Wie realistisch ist "Star Trek"?

Die erste "Enterprise" wurde 2245 in Betrieb genommen, es gibt knapp ein Dutzend Varianten des ursprünglichen Schiffs.
Die erste "Enterprise" wurde 2245 in Betrieb genommen, es gibt knapp ein Dutzend Varianten des ursprünglichen Schiffs.
Foto: dpa / Bildarchiv
Was wir bereits wissen
Zum 50. Geburtstag des Klassikers fragen wir uns: Sind die Technologien der "Enterprise" realistisch? Einige benutzen wir schon.

September 1966. Fünf Jahre zuvor war der erste Mensch ins All geflogen. UdSSR und USA lieferten sich einen dramatischen Wettlauf zum Mond. Im Fernsehen hatten ihn die Amerikaner schon gewonnen – und sie waren noch sehr viel tiefer in die "unendlichen Weiten" des Weltraums vorgedrungen: "Wir schreiben das Jahr 2266, Sternzeit 1513,1", diktiert Captain James T. Kirk zu Beginn der ersten Folge von "Star Trek" ins Computerlogbuch.

Die Geschichte eines Raumschiffs, das fünf Jahre lang das Universum erforschen soll, passte perfekt in diese technikbegeisterte Zeit. Die "Enterprise", die zwölf Jahre später auch ins deutsche TV kam, entführte in ferne Galaxien und begegnete fremden Lebensformen, sie flog durch Wurmlöcher und trotzte Meteoritenstürmen. Und kaum jemand zweifelte daran, dass all dies durch den technologischen Fortschritt bald möglich sein würde. "Star Trek", das war auch eine Serie über unsere Zukunft. Dazu musste sie allerdings auf einer wissenschaftlich halbwegs glaubwürdigen Basis stehen – und darauf achteten die Macher von Anfang an.

Der Warp-Antrieb

Den Warp-Antrieb etwa, mit dem die "Enterprise" schneller als das Licht reisen kann, soll ein Physikstudent gegen 50 Dollar Honorar erfunden haben. Zwar könnte ein Mensch, wenn er mit annähernd Lichtgeschwindigkeit reist, in relativ kurzer Zeit andere Sonnensysteme erreichen, in vier Tagen etwa Proxima Centauri.

Auf der Erde wären dann gemäß der Relativitätstheorie jedoch schon vier Jahre vergangen. "Es entstünde ein völliges Zeitchaos, bei dem eine Crew, die auf eine Mission geschickt würde, jedes Mal weit in die Zukunft katapultiert wird", schreibt der Dortmunder Physikprofessor Metin Tolan in seinem Buch "Die Star Trek Physik" (Piper Verlag, 352 Seiten, 20 Euro).

So sieht der Warp-Antrieb aus

Der Warp-Trick besteht darin, das Schiff in einer Art Zeitblase fliegen zu lassen. Dazu wird der Raum kurzfristig zusammengeschoben und im Moment der Ankunft wieder auseinandergefaltet. Zumindest theoretisch denkbar, das sind auch die meisten anderen "Star Trek"-Technologien.

Sie sind eines der Erfolgsgeheimnisse der Serie, die jetzt 50 Jahre alt wird und es auf 703 Folgen und zwölf Filme gebracht hat. Bisher – ein Ende ist nicht in Sicht: "Star Trek Beyond" ist gerade im Kino angelaufen, eine neue Serie soll 2017 starten.

Tragbare Computer

Manche Erfindungen der Drehbuchautoren haben es inzwischen in unseren Alltag geschafft. Oder war es ein Zufall, dass Apple seinen ersten Tablet-Computer 2010 ausgerechnet iPad nannte? Auf der "Enterprise" arbeiteten Kirk und seine Crew schon früh mit Personal Access Display Devices – abgekürzt PADD. Diese tragbaren Computer sind mit dem Bordrechner verbunden und zeigen dessen Informationen an.

Was der PADD schon damals konnte

Der Kommunikator

Den aufklappbaren Kommunikatoren, den Captain James T. Kirk in der ersten "Star Trek"-Staffel benutzte und mit denen sich die Mitglieder der Sternenflotte verständigen, sind Smartphones schon seit Jahren überlegen. Handys, die man zum Sprechen aufklappen konnte, gab es Mitte der 1990er-Jahre und sind schon wieder aus der Mode.

Der Kommunikator der "Star Trek"-Crew

Das Holodeck

Sogar ein Holodeck gibt es bereits – überraschenderweise in Nürnberg: Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen hat jüngst in einer Lagerhalle Sensoren installiert, zwischen denen man sich in einer künstlichen Welt frei bewegen kann. Allerdings ist dazu noch eine "Virtual Reality"-Brille nötig. In "Star Trek" spielte bisweilen die halbe Crew in einem virtuellen Western mit, den ein Computer simulierte.

Data erklärt das Holodeck

Die Phaser

Auch Phaser, die Handfeuerwaffen aus "Star Trek", sind nicht unrealistisch, wenn auch noch nicht wirklich entwickelt. Energie anzusammeln und mit einem Impuls gezielt freizusetzen, ist kein Problem – nur dauert es heute noch etwas, bis man die Phaser-Power in Kondensatoren zusammenbekommt. Auf Knopfdruck geht da nicht viel.

Was die Phaser können

Das Beamen

Ausgerechnet das Beamen allerdings, eine der faszinierendsten Technologien in "Star Trek", bleibt ein größeres physikalisches Problem: Zwar wäre es durchaus möglich, einen Menschen in seine atomaren Bestandteile zu zerlegen, nur wäre dazu eine Temperatur von einigen Milliarden Grad Celsius nötig – der Gebeamte würde seine Ankunft also nicht erleben.

Beam me up, Scotty

Erfunden wurde das Beamen von "Star Trek"-Autor Gene Roddenberry, übrigens um sich Kulissen für Starts und Landungen der "Enterprise" zu sparen. Tatsächlich wären die auch technisch gar nicht so ohne Weiteres möglich: "Sie brauchen einen Treibstofftank, der mindestens zehnmal größer ist als das Raumschiff, um wieder nach oben zu kommen", erklärt Professor Tolan.

Immer schafften es die Drehbuchautoren von "Star Trek" dann doch nicht, physikalische Fallen zu vermeiden – vor allem dann nicht, wenn sie es zu genau nahmen. Als in einer Folge der dritten Staffel die "Enterprise" von zwei Raumfähren abgeschleppt werden muss, zerren die mit einer Zugkraft von 2500 Kilodyn an dem großen Schiff, bis es sich endlich mit zwölf Kilometern pro Stunde von der Stelle bewegt. Angaben, die offensichtlich kein Physikstudent nachgeprüft hat – wohl aber Professor Metin Tolan. Er hat aus diesen Zahlen berechnet, wie schwer die "Enterprise" ist: "Als Wert erhält man sage und schreibe 158 Kilogramm, inklusive der Besatzung, versteht sich!"

"Raumschiff Enterprise" im TV: fünf Best-of-Marathons an fünf Sonntagen

In Vorbereitung auf den 50. Geburtstag der Kultserie "Raumschiff Enterprise" am 8. September, zeigt der Pay-TV-Sender Syfy die besten und beliebtesten Episoden in fünf Best-of-Marathons an fünf Sonntagen.

Los geht es am 7. August mit fünf Folgen zum Thema "Best of Kirk":

15.40 Uhr: "Raumschiff Enterprise: Kirk : 2=?" (Staffel 1, Folge 5)

16.35 Uhr: "Raumschiff Enterprise: Ganz neue Dimensionen" (Staffel: 1, Folge: 18)

17.30 Uhr: "Raumschiff Enterprise: Kirk unter Anklage" (Staffel: 1, Folge: 20)

18.25 Uhr: "Raumschiff Enterprise: Horta rettet ihre Kinder" (Staffel: 1, Folge: 25)

19.20 Uhr: "Raumschiff Enterprise: Weltraumfieber" (Staffel: 2, Folge: 1)

Am 14. August folgt "Best of Aliens", am 21. August gibt es "Best of Spock" zu sehen und am 28. August steht "Best of Intergalactic Kisses" auf dem Programm. Den Abschluss bilden dann am 4. September mit "Best of Star Trek" die beliebtesten "Raumschiff Enterprise"-Episoden, gewählt von Zuschauern und Fans.

Text: Michael Fuchs

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Simon Pegg und Sofia Boutella in "Star Trek: Beyond".
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Foto: Paramount Pictures
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