Der Mensch im Dackelblick: "Wiener Dog"

Ein Dackel als roter Faden in Todd Solondz' "Wiener Dog" © Prokino Filmverleih GmbH
Episode 1: "Wiener Dog" als Trostspender für den kranken Remi (Keaton Nigel Cooke) © Prokino Filmverleih GmbH
Episode 2: "Wiener Dog" als Roadtrip-Wegbegleiter von Tierpflegerin Dawn (Greta Gerwig) © Prokino Filmverleih GmbH
Episode 3: "Wiener Dog" als seelischer Beistand für den depressiven Drehbuchautoren Dave (Danny DeVito) © Prokino Filmverleih GmbH
Episode 4: "Wiener Dog" als Sterbebegleiter der mürrischen Großmutter Nana (Ellen Burstyn) © Prokino Filmverleih GmbH
Was wir bereits wissen
Im neuen Film von Indie-Kultregisseur Todd Solondz ("Happiness") kommen Stars wie Julie Delpy, Greta Gerwig und Danny DeVito auf den Dachshund.

Er dreht nur alle Jubeljahre einen Film, aber wenn Todd Solondz ein neues Projekt vorlegt, reibt sich nicht nur die amerikanische Indie-Fangemeinde erwartungsvoll die Hände. Die Vorfreude ist auch im Fall von "Wiener Dog" berechtigt, der am 28. Juli in unsere Kinos kommt. Denn der tragikomische Episodenfilm beweist einmal mehr, dass kaum einer den Wahnsinn des Alltags so schonungslos und zugleich unterhaltsam seziert wie der eigenwillige Regisseur aus New Jersey.

Darum geht's in "Wiener Dog"

Im Laufe von knapp 90 Filmminuten wird der titelgebende Dackel zum besten Freund und treuen Wegbegleiter von vier unterschiedlichen Menschen. Da ist zunächst der kranke Junge Remi (Keaton Nigel Cooke), dem der Hund als Trostspender dient, den sauberkeitsfanatischen Eltern (Julie Delpy und Tracy Letts) aber ein Dorn im Auge ist. Danach rettet ihn Tierpflegerin Dawn Wiener (Indie-Prinzessin Greta Gerwig in einer Paraderolle, die der Regisseur bereits in "Willkommen im Tollhaus" von 1995 angelegt hat) vor dem Einschläfern und entführt ihn auf einen Roadtrip mit Ex-Mitschüler Brandon (Kieran Culkin). Danach landet "Wiener Dog" beim deprimierend erfolglosen Drehbuchautoren Dave Schmerz (Danny DeVito) und schließlich bei der missmutigen Krebspatientin Nana (Ellen Burstyn), die von ihrer fremdbestimmten Enkelin Zoe ("Girls"-Star Zosia Mamet) nur besucht wird, weil sie Kohle für ihren bizarren Künstlerfreund braucht.

Trailer zu "Wiener Dog" (Kinostart: 28.7.2016)

Dass zum Teil gar nicht erklärt wird, wie der "Wiener Dog" den Besitzer gewechselt hat, wird der eine oder andere als handwerkliches Versäumnis bemängeln. Diese Inkonsequenz illustriert aber genau wie die von beißender Komik bis zu beklemmender Tragik reichende emotionale Bandbreite der einzelnen Episoden, dass es Solondz um etwas anderes geht. Durch die Dackelblick-Augen eines Haustieres, das als Jagdhundzüchtung im urbanen Leben deplatziert erscheint, präsentiert er uns ein Panoptikum an verkrachten Existenzen, die ihrerseits in der Gesellschaft deplatziert wirken. Getragen wird diese zuweilen schwarzhumorig zugespitzte Außenseitershow durch das exzellente Schauspielpersonal – allen voran Danny DeVito, der GOLDENE KAMERA-Preisträger von 2010, der seinem sprechenden Filmnamen "Schmerz" so ironisch wie zutiefst menschlich sprechende Physis verleiht.

Wer sollte sich "Wiener Dog" anschauen?

Alle, die sich nach einem eigenwilligen Gegenmodell zum Kitsch kommerzieller Hollywood-Komödien sehnen.

Warum muss ich "Wiener Dog" sehen?

Weil die schwarzhumorige Entlarvung der Spezies Mensch selten so empathisch daher kommt. Und weil Danny DeVito endlich auch mal wieder im Kino zeigt, was er kann.

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