Priyanka Chopra: "Schönheit ist Einstellungssache"

Miss World, Bollywood-Göttin und jetzt auch US-Serienstar: Priyanka Chopra (34)
Miss World, Bollywood-Göttin und jetzt auch US-Serienstar: Priyanka Chopra (34)
Foto: Theo Kingma
Was wir bereits wissen
Zum Start der neuen Thriller-Serie "Quantico" sprachen wir mit dem derzeit heißesten Bollywood-Export über Emanzipation, Erotik und ein ganz privates Tattoo.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die ehemalige Miss India und Miss World nach Bollywood auch Hollywood im Sturm erobert. Während Priyanka Chopra gerade das "Baywatch"-Reboot mit Dwayne Johnson abgedreht hat und sogar als nächstes Bond Girl im Gespräch ist, startet am 27. Juli (20.15 Uhr auf ProSieben) ihre erste US-Serie. In "Quantico" spielt die 34-Jährige die selbstbewusste FBI-Rekrutin Alex Parrish, die nach einem Terroranschlag selbst unter Verdacht gerät.

Originaltrailer zu "Quantico" (TV-Start: 27.7.2016)

Priyanka Chopra im Interview

Sie sind momentan das It-Girl Hollywoods. Wie fühlt sich das an?

Wie ein großer Neuanfang, was aufregend aber auch einschüchternd ist. Nach fast 13 Jahren Filmkarriere in Indien ist "Quantico" was ganz anderes, aber es ist wahnsinnig toll zu sehen, wie die ganze Welt diese Serie umarmt hat.

Was hat Sie an daran gereizt? Wollten Sie schon immer mal das FBI ausspionieren?

Mein FBI-Wissen vor "Quantico" kam von "Criminal Minds" und anderen Fernsehserien, die ich mir gerne ansehe. Als Vorbereitung für die Rolle habe ich also Stunden mit echten FBI-Agenten verbracht, die auch als Berater an der Show mitarbeiten. Ich habe zwar schon oft in indischen Filmen eine Polizistin gespielt, aber die Gesetzeshüter sind in jedem Land anders. Alex Parrish erforderte also eine große Menge an Recherche. Für mich als Schauspielerin war die Rolle allerdings interessant, weil ich noch nie eine Fernsehserie gedreht habe. Ich glaube nicht an Begrenzungen – weder was Ländern, noch was Medienformate angeht – und wollte mal etwas Neues ausprobieren. Und "Quantico" ist genau die Art TV-Serie, die ich mir als Zuschauer anschauen würde. Der Bonus ist allerdings, dass ich diese Rolle nicht bekommen habe, weil ich Inderin bin, sondern weil ich die Geeignetste für diese Rolle war. Meine Figur hatte keine bestimmte Ethnizität. Mein Traum ist es, dass die Welt eines Tages farbenblind sein wird.

Die Handlung in "Quantico" ist mit den Geschehnissen am 11. September 2001 verknüpft. Warum ausgerechnet diese Terror-Tragödie?

Wenn der 11. September nie passiert wäre, hätten die Autoren die Show sicherlich auf einen anderen Terroranschlag basiert. Aber es gibt keine Tragödie, die vergleichbar zum 11. September ist. Und der Bezug zu diesen wahren Ereignissen gibt "Quantico" mehr Tiefe und Realität.

Erinnern Sie sich noch, wo Sie am 11. September waren?

Sehr genau sogar. Ich war in Indien. In Hyderabad und drehte gerade meinen ersten Film. Sobald wir von den Anschlägen auf die Türme des World Trade Centers hörten, haben wir sofort mit dem Filmen aufgehört und waren an den Fernseher gekettet. Fünf Stunden standen wir alle dort regungslos vor Schock. Keiner sprach ein Wort. Ich erinnere mich, als ob es gestern geschah.

Wird sich die ganze erste Staffel damit befassen, wie Alex ihre Unschuld beweisen kann?

Gegen Ende der Staffel werden wir erfahren, wer der Terrorist ist. Soviel haben die Autoren mir verraten, aber mehr weiß ich auch nicht. Ich tappe genauso im Dunkeln wie der Zuschauer. Und wie Alex selbst (lacht).

Was mögen Sie an Ihrer Figur Alex?

Ihre Stärke. Seit Urzeiten kämpfen wir Frauen um Gleichberechtigung. Um das Recht, eine Stimme zu haben. Um Meinungsfreiheit. Uns wurde immer vorgeschrieben, was wir zu tun und zu denken haben, wie wir uns verhalten und kleiden sollen. Alex wehrt sich gegen diese gesellschaftlichen Vorschriften. Und sie akzeptiert ihre Schwächen. Genau das ist es, was sie so einzigartig und zum Vorbild macht – nicht nur für Frauen, sondern für Menschen im Allgemeinen. Sie ist sie selbst und steht zu ihrer Überzeugung.

Stimmt es, dass Sie Ingenieurswissenschaften und Psychologie studiert haben? Wieso sind Sie dann Schauspielerin geworden?

Ja, was ist aus dem braven indischen Mädchen geworden, das davon träumte, als Ingenieurin bei NASA zu arbeiten? (lacht) Diese Frage stellt sich meine Mutter heute noch täglich – obwohl sie an allem Schuld ist! Aus Spaß oder Neugier hat meine Mutter ohne mein Wissen ein Bild von mir beim Schönheitswettbewerb zur Miss India eingeschickt. Als ich gewann, schickten sie mich zur Miss World. Und als ich wieder gewann, wurde ich mit Filmangeboten überschüttet. So bin ich in die Schauspielbranche geschlüpft. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mein Studium an den Nagel zu hängen. So ist das Leben halt. Man weiß nie, was das Schicksal in petto hat. Und jeden Tag wache ich mit Freude auf und genieße meinen Job.

Priyanka Chopras Krönung zur Miss World im Jahr 2000

Von der Beauty Queen via Bollywood nach Hollywood. Wie haben Sie das geschafft?

Es ging alles so schnell. Ich kann es selbst kaum fassen! Ich war noch so jung, gerade erst 17, als ich auf die Weltbühne geschubst wurde und auf einmal meine Flügel ausbreiten musste. Ich musste sehr oft improvisieren. Mein Motto war: durch Schein zum Sein (lacht). Es war ein Überlebenskampf mit viel Unsicherheit und Selbstzweifel, aber auch eine wunderschöne Zeit, in der ich viel Unterstützung und Liebe von anderen erfahren habe.

Wie hat sich Bollywood verändert? Küssen und Sex waren früher ja tabu...

Bollywood hat vor zwei Jahren seinen 100. Geburtstag gefeiert. Wir gehören damit zu einer der ältesten und produktivsten Filmindustrien der Welt. Wir produzieren fast 900 Filme pro Jahr, und nicht nur Filme in Hindi. Wir sind sehr stolz darauf, dass viele unserer Filme Musicals sind, weil unsere Kultur sehr musikalisch ist. Wir brauchen keinen großen Anlass, um in Singen und Tanzen auszubrechen. Unsere Hochzeiten sind fünf Tage lange Musikkonzerte (lacht). Inder sind einfach laut und ausgelassen, und Bollywood spiegelt diese Gesellschaft wieder. Wir feiern das Leben – und auch den Sex. Entgegen der allgemeinen Auffassung war Bollywood schon immer ein Vorreiter in Sexualität: Frauen im Bikini, die sich nicht davor scheuten zu zeigen, wie sexy sie sind. Allerdings bevorzugen wir es, auf Sex ästhetisch anzuspielen und den tatsächlichen Akt nicht direkt zu zeigen.

Priyanka Chopra im Musikvideo zum Bollywood-Blockbuster "Ram-Leela" (2013)

Apropos sexy: Jeder preist Sie für Ihre Schönheit. Was sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel schauen?

Mit diesem Stempel kann ich mich immer noch nicht anfreunden (lacht). Die Schönheit einer Frau hängt meiner Meinung nach weniger von ihrem Aussehen als vielmehr von ihrer Selbstsicherheit ab. Wenn man sich selbst akzeptiert, wie man ist – die guten und schlechten Seiten. Wenn man das Haus mit dem Gefühl verlässt, dass man einfach perfekt ist, egal was man gerade trägt, das ist wahre Schönheit. Ich habe gelernt, dass Schönheit Einstellungssache ist und dass ich selbst entscheide, ob ich hübsch bin oder nicht.

Seit wann haben Sie das Tattoo Daddy’s Little Girl?

Diese Worte hat mein Vater selbst geschrieben. Natürlich nicht auf meine Haut. Er hätte mir nie erlaubt, ein Tattoo davon machen zu lassen. Er hat acht Jahre lang gegen Krebs gekämpft und ist vor zwei Jahren im Alter von 64 viel zu jung gestorben. Ich habe ihn angelogen und gesagt, dass diese Worte für mein Tagebuch seien. Ich wollte, dass er sie selbst schreibt. Als er sie dann als Tattoo wiedersah, war er zu Tränen gerührt. Ich bin so froh, dass ich es gemacht habe, denn dadurch ist mein Vater für immer bei mir.

Fühlen sich Ihre männlichen Verehrer davon nicht eingeschüchtert?

Männer fühlen sich so oder so von mir eingeschüchtert. Ich glaube nicht, dass das vom Tattoo abhängt (lacht).

Interview: Anke Hofmann

Kommentare einblenden

"Zimmer frei!" verabschiedet sich mit großer Party

Götz Alsmann und Christine Westermann moderieren am 25. September zum letzten Mal "Zimmer frei!".
Götz Alsmann und Christine Westermann moderieren am 25. September zum letzten Mal "Zimmer frei!".
Nach zwanzig Jahren und 694 Ausgaben schickt der WDR seine Kultsendung "Zimmer frei!" in den wohlverdienten Ruhestand und lässt zum Abschied eine große Party in Deutschlands berühmtester WG steigen.
Mehr lesen