auch noch mit Dreharbeiten zu „Mission: Impossible - Rogue Nation“ beschäftigt war. Doug Jung ich ich mussten zunächst zwei Punkte klären: Wodurch wurde „Raumschiff Enterprise“ einst so beliebt? Wie machen wir diese Elemente für das heutige Publikum relevant und spannend? Denn Jubiläum hin oder her, schlussendlich geht es immer darum, eine aussagekräftige Story mit gut ausgearbeiteten Figuren zu erzählen. Wenn das Publikum keine Beziehung zu den Filmcharakteren aufbauen kann, nützen die tollsten Spezialeffekte nichts.

Sie haben nebenher auch noch gedreht? Wie haben Sie beides auf Reihe gekriegt?

Nach dem Motto „Augen zu und durch“. Doug flog ein, zwei Wochen zu mir nach England, ich nach LA, den Rest mussten wir per Telefon in Nachtschichten erledigen.

Wie haben Sie das durchgehalten? Mit Kaffee, Alkohol…

Halt! Meine goldene Regel lautet: Nie unter dem Einfluss von Alkohol oder ähnlichem arbeiten, das führt zu fataler Selbstüberschätzung! Dein im Suff fabrizierter vermeintlicher Geniestreich ist garantiert absoluter Blödsinn. Ich trinke ohnehin seit sechs Jahren keinen Tropfen mehr, selbst das Drehbuch zu „The World's End“ (2013) habe ich völlig nüchtern geschrieben, dabei ist der Film ein einziges Besäufnis.

Und zwar ein sehr unterhaltsames. Apropos: Haben Sie den Job als Co-Autor dazu genutzt, Ihrer Filmfigur Scotty ein paar besonders markige Flüche und spaßige Szenen zu verpassen?

Dieser Versuchung habe ich widerstehen können und im Zweifel Doug entscheiden lassen, wann, wo und wie Scotty zum Einsatz kommt. Als jemand mit schottischer Familie konnte ich es mir allerdings nicht verkneifen, ein paar Flüche und Redewendungen ins Skript zu schmuggeln, die wahrscheinlich niemand außerhalb des Landes versteht. Kernige Sprüche lässt vor allem Doktor „Pille“ McCoy (Karl Urban) vom Stapel, der in diesem Film ohnehin einiges zu tun bekommt.

Im „Star Trek“-Team sind Sie durch Filmemacher J. J. Abrams gelandet. Seit Jahren sind Sie beide eng befreundet. Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?

Er hat mich eines Tages aus heiterem Himmel angerufen und gefragt, ob ich für „Mission: Impossible III“ (2006) Zeit hätte. Ich bin übrigens bis zum heutigen Tag der festen Überzeugung, dass er aus purer Verzweiflung zum Hörer gegriffen hat, weil kein anderer den Part von Benji übernehmen wollte. Und dann hat ihm jemand gesteckt: „Frag mal den Pegg, der macht so was.“ Im Ernst, der Grund war, dass ihm „Shaun of the Dead“ gefallen hatte. Ich verdanke J. J. einen Großteil meiner Karriere, zumindest all das, was ich in den USA gemacht habe.

Und wie wurde aus dem Casting-Gespräch eine Freundschaft?

Uns verbindet die Liebe zum Kino, wir haben denselben Humor. Unsere Treffen sind immer urkomisch und voller Lach-Flashs.

Simon Pegg & J.J. Abrams im Interview auf der CinemaCon 2016 in Las Vegas

Wie kann man sich einen Abend mit J.J. und Simon vorstellen?

Als Geek-Fest. Da sitzen zwei Kerle, die rumalbern, über Filme reden und ausbaldowern, was sie als nächstes beruflich anstellen wollen. Herrlich, ich liebe den Mann, sein außergewöhnliches Talent, seinen Enthusiasmus, seine Leidenschaft. Ihm ist es gelungen in nur zehn Jahren vom erfolgreichen TV-Mann („Alias“, „Lost“) zu einem der profiliertesten Filmemacher seiner Generation zu werden.

Nebenbei hat er den „Star Wars“- und „Star Trek“-Universen neuen Schwung gegeben…

…und ich durfte jedes Mal mitspielen! Wie gesagt, J. J. ist ein außergewöhnlicher Mensch, ich schätze unsere Freundschaft sehr.

Und wann sehen wir das nächste Mal etwas vom Dream-Team Abrams-Pegg?

Kann ich nicht sagen, das hängt von J. J. ab. Aber ich habe da ein gutes Gefühl.

Interview: Angela Zierow

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